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Produkttest: Nintendo DSi XL



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Der Gameboy kommt in die Jahre…
…irgendwie war es ja zu erwarten, dass er altern würde. Ich bekam einen Gameboy der ersten Generation gerade noch rechtzeitig, vor dem Eintritt ins Teenie-Alter. So gehörte ich schnell zur Gruppe der Tetris-nur-im-neunten-Level-Starter und zeigte alle zehn Minuten stolz Space Shuttles herum. Für die Adventures (Blob und Co) konnte ich mich dagegen kaum begeistern, wuchs ja auch relativ schnell aus dem Konsolen-Alter raus. Lange Jahre lagerte das abgespielte Teil in einer Kiste auf dem Dachboden, die Tasten fettig glänzend und die Displayabdeckung fällt halt immer ab…kennt jeder oder? Inzwischen wurde er als kurzweilige Toilettenunterhaltung reaktiviert, der olle Gameboy und er läuft und läuft und läuft. Ob die Nintendo DSi XL da mithalten kann?
Nicht nur ich habe mich in den letzten 20 Jahren entwickelt, auch beim Gameboy tat sich was. Auf den „Gameboy Color“ schaute ich ja selbst noch ein wenig neidisch, was danach kam, „advanced“ und „DS“, habe ich nur noch am Rande mitbekommen. Zu meiner Zeit war dieser zweigeteilte Bildschirm ja ein absoluter Traum. Das hatten nur die besonders teuren LCD-Spiele – meins, „Marios Zement-Fabrik“, leider nicht. Es war trotzdem ein klasse Game, hat meinen Coolness-Wert mindestens verdoppelt. Heute ist das alles Standard und ich komme mir wie meine Omi vor, wenn ich so über alte Zeiten palavere. Aktuell halte ich die Nintendo DSi XL in der Hand, das ist die neueste Gameboy-Generation. Am Namen kann man es schon erkennen, es ist eine aufgeblasene DSi. Es gibt kaum technische Veränderungen, es ist nur alles eine Nummer größer. So wie ein T-Shirt in Größe XL eben mehr Stoff hat als ein Shirt in der Größe S, ist die DSi XL eben höher, breiter, dicker und schwerer als das kleine Schwesterchen.

Nintendo DSi XL – Teil 1″

Aussehen
Die Nintendo DSi XL ist eine sehr hübsche Konsole, das kann man wirklich sagen. Ein Augenschmaus, was zum Anschauen…wenn ich an meinen ollen Gameboy denke, das ist wirklich kein Vergleich. Diese Gerät sieht, wie sagt man so schön, sehr wertig aus – zumindest, solange es in der Schachtel bleibt. Leider kann man es nur mit Handschuhen benutzen, denn sonst sind sie da, die hässlichen Fingerabdrücke. Ich habe das Gefühl, das alle Designer Handschuhe tragen. Denen ist offenbar nicht klar wie hässlich ihre schönen Klavierlackfronten aussehen, wenn man da mal mit der bloßen Hand drauf fasst. Auf den Produktbildern ist ja immer alles pikobello, Fingerabdrücke und Staub haften jedoch wie magisch auf der Oberfläche. Wenn ich das Ding auf den Fußboden stelle, kann ich es morgen bestimmt nicht mehr von der Katze unterscheiden. Wenigstens ist die Unterseite der DSi XL aus einem rauen Kunststoff, sieht nicht ganz so schick aus, ist dafür aber auf Dauer schön.

Was ich jedoch bemerken muss, die Farbe (Schokolade) sieht sehr appetitlich aus. Auf der Unterseite nicht so, da hat sie einen Rosa-Stich, doch innen ist sie wirklich gut getroffen. Ich mag diese Farbe, könnte was mit der Schokoladensucht zu tun haben. Würde ich mir die DSi kaufen, diese Farbe wäre es.

Technisches
Die DSi hat zwei Kameras. Mit einer fotografiert man seine Umwelt, sie befindet sich an der Außenseite des Gehäuses. Mit der anderen fotografiert man vornehmlich sich selbst, denn die befindet sich wie eine Webcam innen im Deckel. Damit lassen sich leicht mittelmäßige Bilder machen und es gibt einen Modus mit dem man diese dann noch editieren kann. Alles nichts besonderes, aber für den einen oder anderen Lacher reicht es. Leider muss man vor der Benutzung des Editier-Modus zwangsweise eine Einführungsphase durchlaufen. Ich habe sie vor lauter Langeweile beim ersten Versuch abgebrochen, dann aber festgestellt, dass man da durch muss, sonst kann man die Bilder nämlich nicht bearbeiten.

Die WLAN-Funktionalität klappt prima, da hab ich nichts zu meckern, der Router stand aber auch in dem Raum, in dem ich saß und die DSi XL lag.

Die Grafik ist mäßig, 256 x 192 Pixel hat die kleine DSi auch, da kann es bei einem größeren Bildschirm natürlich keine positiven Überraschungen geben. Die Darstellung wirkt unscharf, vor allen Dingen beim Lesen nervt das sehr. Bei Spielen ist man da ja nicht so empfindlich und man fühlt sich beim Autorennen doch deutlich näher am Geschehen, da hat die schlichte Größe doch was Positives.

Apropos Positiv: Positiv ist zudem zu vermerken, dass mit der Größe insgesamt auch die des Akkus gewachsen ist. Sieben Stunden hält er und reicht damit für eine Autofahrt aus dem Brandenburgischen bis in die Niederlande (wenn es mal keinen Stau gibt). Allerdings ist die kleine DSi wegen der Größe und des Gewichts für unterwegs praktikabler und kommt ja immerhin auch auf vier Stunden Akkuleistung.

