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Farewell 2in1: der Surface Laptop von Microsoft im Test



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Bewertung
Ohne Windows 10 S wär's top
4

 Pro

  • Brillantes Display
  • Perfekte Tastatur
  • Ordentliche Leistung
  • Ausdauernder Akku
  • Leise im Betrieb
  • Schickes Design
  • Hochwertige Verarbeitung

 Contra

  • Windows 10 S unnütz
  • Überschaubares Zubehör
  • Alcantara ist schmutzanfällig
  • Kein USB-Typ-C, kein SD-Kartenleser
  • Display lässt sich schwer anheben & spiegelt stark
  • Touchpad klickt ziemlich laut

Irgendwie ist es schon seltsam: Da schickte sich Microsoft an, das Tablet zu revolutionieren, und brachte mit dem Surface Pro nebst andockbarer Tastatur die wohl spannendste Produktiv-Maschine im Kompaktformat seit dem ersten iPad auf den Markt. Und da man ja nie genug Leistung haben kann, legten die Redmonder mit dem Surface Book fulminant nach. Macht es da wirklich Sinn, als nächstes ein klassisches Notebook auf den Markt zu bringen? Ohne 2in1-Funktion?

Was für mich zunächst seltsam anmutet, ist irgendwie nicht so verkehrt: Die Kompaktheit eines Tablets verbunden mit einem brillanten Touch-Display und der gewohnt hervorragenden Tastatur eines Microsoft-Produktes minus der unnützen Rückkamera und konzentriert auf das technisch Wesentliche? Das könnte funktionieren. Preislich liegt der Surface Laptop zwar immer noch sportlich hoch, aber als stylische Alternative irgendwo zwischen Surface Pro 4 und Surface Book ist das Notebook definitiv einen Blick wert. Oder? Unser Test wird’s zeigen.

Lieferumfang

Wie sehr der schöne Schein doch beeinflusst

Die Verpackung macht schon einmal einen guten Eindruck.
Jede Menge Infos auf der Rückseite
Der Surface Laptop wartet wie üblich zuoberst im Karton.
Das war's auch schon mit dem Inhalt.
Das Ladekabel ...
... nebst zugehörigem Netzteil
Am Netzteil wartet ein USB-Anschluss.
Die Verpackung macht schon einmal einen guten Eindruck.

Vor dem Surface Laptop durfte ich ein Gaming-Notebook von Dell testen und habe mich dort doch ordentlich über die braune Papp-Verpackung und den mageren Lieferumfang bei einem 1.500-Euro-Notebook gewundert. Jetzt müsste ich eigentlich ähnlich ernüchtert sein, schließlich kostet mein Test-Surface aktuell auch stattliche 1.300 Euro und steht beim „Was wird geboten“ ebenso überschaubar da wie der Inspiron. Doch der schöne Schein schindet hier deutlich mehr Eindruck.

Der Karton punktet mit stabiler Pappe und modernem weiß-blauem Design. Optisch wirkt das alles viel gewollter und es macht auch deutlich mehr Spaß, den Deckel abzuheben und darunter mein Test-Sample in stylischem bordeauxrot zu entdecken. Unter dem schlanken Designer-Book finde ich dann auch nicht mehr als die üblichen Papierbeilagen und das Ladegerät. Letzteres hat ein bisschen mehr zu bieten als die Kabelstandards, denn ihr bekommt hier den magnetischen Ladeanschluss und – clevererweise – einen USB-Port direkt im Netzteil. So sind’s eben doch die kleinen Details, die aus Enttäuschung ein angenehmes „Ach ja“ machen.

Design

Tolles Design & ungewöhnliche Tastatur-Umrandung

Bordeaux Rot klingt ungewöhnlich, sieht aber sehr schick aus.
Schlanke Bauweise ...
... und stimmige Verarbeitung
An der Unterseite gibt's nicht allzu viel zu sehen.
Schlanke Lüfterschlitze
Bordeaux Rot klingt ungewöhnlich, sieht aber sehr schick aus.

