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Huawei P10 vs. P9: Lohnt sich das Smartphone-Upgrade?



Zugeordnete Tags Huawei | Smartphone | Produkttest
Bereiche

Bewertung
Gut, aber nicht überragend
4

 Pro

  • Hochwertige Verarbeitung
  • Speicher satt
  • Sehr gute Leistung
  • Gutes Display
  • Tolle Kamera
  • Professionelle Kamerasoftware

 Contra

  • Zwang zur Displayschutzfolie
  • Ohne Folie zähes Touch-Gefühl
  • Schmutzanfällig
  • Mäßiger Fingerabdrucksensor
  • Kamera meistert nicht jede Situation
  • Wenig Kreativität beim Design

Irgendwie ist es jedes Jahr das Gleiche: Da entscheidet man sich nach langer Recherche für sein neues Smartphone und ist sich absolut sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. Kein halbes Jahr später wird der Nachfolger angekündigt und ein klein wenig Ärger macht sich breit. Dass solcher Ärger nicht immer berechtigt ist, zeigt beispielsweise die sich nur schleichend verbessernde Xperia-Z-Serie.

Bei meinem P9 lag der Fall allerdings schon ein wenig anders, als Huawei das P10 vom Stapel ließ: Mehr Leistung, noch bessere Kamera – das klang nach einem Smartphone für mich und ließ mich mein wenige Monate altes P9 mit kritischem Blick sehen. Aber ist das berechtigt? Im Test zeige ich euch, ob sich der Umstieg lohnt.

Lieferumfang

Umfangreiches Zubehör für ein spannendes Unboxing

Der Karton wird wieder kompakter ...
... und bringt einen neckischen Klappdeckel mit.
Das Zubehör ist gewohnt üppig.
Netzadapter in zwei Teilen
Auch In-Ears sind wieder an Bord.
Der Karton wird wieder kompakter ...

Im Gegensatz zum Vorgänger kommt das Huawei P10 in einem wesentlich kompakteren Karton mit neckischem Klappdeckel daher. Das wirkt ein bisschen weniger Premium als beim P9, macht für das Unboxing auch kaum einen Unterschied.

Im Inneren der Pappschachtel finde ich zunächst das P10, bevor ich in den darunter liegenden kleinen Kartons das Zubehör entdecke. Das reicht vom Netzteil nebst USB-Typ-C-Kabel über das SIM-Tool bis hin zu In-Ears in Weiß. Auch die altbekannten Beilegerheftchen sind natürlich an Bord.

P9 oder P10 – wer hat die Nase vorn? Beim Lieferumfang liegen beide Modelle mit derselben Ausstattung gleichauf. Hier gibt es weder beim P10 noch beim Vorgänger etwas zu meckern. 1 zu 1 Gleichstand.

Design

Näher am iPhone & mit Zwangs-Displayfolie

Schlank, schick, stylisch - das Huawei P10
Der Fingerabdrucksensor sitzt jetzt unter dem Display.
Das Design ist eine Mischung aus P9 und iPhone.
An der Optik der Dual-Cam hat sich kaum etwas geändert.
Der untere Plastikeinsatz ist ein wenig geschwungener.
Bei den Hardware-Buttons ...
... und den Anschlüssen treffe ich alte Bekannte wieder.
SIM- und microSD-Slot in einem Schacht
Schlank, schick, stylisch - das Huawei P10

Es ging durch die Gazetten, dass sich Huawei zum Angriff auf den Smartphone-Platzhirsch iPhone rüsten möchte. Beim P10 heißt das Rüstzeug zu einem großen Teil „Design“. Die Ecken sind ein Stück runder, besonders auf der Rückseite. Die Plastikeinsätze in der Metallrückseite winden sich ein wenig stylischer – das Huawei-Phone vermengt die Optik des Vorgängers überdeutlich mit der des iPhone 7.

An der Anordnung von Kameras, Hardware-Buttons und SIM-Karten-Slot hat sich kaum etwas geändert, lediglich der Fingerabdrucksensor wechselte von der Rück- auf die Vorderseite und platziert sich nun wie beim iPhone unter dem Display – bündig eingelassen in die Glasfront.

