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Technologie-Test: Solid-Ink-Drucker (Festtintendrucker)



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Die Alternative zu Laser…
Ich gebe zu, Produkttests zu Druckern und der dazugehörigen Technologie findet man im CyberBloc nicht sehr häufig – da im Grunde genommen ein unspannendes Thema. Zwar optimieren die Hersteller stetig ihre Modelle, grundsätzliche Revolutionen sucht man dennoch vergebens. So findet man Nadeldrucker nur noch für Spezialanwendungen (Durchschläge etc.), der private Endverbraucher begnügt sich derweil mit Tintenstrahldruckern und ambitionierte Nutzer und Firmen setzten seit nunmehr über 20 Jahren auf die Lasertechnologie um die Druckkosten im Zaum zu halten. Abseits dieser, den meisten Menschen bekannten Möglichkeiten, existiert jedoch noch eine weitere, alternative Technologie: Solid-Ink!
Geschichte von Solid-Ink
Als ich den frühen 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts meinen ersten Mac erwarb, war ich ein eifriger Leser diverser Fachzeitschriften wie bspw. der Macwelt. Durch Anzeigen und Produkttests wurde ich schon damals auf ein interessantes und alternatives Konzept für Drucker aufmerksam. Die sogenannten Solid-Ink-Drucker kamen aus dem Hause Tektronix und setzten statt Toner oder Flüssigtinte kleine Wachs-Briketts ein. Diese wurden erwärmt und anschließend aufs Papier gebracht – heraus kam ein hervorragendes Druckbild (auch in Farbe) und vor allem weniger Abfall als bei klassischen Laserdruckern, denn neben dem Toner produzieren diese noch anderen Müll, wie bspw. Belichtungseinheiten etc. die nach einer gewissen Zeit ausgetauscht werden müssen.

Solid-Ink-Drucker – Teil 1″

Leider waren Solid-Ink-Drucker für den Heimgebrauch schlicht zu teuer, schon halbwegs gute Tintenstrahldrucker kosteten Mitte der 90er-Jahre mehrere hundert Mark (z.B. kaufte ich meinen Apple Color Stylewriter für 950 DM), Festtinten- und Laserdrucker gleich mehrere tausend. So blieb mir persönlich nur der Traum vom perfekten Druck und ein teurer Tintenstrahldrucker, dessen Bildqualität oft zu wünschen übrig ließ. Mittlerweile nutze ich privat kaum noch die Möglichkeit zum Drucken, elektronische Korrespondenz löste den guten alten Brief ab, und muss ich dennoch zu diesen antiken Mitteln greifen, steht mir im Büro ein kleiner Laserdrucker von HP zur Verfügung. Doch was geschah unterdessen mit der vielversprechenden Festtinten-Technologie?

Xerox schlägt zu
Im Jahre 2000 kaufte kein geringerer Branchenriese als Xerox dieses Geschäftsfeld von Tektronix ab. Xerox – Erfinder des Laserdruckers, des Fotokopierers und der grafischen Benutzeroberfläche, wie man sie heute von jedem Computer kennt. Letztere Technologie – hervorgebracht durch das hauseigene PARC (Forschungszentrum) – „verschenkte“ man jedoch an Apple, denn die Firmenspitze sah in den 70er-Jahren schlicht keinen Bedarf dafür. Gebe es in der Technikgeschichte die Goldmedaille für die dümmste Geschäftsentscheidung – Xerox hätte sie redlich verdient. Statt also die Weltmacht an sich zu reißen und die Computerindustrie zu revolutionieren, konzentrierte man sich bei Xerox lieber auf das Kerngeschäft, insofern war der spätere Zukauf der Festtintensparte von Tektronix nur logisch. Die Technik wurde weiterentwickelt, das Grundprinzip blieb jedoch auch hier unverändert.


Filmausschnitt: „Pirates of Silicon Valley“ – Steve Jobs „besucht“ Xerox.

