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Huawei MateBook X - High-Society tauglich?



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Flach, leicht & schick - das Huawei MateBook X
Flach, leicht & schick - das Huawei MateBook X
Bewertung
Teurer & treuer Kumpel
4

 Pro

  • sehr leicht & kompakt
  • gute Performance für mobiles Gerät
  • 13,3-Zoll-Display
  • 3:2-Formfaktor
  • lautlos

 Contra

  • spiegelndes Display
  • Touchpad teilweise ungenau
  • wenige Anschlussmöglichkeiten

Als Mate bezeichnet man im Englischen einen Gefährten oder Kumpel und genau dies will das MateBook X von Huawei sein: ein treuer Gefährte, der immer dabei ist und einen unterstützt. Über diesen praktischen Anspruch hinaus soll das MateBook X aber auch ein echter Hingucker sein. Klein, schlank, leicht – wie es das MacBook 12 oder das Folio G1 von HP vorgemacht haben.

Das MateBook X ist das erste Ultrabook des Herstellers Huawei, der in Europa bislang hauptsächlich für seine Smartphones und Tablets bekannt ist. Eine neue Produktkategorie zu bedienen ist ein nur logischer und konsequenter Schritt für das Unternehmen. Ob dies auch ein erfolgreicher Schritt ist, wird der Testbericht zeigen.

Lieferumfang

Alles schick & alles drin

Edle Verpackung von außen ...
... und innen
Zubehör: Matedock 2
Das Matebook mit allem Zubehör
Schön verarbeitete Oberfläche
Edle Verpackung von außen ...

Geliefert wird das Ultrabook in einer weißen Verpackung mit einer ansprechenden geriffelten Oberfläche. Die Art, das MateBook X wie auf einer Sänfte eingebettet zu präsentieren, ist mittlerweile zwar bekannt, aber trotzdem immer wieder schön, zu sehen. Der Wohlfühlfaktor beim Auspacken ist demnach hoch.

Mit dem Notebook wird ein passendes Netzteil mit USB-C-Ausgang geliefert, in welches man das enthaltene USB-C zu USB-C-Kabel einsteckt. Das Netzteil ist kaum größer als das Netzteil eines Smartphones, außerdem ist ein Kabel, das aus zwei Einzelteilen besteht, überaus reparaturfreundlich. Damit liegt Huawei über dem Standard anderer Hersteller. Enthalten sind zudem diverse Anleitungen, die meiner Meinung nach wie immer zu kurz sind, falls man tatsächlich eine Frage haben sollte. Als kleines Extra ist der als „Matedock 2“ bezeichnete USB-C-Adapter beigelegt, der einen weiteren USB-C-Anschluss, einen USB-Typ-A-Port, HDMI und VGA-Anschluss mitbringt. Es ist also alles enthalten, was ich benötige, um für die ersten Aufgaben mit meinem MateBook X gerüstet zu sein.

Gehäuse

Außen richtig hui

Nicht größer ...
... und nicht dicker als ein DIN-A4-Block
Nicht größer ...

Mit den schon genannten Ultrabooks von Apple und HP teilt sich das MateBook X auch die Größe und das Gewicht. Mit einer Dicke von nur 1,25 Zentimetern bleibt mein Testgerät sehr schmal und mit Abmessungen von 29,6 mal 22,4 Zentimetern ist es nicht größer als ein DIN-A4 Blatt. Das Gehäuse besteht aus Aluminium und wiegt mit 1,05 Kilogramm kaum mehr als die Konkurrenz, wobei das MacBook 12 und das HP Folio G1 eine kleinere Displaydiagonale haben. Das höhere Gewicht ist also auf das 13,3-Zoll-Display zurückzuführen.

Auf dem Tisch steht das Notebook sehr fest – als wären die vier flachen Gummifüße am Tisch festgeklebt. Dies ist sehr angenehm beim Arbeiten, wenn ich das Notebook aber einmal schnell verschieben will, um etwa Unterlagen vor mich zu legen, ist es nervig. Daran, das Notebook immer leicht anzuheben, muss mich erst gewöhnen.

