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NuForce HEM8 vs. Shure SE535: High-End-In-Ears im Test



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Bereiche

Bewertung
Zweimal toller Sound
4,5

 Pro

  • Überzeugender Klang in den meisten Genres
  • Ausgereifte Technik
  • Üppiger Lieferumfang
  • Sehr guter Tragekomfort
  • Transport-Etui im Lieferumfang

 Contra

  • HEM8: Gelegentlich zu viel Bass
  • HEM8: Anschluss per 2 PINs gelegentlich unflexibel
  • SE535: Design gewöhnungsbedürftig
  • SE535: Starker Geruch

Nahezu jedem Smartphone liegen sie bei, fast jeder Jogger hat sie im Ohr und schon im Preisbereich um die 30 Euro tummeln sich große Namen wie Sony und Sennheiser: Die Rede ist von In-Ear-Kopfhörern und eigentlich habe ich mich schon immer gefragt, warum es diese kleinen Stöpsel auch im Segment jenseits der 400 Euro gibt. Kann so viel Technologie auf so kleinem Raum stecken, dass sich diese Investition lohnt? Ist das Klang-Ergebnis wirklich so viel besser?

Um das zu beantworten, habe ich mir zwei aktuelle High-End-In-Ears zum Vergleich zu Gemüte geführt: den NuForce HEM8 von Optoma und den Shure SE535. Ersterer bringt Hi-Res-Audio-Tauglichkeit sowie 4 Treiber pro Ohrhörer mit und kostet aktuell um die 500 Euro. Der Shure setzt auf einen Hoch- und zwei Tieftöner pro Kanal und verspricht eine besonders gute Geräuschabschirmung. 439 Euro werden dafür fällig. So gesehen stehen zwei verschiedene Konzepte im Audio-Ring, die weniger gegeneinander antreten, sondern vielmehr aufzeigen sollen, ob und wann sich eine solche Investition lohnt.

Lieferumfang

Dank großem Lieferumfang garantiert passgenau

Der Karton des NuForce HEM8 von Optoma ...
... gibt sich elegant-zurückhaltend ...
... und birgt in sich ein Transport-Etui ...
... das wiederum die In-Ears selbst ...
... und sämtliches Zubehör mitbringt.
Alles in allem bekommt ihr beim HEM8 jede Menge Hardware fürs Geld.
Shures SE535 präsentiert sich ein wenig klassischer ...
... und fällt vom Karton her ausladender aus.
Die Verpackung ist ziemlich widerspenstig.
Doch der reichhaltige Lieferumfang entschädigt.
Der Karton des NuForce HEM8 von Optoma ...

Optoma NuForce HEM8: Der NuForce kommt in einem schicken schwarzen Karton daher, den ihr einfach nur aufklappen müsst, um den Inhalt zu enthüllen. Und der hat es in sich: In einem großen, robusten Plastik-Etui finde ich in Schaumstoff eingefasst die beiden Ohrhörer und noch ein kleines Etui mit Reißverschluss. Darin entdecke ich wiederum 6 Silikon-Ohrpassstücke in verschiedenen Größen, zwei weitere Paare aus flexiblem Schaumstoff, einen Klinkenadapter auf 6,3 Zoll, ein Reinigungstool sowie einen Kabel-Clip. Außerdem bringt der HEM8 gleich zwei Kabel mit. Kabel 1 gibt sich klassisch mit Bedienteil, Kabel 2 ist gewunden und dürfte weniger anfällig für Störgeräusche sein. Alles in allem eine tolle Vorstellung.

Shure SE535: Der Karton des Shure erinnert ein wenig mehr an die klassischen Verpackungen, wie man sie aus dem Regal kennt. Weniger klassisch ist der Öffnungsmechanismus: Es gibt keinen, sodass ich mit ordentlich Kraft am Deckel zerren muss und die Box dabei ganz schön zerschramme. Spaß macht das leider nicht. Zum Glück entschädigt mich der Inhalt, denn auch der SE535 gibt sich ausladend. Die transparenten In-Ears finde ich bereits verbunden mit dem Kabel. 5 Paar Schaumstoff- und 4 Paar Silikonpassstücke sind ebenso an Bord wie ein kleines Reinigungstool sowie eine separate Steuereinheit für die Lautstärke. Komplettiert wird das Sortiment von zwei Klinkenadaptern, einer kompakten Transportbox sowie einem umfangreichen Beileg-Heft. Bis auf das zweite Kabel liegt der SE535 damit auf Augenhöhe mit dem NuForce HEM8.

