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Bye, bye, Modularität: das LG G6 im Smartphone-Test



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Bereiche

Bewertung
Tolles Phone mit Kamera-Mängeln
4

 Pro

  • Ansprechendes Design
  • Ordentliche Leistung
  • Tolles Display
  • Dual-Kamera inkl. Weitwinkel
  • Viele Kamera-Optionen
  • Ausdauernder Akku
  • Schickes LG UX

 Contra

  • Keine großen Neuerungen bei den Ressourcen
  • Weitwinkel detailarm
  • Kamera-Software zeichnet zu scharf

Nicht alles, was modular ist, glänzt – vor allem in Hinblick auf die Verkaufszahlen. Das musste sich LG beim G5 eingestehen und leider, leider das spannende Konzept der Einsteck-Module über Bord werfen. Ich persönlich fand das ziemlich schade, denn von ein paar kleineren Verarbeitungs- und Wertigkeitsproblemen einmal abgesehen, war das G5 doch ein tolles Smartphone.

Inzwischen steht der Nachfolger auf der Matte und auch das G6 versucht sich wieder einmal an Trends. Diesmal ist es kein tauschbarer Akku nebst Kameramodul sondern ein besonders schlanker Displayrahmen, der 5,7 Zoll in einem kompakten Gehäuse ermöglichen soll. In etwa wie das S8 nur mit weniger Eigenlob. Das Konzept der doppelten Kamera blieb an Bord und auch sonst hat das G6 viel Bewährtes und einiges Neues zu bieten. Was genau, schaue ich mir jetzt an.

Lieferumfang

Schon beim Unboxing eine ganze Ecke seriöser

Der Karton kommt wesentlich klassischer daher ...
... auch wenn er ein paar Anleihen beim Vorgänger nimmt.
Im Karton wird's sogar recht edel.
Smartphone + Zubehör
Ladekabel in zwei Teilen
Natürlich setzt das G6 auf USB Typ-C.
Ein paar In-Ears in Weiß sind ebenfalls dabei.
Der Karton kommt wesentlich klassischer daher ...

Der lässige weiße Karton mit grünem Einschub, in dem sich das LG G5 präsentierte, ist Geschichte. Statt dessen verbirgt sich das G6 hinter einer seriös-schwarzen Verpackung, die nur geringfügig länger, breiter als das Smartphone selbst ist und suggeriert damit die für die Displaygröße beachtlich kompakten Maße. Nachdem ich den Deckel der Verpackung abgehoben habe, finde ich unter einem gebrandeten Schutztüchlein auch gleich das LG G6, das wiederum das restliche Zubehör unter sich verbirgt.

Das gibt sich ziemlich klassentypisch und besteht aus dem zweiteiligen Ladegerät inklusive USB-Kabel vom Typ-C, ein paar weißen In-Ears, dem SIM-Tool und einer kleinen Armada Beilege-Heftchen. Mehr gibt’s nicht, mehr braucht’s aber auch nicht.

Optik

Wenig innovatives Smartphone-Design, das dennoch Eindruck macht

5,7 Zoll bringt das G6-Display mit.
Die Rückseite ist überraschend schick.
Die Maße bleiben dank schlanken Rahmens kompakt ...
... und lassen viel Platz für die Inhalte.
5,7 Zoll bringt das G6-Display mit.

Ich gebe zu, ich trauere der Modularität ganz schön nach und fand das Design des neuen G6 anfänglich auch ziemlich uninspiriert – zumindest auf den Bildern. Entsprechend habe ich mich bei meinem Test-Sample auch nicht für das Allerwelts-Schwarze entschieden, sondern bin auf die Smartphone-Variante in Ice Platinum umgeschwenkt. Eine sehr gute Wahl, wie ich nach dem Unboxing schnell feststelle.

