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Das Surface Book von Microsoft im Praxistest



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Bereiche

Bewertung
Das beste Convertible
4,5

 Pro

  • Sehr hochwertig
  • Geringes Gewicht
  • Tolles Display
  • Leistung satt
  • Dedizierte Grafik
  • Beeindruckendes Keyboard
  • Präziser Touchscreen & guter Stylus
  • Guter Sound
  • Tablet lässt sich separat laden
  • Ab- & Andocken im laufenden Betrieb

 Contra

  • Keine Anschlüsse am Display
  • Display-Schwerpunkt ungünstig
  • Nur 130 Grad Öffnungswinkel
  • Kameras nur Durchschnitt
  • Tablet-Akku mit kurzem Atem

Schwelgerische Kamerafahrten, existenzialistische Schattenspiele rund ums beleuchtete Keyboard, Lensflare-geschwängerte Detail-Aufnahmen. Dazu noch ein Soundtrack, der in bester Hans-Zimmer-Manier Inception-inspirierten Pathos versprüht. Dramaturgische Pause, Spannungs-Aufbau und mit einem erneuten Einsatz des Soundtracks löst sich das Display von der Tastatur. Als ich zur Vorstellung des Surface Book im Oktober 2015 das offizielle Video zum Microsoft-Convertible sah, wusste ich: Das ist Tech Porn pur.

Und was ich in diesem Moment ebenfalls wusste: Ich muss das Surface Book testen und schauen, wie sich Tech Porn in Real Life anfühlt. Lange hat es gedauert, bis das 2in1 offiziell auf dem deutschen Markt erschien und ebenso lange musste ich mich mit dem Video der Microsoft-Kampfansage an die Apples dieser Welt begnügen. Jetzt endlich ist es soweit: Ich darf das Surface Book mit Core i5, 256 Gigabyte Speicher, 8 Gigabyte RAM und dedizierter GeForce-Grafik von NVIDIA zum Test bitten. Juhuuuu, es werde Surface.

Lieferumfang

Mäßig aufregender Karton, übermäßig ansprechender Inhalt

Etwas unspektakulärer Karton
Umso spektakulärerer Inhalt
Book + Zubehör
Info-Blättchen
Der Surface Pen
Ladekabel in zwei Teilen
Das Ladekabel hält magnetisch am Book.
Tech Porn?
Etwas unspektakulärer Karton

2.069 Euro ruft mein Test-Surface-Book aktuell auf. Dafür ließ mich die erste Begegnung mit dem Produkt-Karton doch etwas enttäuscht zurück. Klar, es ist nicht der 0815-Karton aus wabbeliger Pappe, allerdings durfte ich auch schon um Einiges lowpricigere Notebooks aus ihrer wesentlich eindrucksvolleren Verpackung schälen.

Dafür entschädigt mich das Innere des Kartons umso mehr. Zuoberst finde ich natürlich das Surface Book in einem schützenden Plastik-Umschlag. Und auch nur flüchtig betrachtet schindet das Convertible dank Hochwertigkeit und überaus ansprechendem Design Eindruck. Rechts vom Microsoft-2in1 finde ich einen kleinen Karton mit dem Ladekabel in zwei Teilen, unter dem NotebookTablet-Hybriden präsentiert sich mir ein kleiner Papp-Umschlag mit Garantie- und ersten Nutzungs-Hinweisen. Zudem finde ich hier auch noch den Surface Pen, den ich magnetisch an der linken Seite des Books befestigen kann.

Soweit bin ich mit dem Lieferumfang durchaus zufrieden, allerdings möchte ich mir hier die Dreistigkeit herausnehmen, Microsoft eine passendes Sleeve als Beilage zu empfehlen. Acer macht das schon bei Convertibles im Preissegment um 1.000 Euro und liefert hier ein weiteres sinnvolles Zubehör gleich mit. Beim nächsten Mal vielleicht.

Verarbeitung

Erstkontakt mit dem Surface Book: Liebe geht durch die Hände

Tech Porn!
2 USB-Anschlüsse & Kartenleser
Das Scharnier in Alu-Bauweise
Mini-DisplayPort & Lade-Anschluss
Power-Button & Lautstärkewippe
Die rückseitige Kamera
So muss ein Convertible aussehen.
Tech Porn!

