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Modularität à la Lenovo - Teil 2: Hasselblad True Zoom Modul im Test



Zugeordnete Tags Hasselblad | Smartphone | Produkttest
Bereiche

Bewertung
Wenig Qualität für viel Geld
2,5

 Pro

  • Leicht & einfach anzudocken
  • 10-facher optische Zoom
  • Tragetasche im Lieferumfang
  • Leistungsstarker Blitz

 Contra

  • Wackelige Zoom-Wippe
  • Lichtschwache Optik
  • Keine 4K-Videos
  • Extreme Vignettierung bei RAW
  • Bildqualität nicht auf Top-Niveau
  • Massive Schwächen bei Low Light
  • Blitzlicht-Fotos wirken unästhetisch
  • Zu teuer für die gebotene Leistung

35.000 Euro für eine Kamera, 10.000 Euro für ein passendes Objektiv? Hasselblad zählt ohne Zweifel zu den Prestige-trächtigsten Foto-Hardware-Produzenten der Welt – und wohl auch zu den teuersten. Um so mehr verwunderte es mich, dass es ausgerechnet die Schweden sein sollten, die dem Moto-Mods-Konzept ein Kamera-Modul hinzugesellen sollten.

Klar, nachdem Huawei mit der Doppel-Kamera powered by Leica ordentlich vorgelegt hat, darf sich die innovationsgetriebene Konkurrenz nicht lumpen lassen. Aber kann ein Smartphone-Modul, das für 279 Euro zu haben ist, dem großen Namen zur Ehre gereichen? Ober bleibt es doch nur beim Namen und der Rest ist Schweigen? Werfen wir also einen Blick darauf, ob dem True Zoom Bahnbrechendes gelingt.

Lieferumfang

Überschaubarer Lieferumfang, mäßige Hardware

Das Hasselblad True Zoom im Karton
Hier gibt's immerhin schon einmal einige Infos.
Der Karton-Inhalt gibt sich überschaubar.
Hello Hasselblad: das Modul mit großem Namen
Das Modul gibt sich kompakt und leicht.
Über allem prangt der Hersteller-Schriftzug.
Das Hasselblad True Zoom im Karton

Wer beim Unboxing ein Zubehör-Feuerwerk ähnlich wie bei den meisten Kameras erwartet, wird sicherlich ein wenig enttäuscht sein. Dennoch ist der Inhalt des Kartons nicht so verkehrt. Neben dem eigentlichen True-Zoom-Modul finde ich eine recht knappe, mehrsprachige Bedienungsanleitung und eine Tragetasche mit praktischer Handschlaufe, in der das True Zoom auch im angedockten Zustand Platz hat. So gesehen habe ich damit auch gleich eine Schutzhülle für das Moto Z.

Das True Zoom selbst kommt in fast vollständiger Kunststoff-Hülle daher und bringt angenehme 145 Gramm auf die Waage. An Hardware-Tasten präsentiert das Modul den Einschalter, den Auslöser mit doppeltem Druckpunkt und die Zoom-Wippe. Jenseits davon bietet die Vorderseite den Blitz und natürlich das Zoom-Objektiv. Auf der Rückseite zeigen sich die Kontakte sowie eine Aussparung für die Kamera des Moto Z, die zudem ein Schaumstoff-Polster mitbringt.

So gesehen geht die Verarbeitung in Ordnung. Allerdings macht das Mod ein bisschen auf dicke Hose, wenn es unten am Objektiv den von Spiegelreflexkameras gewohnten Knopf zum Lösen des Objektivs vorgaukelt. Auch kann die Zoom-Wippe nicht wirklich punkten, denn sie wackelt tüchtig nach oben und unten und hat auch nach links und rechts deutliches Spiel. Ein klein wenig enttäuscht hat mich ebenfalls die Position des erstens Druckpunktes des Auslösers: Der wurde für meinen Geschmack zu weit unten eingebaut und wirkt etwas hakelig.