Wenn man die Faktoren Abmessung, Gewicht Display-Größe sowie die Verarbeitung bewertet, ist das MateBook X sehr gelungen. Ich finde es jedenfalls vorteilhaft, etwas mehr Gewicht und dafür eine größere Bildschirmdiagonale zu haben. Zumal der Größenunterschied, wenn man die oben genannten Notebooks nicht gerade aufeinander legt, kaum zu erkennen ist. Das Ultrabook von Huawei ist in jedem Fall ein schicker und edler Hingucker, sodass ich es auch unterwegs sehr gerne vor mir aufbaue.

Hardware

Überzeugende innere Werte

Aufgrund der sehr kompakten Bauweise erwartet sicher niemand, dass man mit dem Notebook auch aufwendigere 3D-Spiele spielen kann. Dabei kann der verbaute Intel Corei5-7200U Prozessor grundsätzlich überzeugen. Bei dem System-Performance-Test PCMARK10 kommt der Prozessor in Kombination mit der Intel HD Graphics 620 auf einen Wert von 3148 Punkten, womit das Notebook schneller ist als ein normaler Office-PC aus dem Jahr 2017 und langsamer als ein Gaming-PC. Aber für Gaming ist dieses Notebook ohnehin nicht gedacht. Für die Prozessorleistung wurden beim Cinebench R15 301 cb ermittelt. Das gibt es natürlich noch besser, aber dann auch nur bei deutlich potenter ausgestatteten Computern, die nicht annähernd dieselbe Mobilität bieten.

Zum genannten ULV-Dualcore mit Hyper-Threading und 15 Watt TDP gesellen sich 8 Gigabyte RAM sowie eine 256-Gigabyte-SSD. Diese Leistungsdaten sorgen dafür, dass man das MateBook X nicht schon in wenigen Jahren durch ein neueres Gerät ersetzen muss. Die gefühlte Systemperformance ist sehr hoch und lässt für Office- und Internet-Aufgaben keine Beanstandung zu. So sieht Zukunftssicherheit aus.

Hardware

Lautlos, so schön lautlos

Wer auf Basis dieser Leistungsdaten einen kleinen, schnellen und in hohen Frequenzen rotierenden Lüfter erwartet, wird enttäuscht. Das Notebook kommt komplett ohne diesen aus und ist in Kombination mit der SSD lautlos. Geschafft hat Huawei dies durch zwei Heatpipes, die sich fast über die gesamte Unterseite des Notebooks ziehen und die mit einem Material gefüllt sind, welches als „Micro Encapsulated Phase Change Material“ (MEPCM) bezeichnet wird. Laut Huawei stammt dieses Material aus der Weltraumforschung und besteht aus kleinen Kügelchen, die sich unter Hitze verflüssigen, wodurch entstehende Wärme besser abgeleitet werden kann.

Es ist ein sehr gutes Gefühl, einen aktuellen ULV-Prozessor der 7. Generation als Rechenbasis des Notebooks zu wissen und gleichzeitig ein lüfterloses Notebook zu haben. Das ist ein echter WOW-Faktor!

Display

Mit dem Formfaktor von 3:2 einen Schritt nach vorne

Display aus - Spiegelungen
Display an - Spiegelungen
Display an - es geht auch ohne Spiegelungen
Display aus - Spiegelungen

All die positiven Aspekte nutzen nichts, wenn entweder das Display oder die Tastatur nicht auch gut sind, denn diese beiden Bauteile sind die entscheidenden Schnittstellen zwischen dem Computer und seinem Benutzer.

Huawei wirbt mit einem „Display-zu-Gehäuse-Verhältnis von sagenhaften 88 Prozent“. Während die Prozentzahl abstrakt ist, ist der visuelle Eindruck überzeugend. Die Blende um das 13,3-Zoll-IPS-Display ist schmale 4,4 Milimeter breit und lässt die Fläche entsprechend großzügig wirken. Die Auflösung von 2.160 mal 1.440 Pixeln, was einer Pixeldichte von 195 ppi entspricht, hinterlässt in Kombination mit dem 3:2-Format einen sehr guten Eindruck. Insbesondere dieser Formfaktor lässt das Notebook wie ein richtiges Arbeitstier wirken, bei Office-Dokumenten sind links und rechts keine oder nur geringe weiße Ränder zu sehen. Allerdings ist das Display Highlight und Trostpflaster zugleich.