Ich behaupte an dieser Stelle einmal, ich bin nicht unbedingt der objektivste Tester, den das Surface Book je gesehen hat. Dementsprechend kann ich auch gar nicht anders, als begeistert zu sein von der hochwertigen Verarbeitung und dem stimmigen Design-Konzept des Microsoft-Convertibles. Manchem mag die Lücke, die im zugeklappten Zustand zwischen Display und Tastatur entsteht, sicherlich stören. Ich hingegen finde das keil- und magazinförmige Design äußerst ansprechend.

Auch die Materialzusammenstellung schätze ich als gute Wahl zwischen Widerstandfähigkeit und Mobilität ein. Das Gehäuse des Surface Book präsentiert sich dementsprechend in einer leichtgewichtigen Magnesiumlegierung, während das Display von zugegebenermaßen recht stark spiegelndem Gorilla Glas geschützt wird. Hinzu kommen ein Glas-Trackpad und das futuristische „Dynamic Fulcrum Hinge“ in Aluminium-Bauweise, das das Display stufenlos bis zu 130 Grad umklappen lässt.

Was den Öffnungswinkel des Displays angeht, hätte ich mir noch etwas mehr Spielraum gewünscht. Löse ich allerdings das Display per (etwas hakeligem) Knopfdruck von der Tastatur, kann ich es auch umgedreht wieder auf das Keyboard aufsetzen und somit einen Präsentations-Modus herstellen oder das Display mit der Rückseite auf die Tastatur klappen. Das Beste daran: Die Tastatur wird so nie zur Unterseite des Surface Book, wie es beispielsweise beim Lenovo Yoga der Fall ist. Zudem liegen sowohl das Book komplett als auch das Tablet-Display allein angenehm leicht in der Hand. Soweit eine hervorragende Vorstellung. Dennoch regt sich in mir erstmals die Frage, ob ich hierfür über 2.000 Euro ausgeben würde.

Display

3.000 mal 2.000 gute Gründe für das Surface Book

Tablet losgelöst von der Tastatur
Denn Button zum Lösen des Displays finde ich rechts oben auf der Tastatur.
Die Kontakte am Keyboard
Front- & Windows-Hello-Kamera
Physischer Display-Anschluss links und rechts ...
... sowie Kontakte in der Mitte des Displays
Das Display kann ich zudem lösen und ...
... um 180 Grad gedreht wieder andocken.
Tablet losgelöst von der Tastatur

Bevor ich mich erneut in Lob und Bewunderung verliere, möchte ich ein paar Kleinigkeiten aufzählen, die mich am Display des Surface Book stören. Erstens: Da das Display auch als eigenständiges Tablet fungiert, bringt es ein gewisses Eigengewicht und einen unglücklich gesetzten Schwerpunkt mit, die das Book leicht nach hinten ziehen können. Zweitens: Beim Tippen und bei der Berührung des Displays mit dem Pen fängt das Display leicht an zu wackeln. Drittens: Über die dafür vorgesehene Mulde an der Vorderseite des Keyboards kann ich das Book nicht so bequem öffnen wie erhofft. Das Display leistet ordentlich Widerstand.

Das sind allerdings alles eher Kleinigkeiten im Vergleich zu all dem, was das PixelSense-Display richtig macht. Kommen wir zunächst zur Darstellungsleistung: Mit 3.000 mal 2.000 Pixeln ist das Surface Book den meisten Convertibles überlegen und muss sich lediglich mit einigen QHD-Konkurrenten von Lenovo und Co. messen. Hier kommt die Bildbrillanz ins Spiel, die bereits das Surface Pro 4 auszeichnete. Knackige Farben, beachtliche Kontraste und eine überragende Räumlichkeit zählen zu den schlagenden Argumenten des 13,5-Zoll-Displays. Ganz zu schweigen von der Blickwinkelstabilität, die sich keinerlei Schwächen leistet.

Ebenso wenig schwächelt die Touch-Funktionalität des Displays, denn der Bildschirm reagiert präzise und reibungslos auf meine Mehrfinger-Eingaben. Selbst die in dieser Auflösung verhältnismäßig kleinen Interaktionselemente, wie zum Beispiel das Close-Kreuz des Browser-Tabs, treffe ich punktgenau und das Surface versteht meine Eingabe ad hoc.