Die Veränderung finde ich eher mäßig, denn das Entsperren fand ich per rückseitigem Sensor deutlich angenehmer und verrenkungsfreier. Klar, der Daumen hat eine größere Scanfläche und nun kann ich das P10 auch per Fingerabdruck entsperren, wenn es auf dem Tisch liegt – ohne es hochzunehmen. Dennoch empfinde ich das nicht als Fortschritt, eher als aufdringliches Buhlen um die Apple-Fanboys.

Dieses Buhlen wird zudem durch einen sehr unglücklichen Kompromiss erkauft: Dem Display-Glas, das auch den Fingerabdruck-Scanner abdeckt, fehlt eine Fett abweisende Schicht, was den Scanner laut Huawei präziser machen soll, aber dummerweise auch das Display schmutzanfälliger. Huaweis Lösung dafür: Der Hersteller zwingt mir beim P10 eine Displayschutzfolie auf, die ab Werk bereits aufgepresst ist. Ich habe die Folie dennoch abgepult und merke schnell, dass das Gleiten übers Display etwas zäher vonstatten geht und jeder Fingerabdruck hängen bleibt.

P9 oder P10 – wer hat die Nase vorn? Vom Design her gefällt mir das P10 ganz gut, allerdings fehlt ihm Individualität. Den Fingerabdrucksensor löst der Vorgänger besser und der Zwang zur Displayschutzfolie ist für mich ein Ausschlusskriterium. Das P9 liegt hier vorn. 2 zu 1.

Display

Noch immer Full HD, noch immer absolut ausreichend

P9 vs. P10: zweieiige Zwillinge
Vieles ist unverändert.
Die Unterkante ist nahezu identisch.
Der Fingerabdrucksensor prangt beim P9 noch auf der Rückseite.
Geringe Design-Unterschiede in der unteren Hälfte der Phones
Das Display des P10 bringt wieder Full HD mit ...
... und überzeugt durch IPS.
P9 vs. P10: zweieiige Zwillinge

Ein wenig hatte ich mich beim Vorgänger P9 gewundert, dass Huawei nicht dem Trend zu höheren Display-Auflösungen als Full HD folgt. Auch beim P10 geben die Chinesen der Versuchung QHD nicht nach und setzen abermals auf 1.920 mal 1.080 Pixel. Der Bildschirm kommt um 0,1 Zoll schlanker daher und wartet wie schon beim P9 mit IPS auf. Dadurch schafft auch dieses Phone satte Farben, beste Kontraste und eine tolle Blickwinkelstabilität.

Dank sehr guter maximaler Display-Helligkeit macht das Huawei-Smartphone beim Outdoor-Einsatz eine gute Figur und erlaubt die problemlose Bedienung selbst bei ordentlich Sonnenschein. So erweist sich das Panel zwar nicht als große Revolution, behauptet sich aber als souveräner Player.

P9 oder P10 – wer hat die Nase vorn? Beim Display bekommen beide Smartphones einen Punkt. 3 zu 2.

Hardware

Sinnvolles Update aller Ressourcen

AnTuTu bestätigt eine ordentliche Leistungssteigerung gegenüber dem P9.
AnTuTu bestätigt eine ordentliche Leistungssteigerung gegenüber dem P9.

4 Gigabyte Arbeitsspeicher, 64 Gigabyte Flash, bis zu 256 Gigabyte Erweiterungsspeicher per microSD – das ist respektabel, zeitgemäß und eine konsequente Weiterentwicklung gegenüber dem Huawei P9. Auch der Prozessor hat ein Upgrade erhalten: Mit dem HiSilicon Kirin 960 werkelt eine Achtkern-CPU im P10, die vier Kerne mit je 2,4 und vier Kerne mit je 1,8 Gigahertz takten.

Das Ergebnis ist ein durchweg rundes Smartphone-Erlebnis. Ob Games, Multitasking oder Web-Sessions: Das Huawei bringt keine der üblichen Alltags-Anwendungen aus der Puste. So gesehen hat das aktuelle Huawei-Phone genau das Mehr an Leistung dabei, das dem P9 seinerzeit fehlte. Selbiges finde ich durch AnTuTu bestätigt: Schaffte es das P9 auf knapp 98.000 Punkte im Benchmark, pendelt sich der Nachfolger bei beachtlichen 143.472 Punkten ein. Unter die Top 10 kommt er damit zwar nicht, dennoch fällt die Gesamtleistung wesentlich konkurrenzfähiger aus.

P9 oder P10 – wer hat die Nase vorn? Beim Thema Leistung kauft das P10 seinem Vorgänger eindeutig den Schneid ab und gleicht damit den Punktestand wieder aus. 3 zu 3.

