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Fitbit Charge HR: die eierlegende Wollmilchsau?



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Zugeordnete Tags Fitness | Fitbit
Bereiche

Bewertung
Tolles Gadget für Fitnessfreunde
4,5

 Pro

  • Tragekomfort
  • Ausstattung
  • Genauigkeit
  • Funktionsvielfalt
  • Auswertungsmöglichkeiten
  • Display
  • Akkulaufzeit

 Contra

  • Preis

Das Thema Fitness steht 2015 bei vielen Technikbegeisterten noch höher im Kurs als in den letzten Jahren. Grund dafür ist nicht zuletzt das immer weiter steigende Angebot an Technik, mit welcher die eigene Sportlichkeit überwacht und sogar verbessert werden kann. Die diversen Gadgets zielen allerdings nicht nur auf Leute, die abnehmen wollen, sondern inzwischen auch auf die breite Masse. Der Charge HR von Fitbit reiht sich in diesen Trend ein und ist ein interessanter Mix aus Smartwatch und Fitnessarmband.

Wohingegen einfache Fitnessarmbänder oft nur die Schritte zählen und in der Regel keine Displays bieten, können smarte Uhren bereits auf Knopfdruch den aktuellen Puls oder auch Benachrichigungen vom Smartphone anzeigen. Dienste wie Schlafüberwachung oder gar eine permanente Pulsmessung stehen bisher jedoch auch bei den Smartwatches selten zur Verfügung. Genau diese Optionen würden mich aber zum Kauf motivieren.

Bevor ich mir als bekennender Fitnessmuffel so ein Gadget zulege, muss es also mehr können, als nur Schritte zu zählen. Wichtig wäre mir die besagte permanente Pulsmessung, eine brauchbare Schlafanalyse und natürlich eine Uhrenanzeige. Schließlich möchte ich auf die Zeitangabe am Handgelenk nicht verzichten. Wenn es dann noch Benachrichtigungen anzeigen könnte und der Akku mehrere Tage durchhalten würde, wäre ich glücklich.

Lieferumfang

Fitbit Charge HR ausgepackt

Das schlanke Armband wird zusammen mit einem kurzen Fitbit-Ladekabel, einem Bluetooth-USB-Adapter für den PC und einer Kurzanleitung geliefert. Das Kabel ist leider sehr kurz, reicht aber, um den Charge HR aufzuladen. Ein passender Netzadapter, um es auch an der Steckdose aufladen zu können, liegt leider nicht bei. Den Bluetooth-Konverter habe ich nicht benötigt, da sich das Gerät auch über das Smartphone synchronisieren lässt und alle Daten im Fitbit-Account speichert. Verwendet ihr das Band über euer Handy, benötigt ihr zusätzlich noch die kostenlose Fitbit-App für iOS oder Android.

Natürlich kann man das Band auch komplett ohne Smartphone benutzen und nur über den PC synchronisieren. Dies empfinde ich als sehr nützlich, da nicht jeder immer ein Smartphone nutzen kann und möchte. Hierzu solltet ihr euch die Software Fitbit Connect herunterladen, den mitgelieferten Dongle via USB in euren Rechner einstöpseln die Geräte miteinander in Verbindung bringen.

Dass ich das Band nach mehreren Tagen durchgängigen Tragens gar nicht mehr wahrnehme, spricht für den Tragekomfort und das geringe Gewicht. Es ist außerdem größenverstellbar und in zwei Ausführungen (S/M und L/G) erhältlich, sodass es auch hier keine Probleme geben sollte. Meiner Meinung nach fällt das Band ein wenig klein aus, weshalb sich größere Personen vielleicht eher für die größere Variante entscheiden sollten. Das Band besteht übrigens aus einem härteren, geriffelten und einen sehr robusten Eindruck machenden Gummi. Auf dessen Oberseite befindet sich das kleine Display und an der Seite der einzige Knopf. Die Bedienung ist denkbar einfach.

 

Fitbit Charge
Fitbit Charge
Hardware

Was leistet der Charge HR?

Vorweg sei gleich gesagt, dass auch das Charge von Fitbit nicht alles kann. Jedoch ist es meiner Ansicht nach aktuell der beste Kompromiss zwischen Schrittzähler und Smartwatch. Das Fitbit Charge gibt es aktuell in zwei technisch verschiedenen Ausführungen, welche ich zugunsten eines besseren Vergleichs beide testen konnte.