Leistung

Leistung satt? Das Surface Book im Einsatz

Die Anschluss-Vielfalt des Surface Book, die in einem SD-Kartenleser, zwei USB-3.0-Ports und einem Mini-DisplayPort besteht sind äußerst erfreulich. Das Tablet selbst weist aber leider keinerlei Anschlussmöglichkeiten auf, was für mich einen erheblichen Kritikpunkt darstellt.

Nun ist es an der Zeit, das Surface Book endlich zum Leben zu erwecken. Das Convertible bringt Windows 10 Professional mit und ist innerhalb weniger Minuten eingerichtet. Auch das Setup des Surface Pen erfolgt beim ersten Windows-Start und dauert nicht länger als 30 Sekunden.

Im System begrüßt mich die inzwischen gewohnte Windows-10-Umgebung und eine überschaubare Anzahl an Anwendungen. Für den Anwendungstest ziehe ich kurzerhand meine Lizenzen für Office und Adobe CC hinzu und lade zudem einen alten Bekannten auf das Surface Book – denn nach dem Surface 3 und dem Surface Pro 4 ist es nur gerecht, wenn es auch das Microsoft-Convertible mit “The Witcher 3” zu tun bekommt.

PowerPoint, Word und Excel locken das Surface Book weder im Docking- noch im Tablet-only-Mode aus der Reserve. Photoshop und InDesign verlangen dem Rechner da schon etwas mehr ab, laufen aber dennoch mehr als flüssig im Notebook– und im Tablet-Modus. Anders liegt der Fall beim Witcher. Zunächst: Dank der dedizierten NVIDIA-GPU zocke ich das grafisch anspruchsvolle Game auch noch bis Full-HD mit sehr hoher Detailstufe nahezu reibungslos auf dem Notebook. Lediglich der Lüfter muss massiv und lautstark Kämpfe gegen die Last ausstehen. Wähle ich eine noch höhere Bildqualität, muss ich in den Details Einschränkungen vornehmen, sonst ruckelt’s zu sehr.

Allerdings: Da Witcher auf Tastatur-Steuerung ausgelegt ist, werde ich schon auf Grund der mangelnden Eingabe-Optionen im Tablet-Modus nicht glücklich. Ein USB-Port am Display fehlt auch, sodass die Maus ebenso nutzlos ist. Und die Onboard-Grafik im Display wird mit den Anforderungen von Geralt auch nicht wirklich glücklich. Immerhin stört es den Betrieb des Books nicht, wenn ich das Display mitten im Game abkopple. Letzten Endes verüble ich dem Tablet nicht, dass es vor Witcher kapituliert. Das Notebook jedoch glänzt in jeder Leistungshinsicht.

Eingabe-Optionen

Vielfältige, komfortable Eingabe-Optionen

Edles Leichtgewicht ...
... mit hintergrundbeleuchteter Taststur
Pen & Keyboard überzeugen uneingeschränkt
Edles Leichtgewicht ...

Über die Touch-Eingabe habe ich bereits philosophiert und möchte daher an dieser Stelle keine weiteren Worte verlieren. Als zusätzliche Eingabe-Optionen stehen mir auf dem Surface Book außerdem der etablierte Surface Pen und ein klassisches Notebook-Keyboard ohne Nummernblock zur Verfügung.

Der Pen zunächst begeistert durch seine präzise Spitze und einige Zusatzfunktionen wir zum Beispiel das Öffnen von OneNote per einmaligem Druck auf den Radiergummi oder das Speichern eines Screenshots per zweimaligem Drücken. Im Notebook-, Tablet– und Canvas-Modus dient der Surface Pen so als komfortables Kreativ-Werkzeug vor allem im Umgang mit Photoshop und Co.

Das Keyboard des Surface Book ist per spezieller Pins mit dem Display verbunden und begeistert mit einem hervorragenden Schreibgefühl. Das Tasten-Layout gestaltet sich sehr angenehm mit passendem Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben. Tastenhub und Druckpunkt geben ein sehr angenehmes haptisches Feedback beim Schreiben und jede Eingabe wird vom Keyboard-Dock fehlerfrei übertragen. Auch das Tipp-Geräusch geht grundlegend in Ordnung, wenngleich es bei meinen Schreib-Gewohnheiten ein wenig hohl und laut klingt.

