Lifestyle

#erstmalverstehen: Was sagt die Brennweite aus?



Zugeordnete Tags Fotografie | Kamera | #erstmalverstehen

An welches technisches Detail denkt ihr als Erstes, wenn Ihr euch die Kamera eures Smartphones vor Augen ruft? Wohl doch am ehesten an die Megapixel, denn die sind, wie uns jeder Hersteller glauben machen will, das A und O einer jeden guten digitalen Kamera. Aber ohne die entsprechende Optik vor dem Sensor, bleibt’s zappenduster.

Und um die, genauer genommen um die Brennweite der Linse, soll es heute gehen. Was sagt die Brennweite aus? Welche Brennweite hat ein Smartphone? Und was ist das Besondere an Brennweiten mit besonders kleinem oder großem Wert? Starten wir bei der Theorie.

Brennweite = Abstand zwischen Linse & Brennpunkt

Bei Kameras findet ihr die Brennweite in Millimetern am Objektiv.
Ein Zoom-Objektiv deckt eine Reihe an Brennweiten ab.
Bei Kameras findet ihr die Brennweite in Millimetern am Objektiv.

Jedes Objektiv ist ein komplexes Gebilde aus verschiedenen Linsen und der zugehörigen Mechanik, die zum Beispiel das Scharfstellen (Fokussieren) der Linse oder das Zoomen gewährleistet. So verschieden die Objektive untereinander sind, sie arbeiten mit mindestens einer Brennweite.

Die wird in Millimetern angegeben und bezeichnet die Entfernung zwischen der Mittelachse der Linse und dem sogenannten Brennpunkt, also dem Punkt, an dem das scharfe Abbild des Motivs entsteht. Hierbei soll erwähnt werden, dass das alles sehr verallgemeinert ausgedrückt ist. Moderne Objektive bestehen aus diversen Linsen, sodass das Licht auf dem Weg von Linse 1 zum Sensor mehrfach umgeleitet wird. Am Prinzip allgemein ändert das nichts.

Und warum zoomt der Zoom?

Symbolisch dargestellt: Das Verhältnis von Brennweite & Blickwinkel
Symbolisch dargestellt: Das Verhältnis von Brennweite & Blickwinkel

Jede Brennweite bildet einen unterschiedlich großen Bereich beziehungsweise Blickwinkel eines Motivs ab. Um zum Beispiel den Blickwinkel des menschlichen Auges mit einer Kamera einzufangen, benötigt ihr ein 50-Millimeter-Objektiv und einen Kleinbildsensor. Was das genau bedeutet, erkläre ich im nächsten Abschnitt.

Kürzere Brennweiten decken einen noch breiteren Winkel ab. Beträgt die Brennweite eine Objektivs zum Beispiel nur 10 Millimeter, erweitert sich der Blickwinkel auf das Dreifache und damit auf gut 120 Grad. Bei einem Teleobjektiv mit 400 Millimetern bleiben gerade einmal 5 Grad Blickwinkel übrig.

Je mehr ihr folglich die Brennweite erhöht, desto mehr schränkt ihr den Blickwinkel ein, der auf dem Sensor abgebildet wird. Das resultiert in einer zunehmenden Vergrößerung des Motivs. Bei einer Brennweite von 10 Millimetern packt ihr eine weite Landschaft mit zahlreichen Details in das Foto, bei 400 Millimetern reduziert ihr das Blickfeld auf einen kleinen Ausschnitt, der entsprechend groß abgebildet wird. Nutzt ihr eine Kompakte mit Zoom oder eine Wechselobjektivkamera mit Zoom-Objektiv, sind die Übergänge zwischen den einzelnen Vergrößerungsstufen fließend.

50 Millimeter ist nicht gleich 50 Millimeter - der Crop-Faktor

Weitwinkel mit ganz viel Motiv
Auch bei 36 Millimetern ist das menschliche Blickfeld noch nicht erreicht.
Soviel bildet auch das Auge ab.
Jetzt geht es in den Telebereich.
Je höher die Brennweite ...
... desto kleiner fällt der Blickwinkel aus.
Entferntes holt ihr so ...
... ganz nah heran.
Weitwinkel mit ganz viel Motiv

Wie bereits erwähnt, könnt ihr den Blickwinkel des Auges in etwa abbilden, wenn ihr ein Objektiv mit 50 Millimetern Brennweite an eine Kamera mit Kleinbildsensor, dem sogenannten Vollformat, schraubt. Dummerweise ist Vollformat in der Praxis dem recht teuren Semiprofi- beziehungsweise gehobenen Consumer-Segment vorbehalten, die meisten Kameras unter 1.500 Euro kommen mit kleineren Sensoren daher.