Denn das Display spiegelt stellenweise richtig unangenehm. Es spiegelt an einem sonnigen Tag selbst dann noch, wenn man relativ weit entfernt vom Fenster mit dem Rücken zur Wand sitzt. Es spiegelt auch in Innenräumen, wenn die Beleuchtung oben an der Decke angebracht ist. Um solche Irritationen zu minimieren, habe ich den Winkel des Displays steiler gestellt als sinnvoll. Das schadet dem Komfort, aber anders ist Arbeiten manchmal nicht möglich.

Sehr wahrscheinlich lassen sich die störenden Spiegelungen auf Kosten der Brillanz wirksam mit einer matten Folie reduzieren, zumindest funktioniert dies bei anderen Notebooks. Es ist also wahrscheinlich, dass hier mit nur wenig Geld eine deutliche Besserung erreicht werden kann. Im Rahmen des Tests wurde dies jedoch nicht ausprobiert.

Tastatur & Touchpad

Gutes Tippgefühl & etwas Einarbeitungszeit

Die andere Schnittstelle, die Tastatur, bedient sich des mittlerweile sehr weit verbreiteten Chiclet-Layouts, auch als Island Style bekannt. Die einzelnen Tasten sind angenehm groß dimensioniert und die zweistufige Hintergrundbeleuchtung der Tastatur ist ebenso Standard wie praktisch. Der kurze Hubweg der Tasten (1,2 Millimeter) ist allerdings gewöhnungsbedürftig und ist auf die flache Bauweise zurückzuführen. Längerfristig ist dies jedoch kein Problem. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase stand dem 10-Finger-Schreiben nichts im Weg.

Irritierend war, dass die Fn-Taste wie die Caps-Lock-Taste funktioniert und nicht wie die Shift-Taste. Man drückt sie einmal und sie ist aktiviert – bis man sie wieder deaktiviert. Darum muss man immer schauen, ob die Taste gerade aktiv ist oder nicht.

Das Touchpad aus Glas funktioniert weitgehend zuverlässig, könnte aber bei den Gesten, vor allem denen mit mehr als einem Finger, berührungsempfindlicher sein.

Sound

Überraschend guter Klang, aber nicht überragend

Die Lautsprecher sind als „Dolby Atmos® Soundsystem“ zertifiziert. Trotzdem sollte niemand auf einem Notebook die Einlösung des Versprechens „Dolby“ erwarten. So sind die Lautsprecher auf dem Niveau von Notebook-Lautsprechern überdurchschnittlich, aber von HiFi-Niveau oder gar Raumklang sind sie sehr weit weg. Die Zertifizierung ist demnach ein Etikett, mehr aber auch nicht.

Anschlussmöglichkeiten

Zwei Mal USB-C muss reichen – tut es aber nicht

Ein USB-C- und Kopfhöreranschluss ist links, ...
ein USB-C-Port rechts am Gehäuse verbaut.
Ein USB-C- und Kopfhöreranschluss ist links, ...

Dass das Motto „weniger ist mehr“ längst auch Ultrabooks erfasst hat, ist kein Geheimnis. Gesparte Zentimeter und Gramm werden von den Kunden durch Käufe honoriert. Leider sind durch dieses Motto auch die Anschlussmöglichkeiten betroffen. So hat es den Ethernet-Port schon vor längerer Zeit erwischt, den VGA-Ausgang sowieso. Beim MateBook X wandelt man auf den Spuren von Apple und HP, das heißt zwei USB-C-Anschlüsse und ein Kopfhöreranschluss müssen reichen.

Praktischerweise sind die beiden USB-C-Anschlüsse links und rechts am Gerät angebracht, so dass ich mir mit den Anschlüssen nicht im Weg bin und da USB-C als Universalanschluss konzipiert ist, sollte das in Zukunft auch ausreichen – jetzt reicht es jedoch noch nicht.

Unerklärlich ist in diesem Zusammenhang, warum nur der linke USB-C-Anschluss zum Aufladen verwendet werden darf und nur der rechte eine Ausgabe auf einen externen Bildschirm oder Fernseher ausgibt. Diese Mechanik führt dazu, dass mein USB-C-Dock von OWC nicht einwandfrei funktioniert, weil es entweder nicht auflädt oder kein Bild überträgt oder man zwei Kabel anschließen müsste. Das können die Mitbewerber besser. Was passiert, wenn man einen stromführenden Stecker in den rechten Anschluss steckt, habe ich sicherheitshalber nicht ausprobiert.