Sie unterscheiden sich im Wesentlichen in einem Punkt: Die Abkürzung HR steht für Heart Rate, also der Herzfrequenz. Während das eine Modell also mit integriertem Pulsmesser auffährt, verzichtet das Fitbit Charge (ohne HR) auf diese Funktion.

Ein weiterer, unwesentlicher Unterschied ist der Verschluss: Beim einfachen Modell drückt man zwei Stifte in die Löcher des Bandes, während beim HR der typische Uhrenverschluss zum Einsatz kommt. Beide halten sicher, jedoch empfand ich den Verschluss des Charge HR als angenehmer und einfacher anzulegen.

Fitbit Charge
Fitbit Charge
Fitbit Charge

Auch mit der technischen Leistung bin ich wirklich zufrieden.

Das Fitbit Charge HR misst durch integrierte Beschleunigungssensoren, welche die Geschwindigkeitszu- oder -abnahme registrieren, die gelaufenen Schritte und berechnet daraus die geschätzte zurückgelegte Entfernung. Auch gestiegene Stufen kann es aus typischen Bewegungen beim Treppensteigen berechnen. Währenddessen wird stetig der Puls gemessen und aufgezeichnet. Wurde das Gerät schließlich mit genug Daten gefüttert, werden natürlich auch die verbrannten Kalorien hochgerechnet.

Bewegt man sich nicht mehr und sinkt der Puls, schlussfolgert das Fitbit Charge automatisch, dass man eingeschlafen ist. Weil ich vermutet habe, dass ich es mit einfachem Stillsitzen täuschen kann, habe ich genau das getestet. Dabei habe ich festgestellt, dass diese Funktion beeindruckend genau ist und sich das Gerät bei mir nicht überlisten ließ.

Neben der reinen Schlafdauer wird auch aufgezeichnet, wie oft man ruhelos war oder zwischendurch wach geworden ist. Endet schließlich die Nacht, kann das Charge auch das Aufwecken übernehmen. Dazu kann man mehrere stumme Wecker einstellen, die durch sanftes Vibrieren den Tag ankündigen oder an die täglichen Termine erinnern. Die sanften Schwingungen empfand ich als sehr angenehm: Ich bin dadurch immer schnell und gleichzeitig weniger gestresst als bei lauten Weckern aufgewacht. Ein Schlafphasenwecker, welcher nach einer optimalen Schlafphase weckt, ist dies jedoch leider nicht. Er weckt nur nach voreingestellter Uhrzeit, das allerdings sehr zuverlässig.

Software

App-Inhalte, die motivieren

Je nach Wunsch können alle Messdaten auf dem Smartphone, Tablet oder PC angezeigt und ausgewertet werden. Hierbei lässt sich auch eine tägliche automatische Synchronisation einschalten, damit die Daten immer aktuell sind.

Die eigenen aktuellen Tageswerte sowie die gesetzten Ziele und Herausforderungen werden in schönen und übersichtlichen Diagrammen dargestellt. Es gibt hier sehr viel zu entdecken und anzupassen. Man kann sich mit Freunden verbinden, gegenseitig motivieren und sogar das Senden von Nachrichten untereinander ist möglich.

Es ist schon verblüffend, wie selbst ich mich durch eine kleine Grafik motivieren lasse. Kaum sehe ich meine Statistik und dass ich heute nur x Kilometer gelaufen bin, gehe ich eben doch nochmal für ein paar Minuten spazieren. Auch kleine Wettkämpfe gibt es. So bekommt man Medaillen für den neuesten Streckenrekord, erklommene Stufen oder die aktivsten Minuten. Es sind eben oft die kleinen Dinge, die einen antreiben.

Fitbit Charge
Fitbit Charge
Fitbit Charge
Fitbit Charge
Display

Kleines Display für alles Wesentliche

Wie oben schon angedeutet, ist das Charge HR nicht nur stiller Beobachter, sondern kann ebenso direkt über Ereignisse informieren. Wie auch beim Wecker vibriert das Gerät dann kurz und das Display beginnt dezent zu blinken. Ist es im Falle eines Anrufs aktiv mit dem Smartphone verbunden, macht auch hier die Vibration darauf aufmerksam. Das ist gerade für jene praktisch, die das Smartphone in der Tasche haben und dadurch häufiger Anrufe verpassen.