Software

Wer EMUI mag, wird das P10 lieben

Das Huawei P10 ist sicherlich keine Revolution in Sachen Software, vielmehr ist das Smartphone mit Android 7.0 und EMUI 5.1 zeitgemäß aufgestellt. Auch dürften dem Androiden ein paar mehr zukünftige Updates vergönnt sein als dem P9, wodurch es gut ein Jahr zukunftssicherer daherkommt.

Jenseits davon punktet das P10 mit einer schicken und übersichtlichen Oberfläche, gelungenen Multitasking-Features und einem ordentlich ausladenden Optionsmenü. Das Klonen von Apps erlaubt mir die Software ebenso wie Knöchelgesten, die ich schon beim P9 zu schätzen gelernt habe. Auch jede Menge Individualisierungsoptionen sind an Bord, mit denen ich das P10 ganz nach meinem Geschmack anpasse.

P9 oder P10 – wer hat sie Nase vorn? Wer Stock-Android bevorzugt, lag und liegt bei Huawei falsch. Wer mehr als Android 7.0 erwartet, wird beim P10 ebenso enttäuscht. Jenseits davon liegen die beiden Modelle annähernd auf Augenhöhe, was zu einem Gleichstand von 4 zu 4 führt.

Fingerabdrucksensor

Was soll nur dieser Fingerabdrucksensor?

Über die meiner Meinung nach unglückliche Position des Sensors habe ich bereits berichtet. Auch dass die Sensorbauweise mit Schutzfolienzwang erkauft wird, stößt mir sauer auf. Darüber hinaus sind Einrichtung und Nutzung des Sensors im Test eine wahre Herausforderung. Bereits beim Einrichten des Daumenabdrucks hat das Huawei P10 ewig gebraucht, um meinen Fingerabdruck anzuerkennen. Zu allem Überfluß akzeptiert das Phone meinen Daumen in 6 von 10 Fällen nicht einmal ansatzweise.

Also habe ich mehrfach den Fingerabdruck neu eingerichtet, was abermals hürdenreich vonstatten ging. Irgendwann hat es dann funktioniert und ich konnte dem Telefon tatsächlich einen Daumenabdruck beibringen, den es auf Anhieb verstand. Im Gegenzug kam die nächste Enttäuschung bei der Funktion hinter dem Sensor, denn mehr als Entsperren kann er nicht. Weder liegt ein belegbarer Button wie beim Honor 8 dahinter, noch taugt der Sensor als Home Button, was die Position eigentlich nahelegen würde.

P9 oder P10 – wer hat die Nase vorn? Sorry P10, aber hier verspielst du dein Potenzial. Was den Fingerabdrucksensor angeht, ist mir mein Huawei P9 tausendmal lieber. 5 zu 4 für das P9.

Kamera

Tolle Dual-Cam mit starker Schwarz-Weiß-Linse

Das P10 wirkt etwas blass, das P9 zu gesättigt.
Bei manchen Bildern gefällt mir die Sättigung des P9 mehr.
Unter manchen Bedingungen hat das P10 zu kämpfen.
In anderen verliert das P9.
Gelegentlich sind beide Phones auch nahezu auf Augenhöhe.
Satteres Schwarz beim P9, mehr Differenzierung beim P10
Trotz gleicher Fokussierung versagt das P10 gelegentlich bei den Details.
Die Detailzeichnung bleibt oftmals Geschmackssache.
Bei Low Light gefällt mir das P9 zuweilen besser.
Der Zoom ist ausbaufähig.
Das P10 wirkt etwas blass, das P9 zu gesättigt.

Bei den Hauptkameras hat Huawei in der doppelten Linse sein Elixir gefunden. Das P10 macht da keine Ausnahme, setzt ebenfalls auf Leica-Optiken und stellt wie schon der Vorgänger eine Kamera für Schwarz-Weiß und eine für die Farben ab. Technisch hat sich dabei recht wenig geändert, die Offenblende von f/2.2 ist ebenso erhalten geblieben, wie die Brennweite von 27 Millimetern. Allerdings schafft die Schwarz-Weiß-Linse nun ganze 20 Megapixel statt der bisherigen 12.