Ein praktisches Feature ist dagegen der Fingerabdrucksensor, der in den Power-Knopf integriert ist. Dadurch kann der Computer direkt auf den Desktop hochgefahren werden, ohne dass erst ein Passwort abgefragt wird. Auch wenn diese Funktion für die wenigsten Käufer wichtig sein dürfte, ist sie ein „nice-to-have“.

Akku

Eher Halbmarathon statt Marathon

Die Kapazität des Akkus wird mit 41 Wattstunden angegeben, was in Kombination mit dem Core i5-7200U ULV-Prozessor für eine befriedigend lange Akkulaufzeit ausreicht. Laut Notebookcheck.de erreicht der Akku bei normalem Nutzerverhalten eine Laufzeit von 337 Minuten, also etwas mehr als fünfeinhalb Stunden. Das ist ein praktikabler, aber kein herausragender Wert. Positiv spielt hier sicher rein, dass dank der innovativen Kühlung kein Lüfter angetrieben werden muss. Während diese ULV-Settings – von der etwas geringeren Prozessorleistung abgesehen – fast nur Vorteile haben, entdeckte ich zufällig einen Nachteil während des Tests.

Leider ließ sich meine externe USB-3-Festplatte nicht per Adapter an den Computer anschließen, auch dann nicht als das Mate an den Strom angeschlossen war. Den Geräuschen, die die Festplatte machte, nach zu urteilen, lag es an der zu niedrigen Spannung. Es war einfach nicht genügend Saft da, um die Platte zum Rotieren zu bringen – was ich sonst nur als Problem von Tablets oder Smartphones kenne.

Emission & Software

Lautlos, kühl & Linux

Als ich den Rechner das erste Mal in Betrieb genommen habe, noch vor der Installation der Treiber und während der Installation der ersten Updates ist das MateBook X unangenehm heiß gewesen. Wäre das Ultrabook auch im normalen Betrieb so heiß geblieben, es wäre quasi unbenutzbar gewesen. Nach ein, zwei Neustarts erledigte sich das mit der Hitze jedoch. Im normalen Betrieb wird das Notebook kaum wärmer als lauwarm.

Es ist sehr praktisch, dass dem Ultrabook die Software „MateBook Manager“ beigelegt ist. Sie prüft automatisch auf neue Treiber und installiert diese. Die Erstinstallation inklusive aller Treiber war darum ein Kinderspiel. Es war außerdem leicht möglich, eine Live Version von Linux (Mint 18.2) zu starten.

Linux Mint out of the box
Linux Mint - Live-System
Huawei Matebook Manager
Linux Mint out of the box
Fazit

Fazit

Insgesamt hat Huawei sehr viel richtig gemacht. Gegen das MateBook X sprechen allein das spiegelnde Display, der mittelmäßig ausdauernde Akku und die wenigen Anschlussmöglichkeiten.

Für das Ultrabook sprechen jede Menge Gründe. Das geringe Gewicht, der lautlose Betrieb und vor allem der Formfaktor des 3:2-Displays, der „Arbeite mit mir“ aussagt. Alleine für diese kleine Veränderung im Größenverhältnis des Displays fällt es schwer, sich von diesem Notebook zu lösen. Huawei zeigt, dass heutzutage ein Start aus dem Stand kein Hindernis mehr sein muss. Verarbeitung, äußere Erscheinung, Integration und Zusammenspiel der Komponenten – alles funktioniert so wie bei den Mitbewerbern, die jahrelange Erfahrung haben.

Auch was das äußere Erscheinungsbild betrifft, ist das MateBook X sehr zu empfehlen. Es ist dem MacBook 12 in vielen Aspekten ähnlich, mit dem es nicht nur wesentliche Teile seines Namens teilt. Die Tastatur ist besser als die des MacBook 12 und das Display deutlich arbeitsfreundlicher.

Das Huawei MateBook X ist wegen des geringen Gewichts, der guten Akkulaufzeit und der schnellen Performance gleichzeitig ein High-Society-Reisebegleiter und ein hervorragender, digitaler Kumpel. Wer sich also ein neues Notebook in der Klasse ab 1000 Euro zulegen mag und nicht auf Apple festgelegt ist, der sollte sich das Huawei MateBook X eingehend ansehen.

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