Design: NuForce HEM8

NuForce HEM8: klassisch meets futuristisch meets komfortabel

HEM8 als Mischung aus Eleganz & futuristischem Design
Zwei PINs für den Anschluss ans Kabel
Das Design gibt sich gefällig.
Eine Reinigungsbürste ist ebenso an Bord ...
... wie ein Halterungsclip ...
... und ein Klinkenadapter in Gold.
Kabel 1 in klassischer Bauweise ...
... und mit bewährtem Bedienteil.
Kabel 2 ist gewunden ...
... und absorbiert Störgeräusche durch Reibung deutlich besser.
HEM8 als Mischung aus Eleganz & futuristischem Design

Klassisches Understatement, das kommt wohl am ehesten hin, wenn ich das Design des NuForce HEM8 beschreiben will. Mein Test-Sample kommt in Schwarz daher und wirkt wie eine Mischung aus bewährtem Design und futuristischem Touch.

Um die In-Ears einsatzbereit zu bekommen, bedarf es ein klein wenig Bastelei, denn so gut wie jeder Bestandteil der Ohrhörer kommt separat daher. Das Schwierigste ist dabei, die richtigen Passstücke zu finden. Die im Lieferumfang Enthaltenen dürften aber jeden zufrieden stellen. Die Passstücke stecke ich auf die Ohrhörer und verbinde diese per 2-PIN-Steckverbindung mit dem gewünschten Kabel. Die In-Ears lassen sich dadurch nicht gegen das Kabel verdrehen.

Nach all dem und ein klein wenig Drehen und Justieren im Ohr, habe ich im HEM8 einen sehr komfortablen und auch ein stückweit individuellen Ohrhörer auf dem Kopf. Beim Kabel habe ich mich übrigens für das gewundene entschieden, in der Hoffnung, dass es möglichst wenige physische Geräusche überträgt.

Design: SE535

Shure SE535: Sehr gute Passform mit leichten Einschränkungen

Das transparente Design ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack.
Ohrpassstücken gibt es jede Menge ...
... in verschiedenen Ausführungen.
Auch bei Shure ist ein Reinigungstool an Bord.
Die üblichen Adapter
Das Bedienteil ist separat anzuschließen.
Das Transport-Etui gibt sich deutlich kompakter als das des NuForce.
Der SE535 in Einzelteilen ...
... und zusammengesteckt mit den passenden Polstern.
Das transparente Design ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack.

Alles andere als klassisch präsentiert sich der SE535 mit transparenten In-Ears und ebenso durchsichtigem Kabel. Wer also schon immer mal wissen wollte, was genau so alles in einem Ohrhörer steckt, kommt dem mit dem Shure ein Stück näher, ganz ohne die Ohrhörer zerlegen zu müssen. Mein Geschmack ist es nicht ganz, da ich mir vorstellen kann, dass die anfängliche Optik leicht in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Auch beim SE535 gilt es dann zunächst, aus den Ohrpassstücken das Richtige zu wählen und auch hier ist die Auswahl eindeutig ausreichend. Das Aufpflanzen der Stöpsel auf die In-Ears ist etwas anspruchsvoller als beim NuForce und erfordert gleichermaßen Fingerspitzengefühl und ein wenig mehr Druck. Beim Kabel habe ich keine Auswahl, dafür werden die Ohrhörer nur in einen PIN eingerastet, sodass sie sich um den PIN rotieren lassen.

Die Passgenauigkeit ist beeindruckend und die SE535 sitzen auf Anhieb. Was mich jedoch ein wenig irritiert hat, ist das einige Zentimeter lange drahtverstärkte Kabelstück direkt hinter dem Anschluss jedes Ohrteils. Das soll dazu dienen, die In-Ears hinter dem Ohr zu justieren, was ich aber auch nach langem Probieren nicht zufriedenstellend hinbekommen habe. Und eins muss ich noch erwähnen: Die Shure-Ohrhörer riechen anfänglich ungewöhnlich stark nach Gummi.