Technische Daten

Teilweise Verschlechterung im Vergleich zur Smartphone-Cam

Rückseite mit Docking-Kontakten & Aussparung für die Smartphone-Cam
Das Andocken gelingt im Handumdrehen.
Im Gesamtbild eine etwas groß geratene Kompaktkamera
10fach-Zoom in Action
Rückseite mit Docking-Kontakten & Aussparung für die Smartphone-Cam

Was die technischen Aspekte des Hasselblad True Zoom angeht, finde ich eine Mischung aus Verbesserungen und Verschlechterungen gegenüber der Cam des Moto Z vor. Der wohl wesentlichste Grund für das Modul: Es bringt einen 10-fachen optischen Zoom mit, der umgerechnet Brennweiten von 25 bis 250 Millimetern abdeckt. Auch die Pixelgröße liegt mit 1,55 Mikrometer deutlich über den 1,12 Mikrometern des Moto-Sensors, was eigentlich in besserer Bildqualität resultieren sollte.

Allerdings geht das Hasselblad auch einige unschöne Kompromisse ein. So verschlechtert sich die Offenblende von f/1.8 des Moto Z auf f/3.5 bis f/6.5 je nach Zoom-Stufe, was das True Zoom ziemlich lichtschwach dastehen lässt. Auch bei der Videoaufzeichnung rudert das Modul zurück und schafft im Gegensatz zur Kamera kein 4K mehr. Full-HD-Aufnahmen stemmt das Hasselblad nur noch mit 30 statt 60 Frames per Second. Dass auch die maximale Auflösung um 1 Megapixel zurückgeht, muss hingegen nicht viel heißen, schließlich sind viele Pixel auf zu kleinem Sensor nicht immer ein Segen.

Software

Smartphone-Kamera-Software mit kleinen Zusätzen

Bei der Software setzt das Hasselblad-Modul in weiten Teilen auf die Möglichkeiten des Moto Z und erweitert diese in manchen Bereichen. So steht mir auch hier ein Panorama-, ein Video- und ein Profi-Modus mit allen Detail-Einstellungen zu ISO, Belichtungsmessung, Verschlusszeit und Co. zur Verfügung. Die Systemeinstellungen für die Kamera-App bleiben überschaubar und spiegeln die bereits erwähnten technischen Einschränkungen wider.

Wenn ich nicht im Profi-Modus arbeite, gelange ich bei Tipp auf das Hasselblad-Symbol in der App in ein Auswahlmenü, in dem ich das Motivprogramm wähle oder das Datei-Format festlege, in dem die Bilder gespeichert werden sollen. Die Motivprogramme beinhalten die Modi Automatisch, Sport, Nachtportrait, Gegenlichtportrait, Nachtlandschaft und Landschaft. Als Datei-Formate stehen mir JPG in Farbe und in Schwarz-Weiß sowie das Kombi-Speichern in RAW und JPG zur Verfügung. Ob’s was bringt, verrate ich gleich.

RAW-Modus

RAW-Aufnahmen? Möglich. Sinnvoll? Kaum.

Massive Vignettierung bei RAW-Aufnahmen
Heftige, unschöne Blendeffekte bei Gegenlichtaufnahmen
Bei vollem Zoom werden die Farben gern ein wenig fahl.
Massive Vignettierung bei RAW-Aufnahmen

Zugegeben, es ist dem Kamera-Modul zugute zu halten, dass es Bilder im RAW-Format speichert. So habe ich im Nachgang doch noch die ein oder andere Stellschraube, um die Bildqualität zu verbessern. Allerdings zeigt sich bei RAW-Aufnahmen im Weitwinkel (also mit eingefahrenem Zoom), dass das Objektiv noch nicht einmal den Sensor komplett abdeckt. Die Bildränder sind nicht nur vignettiert, sind sind regelrecht schwarz von den Objektivabschattungen. Will ich also mit den Weitwinkel-RAWs weiterarbeiten, muss ich rundum erst einmal ein großes Stück Bild abschneiden.

Auch zeigt sich in den RAW-Bildern, wie das Hasselblad-Modul wirklich aufzeichnet: mit massivem Farbrauschen bei Low Light, tonnenförmigen Verzeichnungen im Weitwinkel und fahlen Farben im Zoom. Dass hier deutlich nachbearbeitet werden müsste, ist offenkundig. Dass das nur bedingt etwas bringt, zeigen oft die gleichzeitig gespeicherten JPGs. Hier bügelt die Software noch das ein oder andere glatt und schneidet die schrecklichen Vignetten ab. Das Ergebnis überzeugt oft aber auch nicht komplett.