Beim Design geht der Surface Laptop konventionellere Wege als das ungewöhnliche Surface Book. Dass das nichts Schlechtes sein muss, wird schnell klar. Bei der Materialwahl setzt Microsoft auf das momentan allgegenwärtige Aluminium, das die Display-Rückseite und die Gehäusewanne einfasst. Die Display-Abdeckung gibt sich in vollflächigem Gorilla-Glas, sodass der Display-Teil des Surface Laptop ziemlich stabil daherkommt. Positiv empfinde ich auch die Positionierung der Scharniere fast über die gesamte Rückseite, was dem Display abermals Stabilität gibt und übermäßiges Wackeln beim Tippen verhindert. Nur der maximale Öffnungswinkel fällt für meinen Geschmack ein wenig zu gering aus.

Besonderes Design-Schmankerl ist sicherlich der Alcantara-Bezug rund um die Tastatur. Der fühlt sich angenehm weich und warm an und ist wirklich einzigartig unter den Notebooks unserer Tage. Allerdings ist der Bezug auch ordentlich anfällig für Verunreinigungen. Im Test hielt sich das zwar noch in Grenzen, bei monatelanger intensiver Nutzung dürfte der schöne Schein aber bald verflogen sein. Das scheint auch Microsoft zu wissen, legt der Hersteller dem Book doch einen sehr deutlichen Hinweis zur Alcantara-Pflege bei, den der Nutzer wohl tunlichst befolgen sollte.

Was ich noch erwähnen wollte: Den Surface Laptop erhaltet ihr aktuell auch in stilvollen Farben jenseits des typischen Grau. „Bordeaux Rot“, „Kobalt Blau“ und „Graphit Gold“ sind durchaus attraktive Farb-Alternativen, die ziemlich ansprechend daherkommen.

Konnektivität

Magere Anschluss-Ausstattung

Der Ladeanschluss
USB, miniDisplayPort, Kopfhörer-Anschluss
Der Ladeanschluss

An Anschlüssen bringt das Surface nur ein traurig-überschaubares Portfolio mit. Neben dem bereits erwähnten USB-Port am Netzteil hält der Surface Laptop noch einen weiteren USB-Port, einen miniDisplayPort und einen Kopfhörer-Anschluss bereit. Der Rest an Konnektivität muss per WLAN, Bluetooth oder die separat erhältliche Docking Station geregelt werden.

Für ein mobiles Notebook ist das nicht ungewöhnlich, aber irgendwie finde ich es nicht so prickelnd, für jeden zusätzlichen Anschluss-Wunsch erneut in die Tasche greifen zu müssen. Der ein oder andere Adapter im Lieferumfang hätte sicherlich nicht weh getan und Standards wie ein Typ-C-Port oder ein SD-Kartenleser hätten ohne Frage noch Platz gefunden.

Display

Ein Notebook-Display zum Dahinschmelzen

Das Display zählt zu den unumstrittenen Highlights des Surface Laptop.
Satte Farben & beeindruckende Schärfe
Besonders weit lässt sich das Display leider nicht umklappen.
Starke Spiegelungen sind keine Seltenheit.
Das Display zählt zu den unumstrittenen Highlights des Surface Laptop.

Bereits beim Surface Pro 4 und beim Surface Book waren die Displays absolute Hingucker. Das ist beim neuen Surface Laptop glücklicherweise nicht anders. Hardwareseitig fängt das bei der schlanken, etwas kantigen und absolut präzisen Bauweise an. Der Displayrahmen ist angenehm schmal, sodass jede Menge Platz für den eigentlichen Bildschirm bleibt. Mit 13,5 Zoll ist der Surface Laptop eher ungewöhnlich aufgestellt und empfiehlt sich deutlich mehr für Produktivität als für Multimedia. Was mir am Displayrand fehlt, ist eine kleine Vertiefung an der Vorderseite, mit der man das Display leichter von der Tastatur heben könnte.

Qualitativ punktet das Panel in nahezu jeder Hinsicht. 2.256 mal 1.504 Pixel garantieren Bildschärfe bis in die Details, sodass auch filigrane Schriften mit beachtlicher Schärfe dargestellt werden. Die maximale Helligkeit des Displays liegt mit ungefähr 400 cd/m²auf einem ordentlich hohem Niveau, ebenso wie andere Verwandte der Surface-Familie, allerdings trübt die starke Spiegelung des Gorilla-Glas 3 den Outdoor-Einsatz ein ganzes Stück.