Über die Software dahinter muss ich an dieser Stelle nicht groß Aufhebens machen: Sie ist wie die des P9 auf fast schon Profi-Niveau und erlaubt mir manuelle Einstellungen bis ins kleinste Detail. Ob Lichtspuren-Aufnahmen oder Abspeichern im RAW-Format, ob künstliche Blendeffekte oder detailreiche Videos – Software und Kameras stemmen nahezu jede Situation. Neu ist dabei, dass ich nun auch ganz ordentliche Videos in 4K aufzeichnen kann. Und selbst zoomen soll das Smartphone ohne digitale Hilfe können.

Wie sieht es aber nun in der Praxis aus? Die Zoom-Funktion könnt ihr vernachlässigen. Zwar kann das Smartphone aufgrund der 20 Megapixel starken Schwarz-Weiß-Linse einen 2fach-Zoom simulieren, bildet die Details aber verwaschener ab als auf dem Zoom-freien Bild. Generell leiden die Bilder, die das P10 in Farbe aufzeichnet, gern einmal an mangelnder Detailzeichnung. Gerade bei feineren Strukturen schnitt das P9 deutlich besser ab.

Die Schwarz-Weiß-Bilder sind im Gegenzug dazu nach wie vor das Highlight des Huawei-Phones. Hier spielt die Monochrom-Linse ihre Stärken aus, wenngleich ich die Entscheidung, noch mehr Pixel auf den kleinen Sensor zu quetschen, nicht wirklich nachvollziehen kann. Jenseits davon geht die Software im Hintergrund etwas gnädiger mit der Konvertierung in JPEGs um, als die des Vorgängers. So fallen die Kontraste etwas gemäßigter aus, was in den meisten Fälle ein ausgewogeneres Bild ergibt.

P9 oder P10 – wer hat die Nase vorn? Kameratechnisch haben P9 und P10 gleichermaßen viel zu bieten. 6 zu 5.

Akku

3.200 Milliamperestunden für einen Tag Ausdauer

Alles in allem liefert das P10 gute Bilder.
Vor allem im Monochromen überzeugt die Leica-Linse.
Landschaftsaufnahmen gehen in Ordnung.
Farben sind auch bei weniger Licht okay.
Manchmal könnte die Sättigung höher sein.
Alles in allem liefert das P10 gute Bilder.

Das Huawei P10 kommt mit einem etwas stärkeren Akku daher als sein Vorgänger, dürfte durch die höhere Leistungsaufnahme von Prozessor und Co. diese zusätzlichen Ressourcen auch benötigen. Im Alltag schafft es das P10 bei gelegentlichem Surfen, kleineren Games und hin und wieder einem YouTube-Video auf gut einen Tag Laufzeit.

Abends ploppt meist die 20-Prozent-Warnung auf. Wer mehr mit seinem Telefon zockt, sollte das Ladekabel oder eine Powerbank dabei haben. Oder ihr werft einen Blick in die Einstellungen, denn dort könnt ihr an den Aktivitäten von Apps schrauben und noch so einige andere Energie-Optionen festlegen.

P9 oder P10 – wer hat die Nase vorn? Das Huawei P10 kommt ein klein wenig potenter daher als sein Vorgänger und erhascht damit noch knapp ein Pünktchen. Gleichstand, 6 zu 6.

Fazit

Tolles Phone, dem der letzte Kick fehlt

Eins möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen: Das Huawei P10 ist ein sehr gutes Smartphone im oberen Segment, das sich mit derzeit 599 Euro in einem noch recht angenehmen Preisbereich ansiedelt. Es bietet ein sehr gutes Display, zeitgemäße Hardware und die wohl beste Kamera-Software auf dem Markt. Auch die bereits mit dem Vorgänger etablierte Dual-Kamera weiß zu überzeugen.

Doch beim Vorgänger liegt auch der Hund begraben: Das sehr gute P9 ist eben momentan schon um die 200 Euro günstiger zu haben und macht Vieles ähnlich gut oder nur geringfügig schlechter als das P10. Einiges macht das P9 sogar besser: Es ist nicht ganz so sehr iPhone-Klon, hat den Fingerabdrucksensor an einer für mich sinnvolleren Position und zwingt mir keine Display-Schutzfolie zugunsten eines mäßig funktionalen Features auf. Wer also sparen will, greift zum P9, und wer ein paar Monate länger aktuell bleiben möchte, dem sei das P10 wärmstens empfohlen. Jenseits davon wünsche ich mir vom P11 ein Hauch mehr Innovation.

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