Klasse finde ich, dass die Konsole in Sekundenschnelle startbereit ist. Ich bin eher der hektische Typ und mich nerven diese Ladebalken, ob sie nun blinken oder rotieren.

Bedienung
Die Bedienung des Touchscreens mit Fingern ist manchmal ziemlich fummelig. Die Buttons sind vor allem der Tastatur sind für die Bedienung ohne Pen offenbar nicht ausgelegt. Man muss den Finger wirklich schon seeeeeeeeehr schlank machen, dass man an Stelle eines „P“ nicht „OPÜ“ erwischt. Die Bedienung mit den Tasten ist dafür vermutlich relativ seniorentauglich. Die Tastenabstände sind genauso gewachsen wie das gesamte Gerät.

Software
Sehr kurzweilig fand ich die Testversion von „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“. Es ist clever, dass die Konsole nicht komplett leer ist. Die Praxis auf Testversionen zu verzichten, Nintendo macht das jetzt so, finde ich nämlich ziemlich doof. Es werden zwar stattdessen Punkte für Gratisdownloads verschenkt, aber man kann in die Spiele nicht mehr hineinschnuppern. Der DSi selbst und auch jedem Spiel liegt eine PIN-Nummer bei, mit 1.000 Credit Points für das Nintendo-Downloadportal. Da es eben keine Testversionen gibt, sind diese PINs heiß begeht, werden bei Ebay gehandelt und die Preise sind gar nicht so ohne. Mich würde man viel schneller mit einem Gratis-Level kriegen. Wenn der Prinz vor dem Schloss steht und der Drachen will gerade zubeißen und dann… „wie es weitergeht, erfahrt ihr, wenn ihr das Spiel kauft.“ Dann würde ich mich auch mal zu einem schnellen Download hinreißen lassen. So spare ich halt das Geld.

Nintendo DSi XL – Teil 2″

Das einzige was man gratis bekommt, ist das Grafik-Programm „Flipnote Studio“, damit kann man grafische Szenen zu Videos zusammenbauen. Das Werbevideo machte einen echt spannenden Eindruck, so dass ich mir dieses Programm gleich herunterladen musste. Naja, einem geschenkten Gaul schaut man nicht…und für Euch riskiere ich doch mal einen Blick. Flipnote Studio ist dann aber doch ziemlich langweilig. Die Optionen sind begrenzt. Man muss schon ein Virtuose sein, um an so einer kleinen Konsole was richtig Starkes zu zaubern, schon die Beispielfilmchen überzeugen nicht mehr. Es gibt mit Sicherheit Gratistools für den PC, die Besseres können. Auch kann ich die Zielgruppe nicht so richtig klar definieren. Nintendo vermutlich auch nicht.

Eine Wörterbuchfunktion gibt es auch. Ganz spaßig dabei, man kann Buchstaben oder Schriftzeichen abfotografieren und sich übersetzen lassen. Wenn man kurz davor steht japanischen Chlorreiniger zu trinken, kann das wirklich hilfreich sein, wird aber vermutlich eher selten passieren.

Zielgruppe
An der DSi XL ist kaum etwas Neues zu finden, es scheint so, als sei sie wirklich eine Senioren-Konsole: für Erwachsene, die schlechter sehen und dickere Finger haben als ihre Sprösslinge. Der große Bildschirm ist dabei noch das praktischste, auch wenn die DSi XL als E-Book-Reader komplett versagt. Dazu gibt es mehr in der baldigen Auswertung des entsprechenden Programms.

Der Gameboy war einst sehr innovativ, aber im Moment soll die DSi wohl eher so eine Art eierlegende Wollmilchsau sein. Und das sind zur Zeit alle Elektrogeräte: Handys, Navis, Netbooks, Mp3-Player, Spielkonsole…kann man bezüglich der Funktionen alles kaum noch voneinander unterscheiden. Ich wünsche mir da mehr Charakter.

Fazit
Der Gameboy altert mit mir zusammen und ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Welche Zielgruppe Nintendo anpeilt, ist mir nicht ganz klar. Gimmicks wie die zwei Kameras sind für Ältere nichts, die verstehen vielleicht die Bedienung nicht so schnell, sind dafür aber sehr qualitätsbewusst, doch die Bildqualität ist mau. Den Seniorenmarkt erobern zu wollen, halte ich prinzipiell für eine sehr gute Idee. Dass die DSi sich dafür grundsätzlich eignet, zeigt die Popularität dieses Gehirnjogging-Games. Die Vergrößerung der Konsole trägt dazu auch bei, die Integration von unausgereiften Spielereien allerdings weniger.

Die nächste Generation der Nintendo DSi XL, wenn es denn eine geben wird, muss einen deutlich bestimmbaren Mehrwert bieten – eine einfach bedienbare Kamera zum Beispiel, so dass das Bilder an die Enkel verschicken mit einem Knopfdruck möglich ist oder etwas in der Art. Potenzial hat die Senioren-DSi allemal.

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1 Kommentar

  1. avatar
    Markus schrieb am
    Bewertung:

    Ich habe kurz überlegt, ob ich mir vielleicht auch ein DSi XL zulegen soll, aber als ich gehört habe, dass die Display-Auflösung nicht verbessert wurde, habe ich mich gegen einen Kauf entschieden. Ende diesen Jahres oder Anfang nächsten Jahres kommt das Nintendo 3DS auf den Markt, welches garnicht mehr vergleichbar ist mit den bisherigen Generationen!

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