„Haustest“ bei Cyberport
Auch bei Cyberport kann man selbstverständlich die aktuellen Modelle mit Solid-Ink-Technik von Xerox erwerben. Der Hersteller war so freundlich und stellte uns ein Textexemplar zur Verfügung. Natürlich musste ich dies mir gleich näher anschauen. Das Design des Druckers orientiert sich an modernen Laserdruckern, ein unbedarfter Anwender würde den Unterschied zunächst nicht erkennen. Erst wenn man unter die „Haube“ blickt, erkennt man den grundverschiedenen Aufbau zum Laserdrucker. Im Gegensatz zu diesen sind Festtintendrucker sehr simpel aufgebaut, fast schon banal. Statt Toner finden nur sogenannte Colorsticks Anwendung – kleine Wachspatronen in den drei gängigen Druckfarben (C = Cyan, M = Magenta, Y = Yellow) und Schwarz. Diese sind vollkommen ungiftig und könnten sogar als „Wachmalstifte“ verwendet werden (siehe Bilderserie), wenn gleich dies auf Dauer ein teurer Spaß ist ;-). Schon an dieser Stelle wird Verpackungsmaterial gespart, kommen diese doch nur in kleinen Blisterverpackungen. Im Anschluss werden diese in den Drucker eingesetzt, durch die spezielle Form ist es nicht möglich diese falsch zu installieren.

Solid-Ink-Drucker – Teil 2″

Nach einer kurzen Aufwärmphase kann es losgehen: Mir fällt besonders die Geschwindigkeit ins Auge, ein einfaches Textblatt mit Bildern ist blitzschnell gedruckt, selbst ein größeres Bild (50 MB) bedarf nur geringfügig mehr Rechenpower. Die Druckqualität überzeugt, selbst auf normalem Office-Papier schauen die Ergebnisse sehr gut aus. Kurz noch zur Technik: Das Wachs wird erwärmt und im Anschluss aufs Papier gebracht, das Ergebnis ist eine Art versiegelte Farbschicht, die sofort trocken ist. Im „Wischtest“ konnten wir zumindest keine Abfärbungen feststellen. Erst wenn das Papier zusammengeknüllt wird, fällt auf, dass es zu diesen kommen kann – lesbar ist dennoch. Auch ist die Farbschicht resistent gegenüber Wasser. Ein kurzer Regenschauer ist somit für Dokumente ungefährlich.


Infofilm von Xerox

Eigentlich könnte man meinen, dass Solid-Ink-Drucker nur Vorteile haben: Geringe Druckkosten, sehr wenig Abfall, keine Ozon-Belastung wie bei Laser, sehr einfach einzusetzen etc. Dennoch gibt es auch ein, zwei Kritikpunkte. Zwar ist der Einstiegspreis schon auf mittlerweile ca. 600 Euro gesunken, Laserdrucker sind dennoch in der Erstanschaffung oftmals noch etwas günstiger – zumindest für den privaten Endverbraucher. Auf lange Sicht könnte sich aber auch für diese Personengruppe ein Solid-Ink-Drucker lohnen. Aufpassen sollte man bei bedruckten Papier: Eine spätere Verwendung in einem Laserdrucker ist ausgeschlossen, denn die Erwärmung in diesem würde das Wachs zum schmelzen bringen und den Laserdrucker beschädigen. Wer noch mehr über die Vor- und Nachteile von Solid-Ink wissen möchte, dem empfehle ich den englischsprachigen Artikel aus der Wikipedia.

Solid-Ink-Drucker – Teil 3″

Als Fazit möchte ich festhalten, dass die „alte“ Technik auch heute noch ihren Reiz hat, für viele potentielle Anwender dürfte die Festtintentechnik eine echte Alternative sein: Sehr einfach zu bedienen, Umweltfreundlich uns sehr gute Druckergebnisse inklusive.

Solid-Ink-Drucker bei Cyberport:

  • Infoseite (zur Zeit nicht mit den aktuellen Modellen, werden noch hinzugefügt)
  • aktuelle Modelle (Phaser, ColorQube) von Xerox bei Cyberport

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  • 1 Kommentar

    1. avatar
      Geoff schrieb am
      Bewertung:

      Steht da wirklich auf der deutschsprachigen Anzeige (2. Bild) „WALK-up-Funktionen“? ;-) Mein Lexikon kennt auch das, aber etwa als Bezeichnung für ein Haus ohne Fahrstuhl, also hoch-lauf-Haus.
      Meinten die das, als sie die Int13rung durchgeführt haben?

      Ich liebe es (TM)

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