Klangtest: NuForce HEM8

Klangtest 1: NuForce HEM8 mit gewaltigem Bass

Vier Treiber pro Ohrhörer, zwei für den Bass, einer für die Mitten, einer für die Höhen – damit und mit einer Frequenzabdeckung von 10 bis 40.000 Hertz verspricht der HEM8 einerseits einen besonders warmen, bassstarken Klang und andererseits eine Sound-Differenzierung, die auch für professionelle Audioproduktionen taugen soll – Hi-Res-Zertifizierung inklusive. Doch wie klingen die NuForce-In-Ears nun in der Praxis. Schauen wir uns einige Hi-Res-Beispiele an.

Klassik: Samuel Barber – Agnus Dei (Live): Die Chor-Fassung des tieftraurigen Barber-Stücks hat mich schon immer begeistert und entsprechend gespannt war ich auf die Klangdarbietung des NuForce. Und der schlägt sich hervorragend. Der stärker betonte Bass verleiht dem Stück eine wohltuende Wärme, während alle Stimmen des polyphonen Satzes deutlich zu differenzieren sind. Auch die zahlreichen kleinen „Störgeräusche“ aus dem Publikum transportiert der HEM8, was das Stück in seiner kompletten Authentizität präsentiert.

Jazz: Jan Garbarek – Rites: Garbarek verquickt Jazz mit Weltmusik, Synthesizer und ordentlich Schlagzeug. Im HEM8 klingt das alles zusammen wummernd basslastig und schön atmosphärisch-flächig. Die Details arbeitet der NuForce dennoch deutlich besser heraus als meine 100-Euro-Sennheiser, sodass ich viele kleinere Spielereien entdecke, die ich sonst kaum gehört habe. Auch an diesem Beispiel gefällt mir der NuForce HEM8 mit seinem satten Bass ausnehmend gut.

Metal: Tool – Vicarious: Oha, so viel Bass hatte Tool noch nie. Toms, Bass Drum, Bass – alle hauen in dieselbe Kerbe und dröhnen ganz schön in den Ohren. Mitten und Höhen sind zwar immer noch deutlich zu erkennen und der Gesamtklang ist absolut detailreich, allerdings habe ich hier das erste Mal das Gefühl, das vor allem die Höhen entschärft werden. „S“-Laute beim Gesang treten sehr moderat zu Tage. Zum Vergleich habe ich noch „Jeckyll and Hyde“ von Five Finger Death Punch nachgeladen. Bei Haudrauf-Metal macht der Klang wieder mehr Spaß, dennoch wäre der NuForce nicht meine Präferenz für Schwermetall.

Ambient/Club: Aural Float – Travelogue: Sauber wummernde Bässe, klare Höhen, jede Menge Samples und Synthies, die per Delay von einem Ohr zum nächsten wechseln – bei Club, House und Ambient fühlt sich der NuForce hörbar zuhause. Der saubere Mix des Ausgangsmaterials wird erstklassig transportiert und auch sein Hi-Res-Können spielt der HEM8 in diesem Genre überdeutlich aus.

Klangtest: SE535

Klangtest 2: Sehr differenziertes Klangbild beim Shure SE535

Von ausgewogenem Bass spricht auch der SE535, wenngleich er ihn nicht derart in den Vordergrund rückt wie der HEM8. Vielmehr geht es ihm um Räumlichkeit und Sound Isolation gegenüber Außengeräuschen. Um zu beurteilen, was das in der Praxis heißt, kommen erneut die Test-Songs zu Gehör.

Klassik:​ ​Samuel​ ​Barber​ ​-​ ​Agnus​ ​Dei​ ​(Live): Hier steht der Shure dem NuForce nur in einem Punkt nach, dem Bass. Der Klang kommt nicht ganz so warm rüber wie beim HEM8, allerdings könnten Bass-Verächter auch befürworten, dass die Tiefen nicht überbetont werden. Bei Mitten, Höhen und den kleinen Hustern aus dem Publikum liefert aber auch der SE535 perfekt ab. Hinzu kommt, dass die Shure-In-Ears tatsächlich etwas besser gegen Außengeräusche abschirmen – ziemlich wichtig bei zurückhaltender Musik.