Über Farben, Kontraste und Blickwinkel-Stabilität brauchen wir nicht viel Aufhebens machen: Bei allen drei Punkten liefert der Surface Laptop hervorragend ab, sodass auch Bildbearbeitung kein Problem ist. Übrigens bringt das Panel natürlich Multitouch mit, das im Test durchweg präzise und umgehend auf Eingaben reagierte.

Tastatur

Wie toll doch Tippen sein kann

Angenehme Handballenablage & tolle Tastatur
Der Surface Laptop ist ein echter Hingucker.
Angenehme Handballenablage & tolle Tastatur

Was sich im Vergleich zu den anderen Vertretern der Gattung Surface ebenfalls nicht geändert, ja vielmehr noch verbessert hat, ist die Tastatur. Die Inseltasten kommen mit dreistufiger Hintergrundbeleuchtung und bieten einen perfekten Druckpunkt und damit sehr guten Tipp-Komfort. Der aufgrund der Bauweise recht geringe Hub macht sich kaum bemerkbar, vielmehr nimmt das Keyboard alle meine Eingaben korrekt und ohne unnötiges Geklacker entgegen. Das Schreiben klappt auf Anhieb perfekt, nur die merkwürdige Positionierung des Ein-/Ausschalters zwischen „F12“ und „Entf“ erscheint gewöhnungsbedürftig und kommt beim Nutzen der umliegenden Tasten gelegentlich in die Quere.

Ergänzt wird die sehr gute Tastatur durch ein präzise arbeitendes Touchpad, das alle Gesten anstandslos überträgt. Doch auch hier gibt es einen winzigen Makel, denn die Tasten im Touchpad klicken im Vergleich zur leisen Tastatur fast schon störend laut. Dennoch macht es durchweg Spaß, mit dem Surface Laptop zu arbeiten, nicht zuletzt, weil er wegen seiner leichten 1,25 Kilogramm dauerhaft angenehm auf dem Schoß liegt.

Hardware

Gute Hardware, die allein den Preis jedoch nicht rechtfertigt

Dass bei besonders mobilen oder wandlungsfähigen Notebooks die eigentliche Hardware den Preis nicht rechtfertigt, ist kein Geheimnis. Interessanterweise landen aber auch viele Touch-Konkurrenten des Surface Laptop mit ähnlicher Ausstattung im vergleichbaren Preissegment. Also muss man wohl sagen, dass die Leistung durchaus in Ordnung geht.

Und so schlecht ist sie ja auch gar nicht: 8 Gigabyte Arbeitsspeicher, Intel Core i5-7200U mit zwei Kernen, 256 Gigabyte SSD – das ist zwar nicht bahnbrechend, aber durchaus vorzeigbar und aktuell. Und in der Praxis lässt es sich auch durchweg gut und flüssig mit dem Surface Laptop arbeiten. Die meisten Anwendungen stemmt er souverän, aber die richtig anspruchsvollen Software-Suiten sind es wegen Windows 10 S leider auch nicht. Doch dazu gleich mehr.

Benchmark-Ergebnisse muss ich euch an dieser Stelle leider schuldig bleiben, denn hier erlaubt mir das Betriebssystem nur Durchläufe mit AnTuTu. Dass das Notebook dabei mit über 250.000 Punkten unangefochten und mit weitem Vorsprung an der Spitze landet, verwundert wenig. Aber ich kann auch ohne die Zahlen behaupten: Der Surface Laptop performt durchweg stabil und überzeugend.

Software

Das unbefriedigende Gefühl, Windows 10 S zu nutzen

Wer Windows 10 S nutzt, darf so gut wie nichts mehr.
Wer Windows 10 S nutzt, darf so gut wie nichts mehr.

Bei seinem Neuling hat sich Microsoft für ein spezielles Betriebssystem entschieden, das sich Windows 10 S nennt und im Hersteller-Marketing als besonders sicheres und einfaches OS beschrieben wird. Grund dafür: Installieren kann ich nur Software aus dem Windows Store, die natürlich virenfrei, von Microsoft geprüft und damit besonders sicher ist. Damit soll vermieden werden, dass ich Schadsoftware auf den Rechner lade, die das System lahmlegt.