In einer DSLR wie der Nikon D5600 zum Beispiel findet ihr einen APS-C-Sensor, der 1,5 Mal kleiner ist als beim Vollformat. Dieser Faktor wird auch als Crop-Faktor bezeichnet. Bei Sonys Cyber-shot RX100 beträgt er 2,73, bei Einsteiger-Cams wie der Canon Ixus 185 sogar 5,84.

Je kleiner nun der Bildsensor ist, desto mehr wird ein Motiv bei gleicher Brennweite vergrößert. Der Crop-Faktor sorgt also an sich schon in gewisser Weise für einen Zoom-Effekt. 50 Millimeter Brennweite müssen bei der D5600 mit 1,5 multipliziert werden, sodass hier das gleiche Ergebnis erzielt würde wie mit einem 75-Millimeter-Objektiv an Vollformat. Um den menschlichen Blickwinkel abzubilden würden dementsprechend 35 Millimeter genügen. 50 Millimeter an der RX100 entsprächen 136,5 Millimetern und für den menschlichen Blickwinkel würden 18 Millimeter genügen.

Last but not least: Hätte die Ixus 185 ein 50-Millimeter-Objektiv, käme das dem Blickwinkel eines 292-Millimeter-Tele-Objektivs an Vollformat gleich, und für den Blickwinkel des menschlichen Auges genügen 8,5 Millimeter.

Jede Smartphone-Cam hat eine Brennweite

Am Huawei P9 & P10 findet ihr die Brennweite aufgedruckt.
Bei LG gibt es seit dem G5 eine Weitwinkel-Kamera.
Die meisten Smartphones bringen zirka 27 Millimeter mit.
Zoomen geht nicht, also müsst ihr zuweilen ganz nah ran.
Am Huawei P9 & P10 findet ihr die Brennweite aufgedruckt.

Bei einer DSLR oder DSLM bestimmt ihr per Wechsel des Objektivs über die Brennweite, bei Kompaktkameras setzt ihr meist auf einen sehr umfangreichen Zoom. Hier gehören die Brennweiten ganz klar zu den Kaufkriterien. Doch auch Smartphone-Cams kommen mit einer Brennweite daher, wenngleich weit seltener konkrete Angaben gemacht werden. Fakt ist dennoch: Auch eine Smartphone-Kamera besteht aus Linse und Sensor und hat damit eine bestimmte Brennweite.

Ein Beispiel: Das iPhone 7 Plus hat zwei Hauptkameras an Bord, wobei Kamera 1 einen Sensor mit 1/3 Zoll und Kamera 2 einen mit 1/3,6 Zoll nutzt. Der Crop-Faktor liegt bei 7,21 beziehungsweise 8,6, während die Linsen Brennweiten von 28 und 56 Millimetern schaffen. Mit Knipse 2 bekommt ihr also den Blickwinkel des menschlichen Auges hin, Kamera 1 holt deutlich mehr aufs Bild.

Ähnlich wie bei Kamera 1 des iPhones sieht es bei der androiden Konkurrenz aus. Das Samsung Galaxy S8 bringt eine effektive Brennweite von 26 Millimetern mit, das Huawei P10 hat zweimal 27 Millimeter an Bord. Auch die erste Kamera des LG G6 liegt mit 29 Millimetern in dem Bereich, während hier noch eine Weitwinkel-Cam mit zirka 15 Millimetern hinzukommt.

Mit dem G6 und dem iPhone 7 Plus habt ihr also eine ähnliche Flexibilität wie mit einer Wechselobjektiv-Kamera mit zwei Objektiven. Lasst euch aber nicht vorgaukeln, die Smartphones hätten einen optischen Zoom. Beide haben zwei verschiedene Festbrennweiten, dazwischen passiert nichts Optisches. Jede andere Brennweite wird allein digital durch die Software generiert und geht immer mit Qualitätsverlusten einher.