Denn das LG G6 ist ein haptisches und optisches Schmankerl. Die 163 Gramm und die nicht auf Schlankheit getrimmte Gehäusetiefe verleihen dem Smartphone Gewicht und lassen es ziemlich ausgewogen in der Hand liegen. Das nahezu randlose Display ist eben in den Rahmen eingelassen – ohne Wölbung oder Design-Spielereien. Eingefasst wird es von einem hochwertig-edlen Alu-Rahmen, während sich die Rückseite in blauer Bürst-Alu-Optik hinter 2,5D-Glas präsentiert. Das ist sowohl schick als auch sehr angenehm anzufassen. Die Rückkehr zum Gewöhnlichen ist ziemlich ansprechend geraten.

Haptik

Nur das Nötige an Hardware-Buttons

Die Lautstärkewippe mit zwei separaten Tasten.
Lautsprecher & USB-Anschluss
Der Schacht für SIM & microSD
Die Kopfhörer-Buchse an der oberen Kante
Dual-Cam & Fingerabdrucksensor inkl. Power-Button
Die Lautstärkewippe mit zwei separaten Tasten.

Das stimmige Design wird nur äußerst selten von Hardware-Bedienelementen „gestört“. So finde ich in Daumenreichweite einmal nicht die Lautstärkewippe, sondern den SIM-Kartenslot. Die Lautstärke steuere ich über zwei Knöpfe, die ich links am Gerät bequem mit dem Zeigefinger erreiche. Unten am Smartphone warten dann noch USB-Anschluss, Lautsprecher und Mikrofon.

Um dem Display möglichst viel Platz zu geben, fängt LG gar nicht erst mit einem Fingerabdrucksensor unter dem Bildschirm an. Der ist dort, wo er als Hardware-Button für meinen Geschmack hingehört: auf der Rückseite in Reichweite des Zeigefingers. Er dient auch nicht nur dem Entsperren, sondern ist zudem noch Einschalter und belegbarer Button. Darüber prangt die vom Vorgänger bekannte Dual-Cam nebst Blitz.

Display

Schön hell, schön bunt, schön hochauflösend

Das Display punktet mit hoher Auflösung & tollen Farben.
Auch die Software überzeugt.
Gerade bei der Kamera wartet das LG-Smartphone ...
... mit ausladender Software auf.
Das LG UX wirkt modern & aufgeräumt.
Das Display punktet mit hoher Auflösung & tollen Farben.

Testgeräte mit sich herumzutragen ist immer so eine Sache und man kann sich ja auch nicht für jedes Übergangs-Smartphone ein Case kaufen. Zum Glück habe ich noch eine auf meinen alten 5-Zöller Xperia Z1 zugeschnittene Stoff-Hülle, in die spannenderweise auch das 0,7 Zoll größere G6 perfekt reinpasst. Das zeigt schon einmal, wie viel Display das LG-Smartphone bei wenig Rahmen bieten kann.

Von den Bildschirmmaßen her fühle ich mich schnell zuhause und auch Spielereien wie 2,5D-Display-Glas oder abgerundete Ecken à la Samsung vermisse ich nicht. Bei den technischen Details überzeugt das G6-Panel ebenso sehr wie das des Vorgängers. Durch den Zuwachs um 0,4 Zoll kommt das G6 nun auf 2.880 mal 1.440 Pixel und damit auf 546 PPI. Das resultiert in knackscharfen Bildern ohne Einschränkungen.

Genau so gut liefert das LG-Smartphone bei der Farbtreue und den Kontrasten ab. Sattes Schwarz, lebendige Farben, hohe Dynamik – das G6 ist für Multimedia-Inhalte prädestiniert. Dabei weiß auch die Display-Helligkeit zu überzeugen. Das LG schlägt sich selbst beim Outdoor-Einsatz und ordentlich Sonnenschein noch wacker. Zu guter Letzt soll noch kurz die Blickwinkelstabilität erwähnt sein: Die ist dank IPS hervorragend. Lediglich ein leichter Helligkeitsabfall bei seitlicher Betrachtung ist zu melden.

Leistung

LG bringt erneut Smartphone-High-Performance

AnTuTu bestätigt Top-Werte trotz Vorjahres-Hardware.
AnTuTu bestätigt Top-Werte trotz Vorjahres-Hardware.