Mit der seitlichen Taste aktiviert man das Display und bekommt direkt die Uhrzeit angezeigt. Jeder weitere Klick führt durch die verschiedene Anzeigen: Dabei werden Uhrzeit, aktueller Puls, gelaufene Schritte, zurückgelegte Kilometer, überwundene Stockwerke und verbrannte Kalorien des jeweiligen Tages angezeigt.

Die Reihenfolge der Anzeige sowie die Uhrenanzeige ist anpassbar. So kann man aus verschiedenen Designs mit oder ohne Datum wählen.

Akku

Ausdauer & Genauigkeit von Charge & Charge HR

Worüber man keinesfalls meckern kann, ist die Ausdauer beider Versionen. Das Fitbit Charge kommt auf knapp eine Woche, bevor es wieder ans geladen werden muss, während das Charge HR vier bis fünf Tage durchhält. Für beide sind das sehr gute Werte in der Ausdauer. Ist der Akku down, benötigt er nur rund ein bis zwei Stunden, bis er wieder voll ist.

Die Genauigkeit geht ebenfalls in Ordnung. Natürlich muss man beachten, dass beide Bänder, wie auch andere Fitnessgeräte, nur anhand von Beschleunigungsdaten hochrechnen, ob und wie stark man sich bewegt. So wird ein stark gestikulierender Mensch am Abend sicher deutlich mehr Schritte verzeichnen können als eine eher ruhige Person, obwohl beide gleich weit gelaufen sind. So kam es auch bei mir schon vor, dass Schritte gezählt wurden, während ich am Rechner saß und meinen Mitmenschen aktiv etwas vorführte. Aber schließlich sind auch das Bewegungen, welche belohnt werden sollten.

Wohingegen viele Pulsmesser einen Brustgurt benötigen, verzichtet das Fitbit Charge HR darauf. Was dadurch gerade im Alltag toll ist, könnte aber auch die Frage der Genauigkeit aufwerfen. Ist die aufgezeichnete Frequenz realistisch? Die Hersteller verweisen in dieser Frage gern auf ihre intern durchgeführten Studien und ihr eifriges Ziel: Laut eigener Angaben wollen sie „die genauesten Armbandtracker“ des gesamten Markts entwickeln.

Fitbit Charge
Fitbit Charge
Fitbit Charge
Fazit

Empfehlung und Alternativen

Kann ich beide Geräte empfehlen?  Auf jeden Fall, jedoch würde ich klar zum Charge HR greifen, obwohl es etwas teurer ist. Besonders die permanente Pulsüberwachung bietet einen echten Mehrwert und hebt das Gerät von der Konkurrenz ab. Diese nämlich bietet eine gute und vor allem permanente Pulsmessung in der Regel nicht an oder nur mit einem Brustgurt. Dass das Charge HR auf diesen verzichtet, ist besonders im Alltag oder auf Arbeit ein großer Vorteil.

Für das Fitbit Charge gibt es viele, teils auch deutlich günstigere Alternativen. Leider sparen jene Hersteller aber oftmals an der Geräteunterstützung oder an der Datenauswertung. Fitbit bietet hier eine Rundumlösung mit allem, was zumindest für mich wichtig ist. Selbst ein Ernährungsplan, Gewichtsverlauf und Trinkstatistiken helfen die eigene Fitness wirklich zu fördern.

Auch wenn ich vermutlich kein Marathon-Läufer werde: Das Fitbit Charge HR werde ich dennoch weiter nutzen und die positive Entwicklung verfolgen. Für 115 Euro seid auch ihr mit dem Fitbit Charge dabei. Selbst totale Sportmuffel kann es also meiner Meinung nach bereichern: Tragt eine unauffällige Uhr, verpasst keine Anrufe mehr und profitiert von einer ganzen Palette nützlicher Funktionen.

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1 Kommentar

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    Michael B. schrieb am
    Bewertung:

    Hey, vielen Dank für den guten Bericht! Was man vielleicht noch korrigieren/ergänzen sollte:

    Die Stockwerke werden nicht direkt durch den Beschleunigungssensor sondern durch das integrierte Barometer gemessen. Dabei wird für 1 Stockwerk 10 Fuß gerechnet. Die Stockwerke werden aber nur bei Bewegung gezählt.

    Seit ein paar Wochen gibt’s ein neues Firmware Update, bei dem durch Bewegung des Handgelenkes automatisch das Display aktiviert wird, ebenfalls kann durch einmaliges Tippen dann zum nächsten Wert gewechselt werden.

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