Jazz: Jan Garbarek – Rites: Wie schon am Beispiel der Klassik verzichtet der SE535 auch bei Garbarek auf allzu deutliche Bässe. Die kommen dabei ebenso differenziert zur Geltung wie Mitten und Höhen, dominieren aber das Gesamtbild nicht so sehr. An der Stelle frage ich mich doch, ob mir dieses Niveau an Bass nicht auch schon reichen würde.

Metal: Tool – Vicarious: Yep, das macht Spaß. Höhen und Mitten sind klar zu hören und treten aus dem Gesamtbild angenehm hervor, deutliche aber nicht übertriebene Tiefen kommen hinzu. Im direkten Vergleich liefert der SE535 auch mehr Details als der HEM8 und überzeugt mich somit bei diesem Genre mehr. Auch hier will ich den Abstecher zu Five Finger Death Punch noch mitnehmen, um festzustellen, dass In-Your-Face-Metal die Shure-In-Ears vor keine allzu große Herausforderung stellt. Zwar wäre hier ein etwas deutlicherer Bass nicht verkehrt, aber das Gesamtbild stimmt.

Ambient/Club: Aural Float – Travelogue: Beim Clubsound geht der SE535 zurückhaltender zu Werke als sein Hi-Res-Kollege. Das macht sich abermals beim Bass bemerkbar. Der sticht zwar immer noch deutlich hervor, drängt sich aber nicht so extrem in den Vordergrund. Letztlich haben Mitten und Höhen mehr Spielraum, während sie sehr angenehm mit dem Bass harmonieren. Hier kann ich wirklich nicht davon sprechen, dass die Shure-Ohrhörer dem Optoma überlegen wären. Sie spielen auf Augenhöhe, aber zielen auf ein anderes Klang-Klientel ab.

Fazit

Zweimal High-End, zweimal Hörgenuss

Besonders deutlich wird der Sound-Unterschied im Vergleich zu günstigeren In-Ears.
Besonders deutlich wird der Sound-Unterschied im Vergleich zu günstigeren In-Ears.

Nachdem ich alle Songs noch einmal mit meinen Sennheiser Momentum gehört habe, muss ich zu dem Schluss kommen, dass die hohen Preise des Optoma NuForce HEM8 und des Shure SE535 durchaus gerechtfertigt sind. Ich höre deutlich, dass in den kompakten In-Ears ein kleines Bollwerk an Technik vor sich hin werkelt, das vor allem bei Hi-Res-Ausgangsmaterial ein nuancenreiches und vielschichtiges Klangergebnis sicherstellt. Allerdings zeigen sich zwischen den beiden In-Ears auch deutliche Unterschiede.

Der NuForce HEM8 kitzelt aus weniger basslastigem Material eine überragende Wärme bei gleichzeitig bester Detailzeichnung heraus. Vor allem bei Klassik und Jazz, aber auch bei Club-Sounds mit massivem Bass bewährt sich der HEM8. Im Lieferumfang enthalten ist alles, was ich benötige, und vor allem das gewundene Kabel hat mich überzeugt, denn von Störgeräuschen durch Reibung an der Kleidung habe ich kaum noch etwas gehört.

Ähnlich umfangreich gibt sich das Zubehör des Shure SE535, allerdings muss ich hier auf ein vergleichbares Kabel verzichten. Positiv fiel mir auf, dass die Ohrhörer nur mit einem PIN gekoppelt werden und damit flexibel um die eigene Achse rotiert werden können. Klanglich gibt sich der SE535 ein wenig bescheidener und zurückhaltender als der HEM8 und spart vor allem allzu heftige Basszeichnung aus. Dennoch ist der Klang differenziert und den meisten Genres gewachsen.

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass es mir schwer fallen würde, mich für einen der beiden zu entscheiden. Beide In-Ears haben ihre Vorzüge und Genres, in denen sie sich besonders wohl fühlen. Aber wer 500 Euro für Ohrhörer ausgeben möchte, kommt ohnehin nicht drum herum, Probe zu hören. Optoma NuForce HEM8 und Shure SE535 sind jedoch definitiv einen Blick wert.

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