Snapdragon 835 nennt sich die aktuellste Generation der Mobil-Prozessoren und wie schon beim G5 spendiert LG auch dem G6 nicht die neueste Leistungsreferenz. Und wie auch schon beim Vorgänger kommt der hier verbaute Snapdragon 821 „nur“ mit vier statt der geläufigen acht Kerne daher. Von gestern ist das Ergebnis im Praxiseinsatz aber bei Weitem nicht, denn das G6 läuft schon fast rasant flüssig. Web-Browsing, Games und Co. sind absolut keine Herausforderung und auch AnTuTu bestätigt die sehr gute Performance: Das LG G6 landet mit 145.000 Punkten unter den Top 10.

Jenseits davon bewegt sich das aktuelle Android-Smartphone auf Augenhöhe mit dem Vorgänger und setzt keine neuen Maßstäbe. Sehr gute 4 Gigabyte Arbeitsspeicher sind ebenso an Bord wie 32 Gigabyte interner Speicher. Der wiederum kann per microSD um bis zu 2 Terabyte erweitert werden. Dieser Teil der Ausstattung ist zeitgemäß und absolut ausreichend, aber irgendwie eben auch unspektakulär.

Software

Schönes aufgeräumtes Android

App-Drawer & Einstellungs-Menü sind gut individualisierbar.
Auch ein Blaulichtfilter ist an Bord.
Die Pop-out-Funktion der Kamera schafft Bild-im-Bild-Effekte.
Auch die Video-Bearbeitung funktioniert ordentlich.
App-Drawer & Einstellungs-Menü sind gut individualisierbar.

Dass das G6 mit einer derart schicken Oberfläche daherkommt, hat mich einigermaßen überrascht und auch – erneut – an den Vorgänger erinnert. LG UX heißt die Optik, die LG über das Android 7.0 gestülpt hat. Die Mischung aus Material, Design, modernen Icons und übersichtlicher Gestaltung hat mich vom ersten Start an angesprochen und überzeugt. Ebenso gibt es beim Funktionsumfang wenig zu meckern.

So entscheidet ihr, ob ihr mit oder ohne App-Drawer leben wollt, nutzt die künstliche Intelligenz des Google Assistant oder teilt den 18:9-Bildschirm per Q Slide oder Multi Window fürs Multitasking auf. Und da das LG mit einem ungewöhnlichen Format daherkommt, skaliert das Smartphone auf Wunsch auch Apps, die sonst nicht Display-füllend dargestellt würden. Last but not least müsst ihr auch auf den inzwischen üblichen Blaulichtfilter für entspanntes Lesen nicht verzichten.

Kamera

Schuster, bleib bei deinen Dual-Cam-Leisten

Die normale Kamera schafft gute Bilder ...
... auch bei schlechten Lichtverhältnissen ...
... und kann meist auch bei der Auflösung ...
... und den Kontrasten überzeugen.
Die klassische Knipse wird ergänzt ...
... durch eine Ultraweitwinkel-Kamera.
Damit habt ihr viel Flexibilität ...
... beim Fotografieren im Alltag.
Die normale Kamera schafft gute Bilder ...

Beim Kamerakonzept haben sich nicht allzu viele Änderungen eingestellt. Dual-Cam ist für LG nach wie vor das Gebot der Stunde und wie schon beim G5 vertraut ihr hier auf eine normale und eine Weitwinkel-Knipse. Technisch hat sich jedoch etwas getan, so punktet die Weitwinkel-Kamera jetzt mit 13 statt 8 Megapixeln, schafft jedoch nur noch einen Blickwinkel von 125 statt 135 Grad. Die zweite Kamera wurde von 16 auf 13 Megapixel abgespeckt. Bei der Blende kommt Letztere mit f/1.8 lichtstärker daher als die Weitwinkel-Cam mit f/2.4.

Im Hinblick auf die Bildqualität liefert das G6 vor allem bei guten Lichtverhältnissen sehr gut ab. Schwindet das Licht jedoch, hat logischerweise die Weitwinkel-Knipse schneller Probleme. Und auch die Schärfe fällt vor allem beim Weitwinkel zum Rand hin sehr deutlich ab. Dennoch wissen Farben und Kontraste beider Kameras meist zu überzeugen, vor allem, wenn ihr Bilder in Raw aufzeichnet, die ihr entsprechend flexibel nachbearbeiten könnt. Verzichtet ihr auf Raw, kann es schnell passieren, dass die Software die Bilder zu sehr scharfzeichnet und damit deutliche Pixelklötze bildet.