Brennweiten & ihre Anwendungsgebiete

Mit einem Ultraweitwinkel ...
... kreiert ihr spannende Bilder.
Normalbereich wie beim menschlichen Auge
Für Tier- und Sport-Fotografie braucht's ein Tele.
Mit einem Ultraweitwinkel ...

Verallgemeinern wir wieder einmal: Unter Berücksichtigung des Crop-Faktors muss eine Brennweite von 50 Millimetern dabei herauskommen, damit ihr einen Bildbereich ähnlich des menschlichen Blickfeldes ablichten könnt. Alles unter 50 Millimetern fällt in die Kategorie Weitwinkel und erlaubt die Aufnahme größerer Blickwinkel. Das geht im Extrem bis zu Brennweiten von 8 Millimetern, die am Vollformat rundum 180 Grad abbilden. In der Praxis könnt ihr mit einem Weitwinkel weite Landschaften sehr gut einfangen, aber auch nahe Gegenstände künstlerisch verzerren.

Oberhalb der 50 Millimeter beginnen die Teleobjektive. Jedes davon holt den gewählten Bildbereich mindestens ein kleines Stück näher heran, als es da Auge tut. Im Extrem kann es hier bis 2.000 Millimeter Brennweite gehen, die aber dann nur noch einen Blickwinkel von 2,1 Grad abbilden. Die Telewirkung kommt euch auch zugute, wenn ihr zum Beispiel kleine Dinge per Makrofotografie ablichten wollt (sofern das Objektiv es erlaubt, schön weit an das Motiv heranzugehen) oder auch wenn ihr Portraits aufnehmen wollt. Hier tun es meist 85 bis 105 Millimeter. In der Wildlife- und Sportfotografie darf es auch gern eine Brennweite von 200 bis 400 Millimetern sein, da ihr meist nicht nah genug an das Motiv herankommt.

Wer sich nicht entscheiden möchte oder mit leichtem Gepäck reisen will, setzt am besten auf eine Kompaktkamera, die vom Weitwinkel bis zum Tele alles abdeckt. Ähnliches gibt es auch für DSLMs und DSLRs. Hier entscheidet ihr einfach, welche Brennweiten ihr im Gepäck haben wollt.

Bewusst gestalten mit der Brennweite

Alles in allem sagt die Brennweite eigentlich im Wesentlichen aus, wieviel Motiv ihr abbildet. Nutzt eine geringe Brennweite und bildet mehr Motiv ab, als das Auge ins Blickfeld bekommt. Oder ihr setzt auf eine hohe Brennweite und holt Entferntes nah heran beziehungsweise vergrößert Details des Motives.

So betrachtet ist die Brennweite also ein Gestaltungsmittel, das ihr bei eurer Kompaktkamera oder eurer Wechselobjektiv-Cam bewusst nutzen könnt. Dummerweise ist die Brennweite nicht das einzige bewusst zu nutzende Element einer Kamera. Blende, ISO und Co. dürft ihr nicht außer Acht lassen. Werft daher am besten auch einen Blick auf unsere #erstmalverstehen-Beiträge zu den Themen Blende und ISO-Wert.

RSS-Feed

Werde Autor!

Dieser Beitrag wurde von veröffentlicht.
hat bereits Artikel geschrieben.
Sei auch dabei: Werde jetzt Autor und teile dein Wissen!

Kommentieren

Schreibe einen Kommentar

avatar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Ähnliche Beiträge

#erstmalverstehen: der ISO-Wert - Spagat zwischen Lichtausbeute & Bildrauschen

Lifestyle

10.06.2017

 | André Nimtz

Bereits beim Thema Blende haben wir gesehen, dass bei jeder Kamera der Blick in die manuellen Einstellungen lohnt – vor allem, wenn es darum geht ein Bild bewusst zu gestalten. Von besonderer Bedeutung ist dabei stets der Faktor Licht: Ohne... mehr +

#erstmalverstehen: Kamera-Blende verstehen & nutzen

Lifestyle

26.05.2017

 | André Nimtz

Jede Kamera bringt einen Automatik-Modus mit, mit dem ihr ohne großes Überlegen im Handumdrehen Schnappschüsse machen könnt. Für die Details trägt die Kamera Sorge. Spätestens jedoch wenn die Ergebnisse zu hell, zu dunkel, zu blass, zu... mehr +