Foto-Qualität

Bildqualität zum Abgewöhnen

Aufnahmen bei Tageslicht sind brauchbar.
Die Details gehen in Ordnung. Hier gewinnt das JPG.
Wenn die Bedingungen stimmen ...
... kommt das Hasselblad einigermaßen klar.
250 Millimeter, Schneegestöber, ein kleiner Fokuspunkt ...
... keine Chance auf brauchbare Bilder.
Bei Low Light ertrinken die Bilder in Rauschen.
Farbrauschen im RAW, Detailmatsch im JPG
Das Fokussieren dauert oftmals ewig ...
... die Ergebnisse schwächeln spätestens im Detail.
Aufnahmen bei Tageslicht sind brauchbar.

„Die beste Kamera ist die, die man dabei hat“, sagt eine alte Fotografen-Weisheit. Beim True Zoom kann ich den Spruch allerdings so gar nicht unterschreiben. Eine vergleichbare qualitative Bruchlandung habe ich bislang noch nicht erlebt. Aber fangen wir am Anfang an.

Annehmbare Ergebnisse bei Tageslicht: Aufnahmen bei guten und damit meist unkritischen Lichtverhältnissen schafft das Modul ganz annehmbar. Das größte Problem stellt hier noch die starke Vignettierung im RAW-Format dar. Auch der Autofokus kommt ganz gut mit, wenngleich ich die Erfahrung machen musste, dass das Hasselblad zu langsam für so manchen Schnappschuss ist. Und sollten kleine Störungen wie Schnee vor dem Motiv auftauchen, brauche ich nicht mehr auf scharfe Bilder hoffen. Dafür sind Farben und Kontraste im Weitwinkel und bei kürzeren Brennweiten okay, fallen aber hin zu den hohen Brennweiten deutlich ab.

Totalausfall bei Low Light: Sobald die Lichtverhältnisse schwieriger werden, hat auch das Hasselblad-Modul zunehmend zu kämpfen. Das fängt schon beim Fokussieren an. Was bei Weitwinkel noch einigermaßen, wenn auch nicht übermäßig schnell geht, wird ab 5-fachem Zoom immer schwieriger. Zoome ich komplett ran ans Motiv und stelle auf 250 Millimeter, fokussiert die Kamera oftmals gar nicht mehr – weder per Auslöser noch per Touch. Das AF-Hilfslicht ist deutlich zu schwach, um irgendetwas zu erreichen, und letzten Ende wird so gut wie jedes Foto unscharf. Und sollte das Fokussieren doch mal geklappt haben, ertrinkt das Bildergebnis in Farbrauschen und entstellt das Bild bis zur Unbrauchbarkeit.

Zum Glück gibt es ja noch den Systemblitz des Hasselblad. Der ändert zwar nichts an der Fokusschwäche des Moduls, leuchtet aber wenigstens das Bild ordentlich aus. Leider entstehen so eben auch die gewohnt unnatürlichen, überblitzten Bilder, mit denen ich persönlich nichts mehr anfangen kann.

Fazit

Lieber eine gute Kompaktkamera

Der Test des Hasselblad True Zoom hat mich mehr als ernüchtert. Klar, das modulare Konzept des Moto ist eine Ecke cleverer als das des LG G5. Auch bietet ein 10fach-Zoom einen deutlicheren Kaufanreiz als ein bloßer Kameragriff mit Zusatzakku und ein, zwei Knöpfen. Dennoch kann das Moto Mod für aktuell 280 Euro deutlich zu wenig. Zahlreiche Kompaktkameras im gleichen Preissegment warten mit einer ähnlichen Konnektivität auf und sind dem True Zoom weit voraus.

Hinzukommt, dass das Modul technisch auch nicht so viel mehr kann als die Smartphone-Kamera selbst und zudem bei den Bildergebnissen zu oft versagt. Das Hasselblad fokussiert zu langsam, ist zu lichtschwach bei hohen Brennweiten, schwächelt massiv bei RAW und hat Low-Light-Situationen kaum etwas entgegenzusetzen. So gesehen hat Lenovo zusammen mit Hasselblad noch viele Ansatzpunkte zur Verbesserung oder zur völligen Neukonzeption. Es bleibt zu hoffen, dass die Hersteller einen Weg finden ein Kamera-Modul, das eine sinnvolle Ergänzung zum Moto Z Play und Moto Z bietet, zu kreieren. Denn praktisch ist so ein Add-On allemal.

Weitere Infos zum Moto Z gibt es in meinem Testbericht. Kollege Daniel hat zudem das Moto Z Play getestet. Wer sich eher für die Moto Mods interessiert, dem empfehle ich die Testberichte zum JBL Soundboost und Insta-Share Projector.

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