Dummerweise ist das Angebot an State-of-the-Art-Anwendungen im Store extrem mau. „CineBench“ oder „PCMark“? Nope. „Adobe Creative Cloud“? Fehlanzeige. Alles, was ich im Alltag bräuchte, bekomme ich partout nicht auf den Computer. „Photoshop Express“ wäre machbar oder „Elements“ für teuer Geld. Das ist für mich und wohl auch für die meisten anderen Anwender ziemlich nutzlos.

Der einzige Ausweg daraus wäre, auf Windows 10 Pro upzugraden. Das geht zwar bis Anfang April 2018 noch kostenlos, macht aber die angeblich besonders hohe Geschwindigkeit von Windows 10 S zunichte. Und natürlich gibt es dann auch keinen Weg mehr zurück zu Windows 10 S. Was die Geschwindigkeit an sich angeht: Ja, der Surface Laptop startet in 15 Sekunden, das macht mein Acer mit Windows 10 Home aber auch. Durch das Upgrade dürften euch also kaum Nachteile entstehen.

Jenseits davon: Die bekannten Features von Windows 10 erlauben ein komfortables Arbeiten. Cortana etabliert sich immer mehr, Edge entpuppt sich als gute Alternative zu Chrome und Hello mit Gesichtserkennung funktioniert richtig gut. Nur die Bing-Pflicht nervt auf Dauer.

Sound & Akku

Leiser Lüfter, guter Klang, langer Atem

Last but not least möchte ich einen Blick auf die kleinen Details des Surface Laptops werfen. An erster Stelle soll hier die Akkulaufzeit stehen. Die gibt Microsoft mit stattlichen 14,5 Stunden an, was ich in der Test-Praxis nicht ganz erreichen konnte. Bei angeschaltetem WLAN und ein wenig Surfen, Tippen und Stöbern schaffte das Notebook gute 10 Stunden, im Multimedia-Dauerlauf waren zwischen 7 und 8 Stunden drin. Das ist aber alles andere als schlecht und prädestiniert den Surface Laptop auch mal für einen längeren Uni-Tag abseits der Steckdose.

Für die Party danach taugt die Klangleistung hingegen nicht, denn die ist – wie von Notebooks dieser Bauweise bekannt – ziemlich flach. Mitten und Höhen kommen noch einigermaßen klar zur Geltung und ein klein wenig Räumlichkeit wird auch erzeugt, Bass jedoch ist Mangelware, was den Multimediagenuss ein ganzes Stück schmälert. Zum Glück kann ich aber auch berichten, dass der Sound so gut wie nie Gesellschaft von Lüftergeräuschen bekam. Ganz gleich, welche Anwendung ich auf dem Surface Laptop genutzt habe, der Lüfter war nie zu hören und die meiste Zeit auch gar nicht aktiv. Für mich persönlich sehr angenehm.

Fazit

Toller Neuzugang für die Surface-Familie

Ein klassisches Notebook mit Touch-Display? Das ist der Surface Laptop sicherlich nicht. Vielmehr ist er eine kompakte Alternative für Detachable-Verweigerer. Und als solche macht der Microsoft-Rechner fast alles richtig. So sind es beinahe immer nur kleine Details, die stören. Da fehlt die Vertiefung zum Aufklappen des Displays, das Touchpad klickt zu laut, das Alcantara wirkt zu schmutzanfällig und der ein oder andere Port fehlt. Doch dann ist da noch das Betriebssystem: Der vermeintliche Geschwindigkeitsgewinn und die Software-Sicherheit sind es meiner Meinung nach nicht Wert, Windows Home S installiert zu lassen. Immerhin hat der Nutzer die Möglichkeit, auf eine geeignetere Windows-Version upzugraden, was ich ihm derzeit auch empfehlen würde.

Wer das allerdings tut, bekommt einen extrem stylischen Computer in sehr schicken Farben, der ein tolles Display, eine für die Bauweise perfekte Tastatur und ein ordentliches Hardware-Paket mitbringt. Die Verarbeitung ist tadellos und die Materialwahl vorbildlich. Das alles hat mit aktuell um die 1.300 Euro einen Preis, der vielleicht ein kleines bisschen zu hoch liegt. Aber das Book soll sich eben auch in der Nähe des Surface Pro positionieren. Und jenseits davon ist der Surface Laptop ein Rechner, den man einfach mit Freude nutzt und gerne präsentiert.

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