Akkuleistung

Ein Blick auf Sound, Kameras & Akku

Akzeptable Bildqualität ...
... und überschaubare Kamera-Optionen
Das Surface Book wird geladen.
Das Display kann separat geladen werden.
Akzeptable Bildqualität ...

Jenseits des Dual-Core-Prozessors und der beiden Grafik-Einheiten hat das Surface Book noch einige weitere Features im Doppelpack zu bieten. So zum Beispiel die Stereo-Lautsprecher oben links und rechts am Display. Und wie bereits vom Surface Pro 4 gewöhnt liefern die Speaker einen überraschend räumlichen Klang, der die meisten Musik-Genres gut zur Geltung bringt und auch bei Videos zu überzeugen weiß. Lediglich an Bass fehlt es dem Klang-Konzept.

Ebenfalls in doppelter Ausführung bringt das Surface Book seine Kameras mit. Die rückseitige Hauptkamera löst mit 8 Megapixeln auf und schafft selbst Full-HD-Videos. Die Qualität der Aufnahmen empfinde ich als annehmbar, aber nicht mehr. Bei guten Lichtverhältnissen klappt die Fokussierung zuverlässig und das Book zeichnet ausreichend scharfe und kontrastreiche Bilder auf. Die Frontkamera für Videotelefonie bringt 5 Megapixel und ebenso 1080p-Videofunktionalität mit und erfüllt ihre Aufgabe souverän. Zauberwerk habe ich von den Cams nicht erwartet und auch nicht serviert bekommen. Nebenbei finde ich neben der Frontkamera noch eine Infrarot-Cam für die Gesichtserkennung von Windows Hello.

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Akku: Auch hier wartet das Surface Book mit einem Doppelpack auf, denn sowohl das Notebook insgesamt als auch das abgekoppelte Tablet benötigt eine verlässliche Stromzufuhr. Für das gekoppelte Book verspricht Microsoft bis zu 12 Stunden Videowiedergabe bei einer Akkuladung. Diesen Wert konnte ich im Test verifizieren. Beim extensiven Surfen und Witchern hingegen kann ich das Book auch schon nach der Hälfte der Zeit in die Knie zwingen. Noch schneller geht das beim abgekoppelten Tablet, denn dem geht schon nach 3 bis 4 Stunden die Luft aus. Zum Glück kann ich das Tablet über den mittleren Kontakt auch losgelöst von der Tastatur laden.

Fazit

Überragendes Convertible mit kleinen Mängeln

Hoch waren sie, die Erwartungen an Microsofts High-End-Convertible, und nicht zuletzt hat Microsoft diese Erwartungen mit seinem Release-Video immens geschürt. Nun, nach dem Test, kann ich mit Gewissheit sagen: Das Surface Book ist ein beeindruckendes Stück Technik, dass aktuell wenig bis keine Konkurrenz hat. Möglich macht dies die gelungene Kombination aus Wandlungsfähigkeit, Hochwertigkeit und nicht zuletzt Leistungsstärke. So sorgt das 2in1 im Office, beim Photoshoppen und beim Gaming für Begeisterung. Auch der Tipp-Komfort lässt sich sehen und macht das Surface Book zum angenehmen Assistenten für Vielschreiber.

Die Negativa fallen im Gegenzug zu den Vorzügen sehr überschaubar aus und liegen zum Teil auf sehr hohem Niveau. Der schwerwiegendste Kritikpunkt sind wohl die fehlenden Ports am und der kurze Akku-Atem des Tablets. Dadurch wird das Display ein stückweit vom Produktiv- auf ein Präsentations-Tool reduziert. Auch der hoch gelagerte Schwerpunkt des Displays fällt mir negativ auf, da das Book schnell kippt und das Display gern mal anfängt zu schwingen. Darüber hinaus sind mir persönlich 130 Grad Öffnungswinkel zu wenig. Last but not least erweisen sich die Kameras als eher durchschnittlich.

Dennoch: Das Surface Book ist Notebook-Qualität pur und dürfte sich vor allem im Business-Bereich einen sicheren Stand als MacBook-Alternative erarbeiten. Zudem punktet das Book mit mehr Flexibilität und besserer Leistung bei ähnlichem Preis. Dass das alles bei der getesteten Konfiguration aktuell 2.069 Euro aufruft, ist zu weiten Teilen durchaus berechtigt.

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