Apropos Software: Auch beim Interface steht das G6 dem Vorjahresmodell in Sachen Programme, Profi-Features und Optionen in nichts nach. Hinzu kommt mit dem Quadrat-Modus eine neue Spielerei, die Instagrammern in die Hände spielen soll und das Display-Format in Kamera-Screen und Bildvorschau in Instagram-Größe aufteilt. An sich ganz nett, aber nichts, was zwingend Not tut. Hinzu kommt die Pop-out-Funktion für nette Bild-im-Bild-Aufnahmen sowie Zeitraffer und Zeitlupe für Videos. Auch wenn die Qualität im Detail dabei oft nicht stimmt, sind’s doch nette Features für den Smartphone-Knipser.

Laufzeit

Ordentlich ausdauernder Smartphone-Akku

Die Standard-Brennweite liefert gute Details.
Der Weitwinkel ertränkt die Details in Pixelklötzen.
Die normale Linse ist dem ...
... Ultraweitwinkel meist überlegen.
Zwar schafft die Standard-Brennweite nur einen kleineren Ausschnitt ...
... wer aber heranzoomt, wird den Weitwinkel wohl geringer schätzen.
Die Pop-out-Funktion des LG G6 ...
... kombiniert beide Kameras ...
... und bringt zahlreiche Effekt-Optionen ...
... und Bildausschnitt-Formen mit.
Die Standard-Brennweite liefert gute Details.

3.300 Milliamperestunden bringt der Akku des G6 mit, doch trotz des großen Displays und Always-on-Funktion geht das LG-Smartphone hervorragend und vielleicht sogar besser mit seinen Ressourcen um als manche Konkurrenten. Bei Display-Dauerbetrieb geht dem Phone nach 7 Stunden die Luft aus, bei alltäglicher Nutzung inklusive Browsing, Messenger-Verfügbarkeit und gelegentlicher Video-Ausflüge kommt ihr locker über den ganzen Tag.

Im Test habe ich das Telefon auch mal ein paar Tage nur spärlich genutzt und konnte die Akkudauer über 5 Tage ziehen. Dabei verbrannte Always-on noch am meisten Energie. Ist der Strom dann doch einmal aus, nutzt ihr einfach Fast Charge und ladet das LG G6 innerhalb von 90 Minuten wieder komplett auf. Nur auf den QI-Standard müssen die europäischen Geräte verzichten.

Fazit

Toller Neustart mit ein bisschen Wehmut

Wenngleich ich bedaure, dass sich LG des schnöden Mammons wegen gegen die Fortführung des Experimentes Modularität entscheiden musste, so ist der Nachfolger, das LG G6, doch ein überaus stattliches Smartphone geworden. Das auf den Bildern so uninspiriert wirkende Design hat mich in der Praxis mehr als überzeugt und auch das Experiment Riesen-Display in schlankem Rahmen ist geglückt. Der Formfaktor von 18:9 ist zwar zunächst ungewöhnlich, ich konnte mich aber sehr schnell damit anfreunden.

Bei der Software punktet das LG mit übersichtlichem UX und sehr gutem Kamera-Interface. Hinzu kommen zahlreiche Spielereien mit den Kameras, die zumindest auf dem tollen Display durchweg Spaß machen. Im Detail versagen aber Weitwinkel-Cam und Rendering-Software zu gern einmal. Bei der Leistung ist zwar nicht der aktuellste State of the Art verbaut, dennoch läuft das LG G6 überaus flott und konkurrenzfähig – und das gut und gerne den ganzen Tag lang.

So gesehen erhaltet ihr beim G6 ein sehr gutes Gesamtpaket, das sich dank rasantem Preisverfall bei aktuell um die 460 Euro als High-End-Schnäppchen einpegelt. Wer nicht das Maximum an Innovation braucht und bei der Kamera-Leistung Kompromisse eingehen kann, ist mit dem LG G6 sehr gut beraten.

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