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#erstmalverstehen: Kamera-Blende verstehen & nutzen



Zugeordnete Tags Fotografie | Kamera | #erstmalverstehen

Jede Kamera bringt einen Automatik-Modus mit, mit dem ihr ohne großes Überlegen im Handumdrehen Schnappschüsse machen könnt. Für die Details trägt die Kamera Sorge. Spätestens jedoch wenn die Ergebnisse zu hell, zu dunkel, zu blass, zu überblitzt daherkommen, lohnt sich ein Blick in die händischen Einstellungen.

Eines der wesentlichsten Features jeder Optik ist dabei die Blende. Denn wer die Pros und Cons der Blende verstanden hat, hat auch schnell ohne Automatik gelungene Aufnahmen im Kasten. Aber was sagt sie aus und mit welchen Einschränkungen müsst ihr bei der Wahl einer bestimmten Blende rechnen?

Je kleiner die Zahl, desto mehr Licht geht durchs Objektiv

Die Lamellen der Blende
Symbolische Darstellung: Je kleiner der Wert, desto größer die Öffnung
Die Lamellen der Blende

Wie bei den meisten Begriffen in der Fotografie geht auch bei der Blende kein Weg an der Theorie vorbei. Zunächst zur Schreibweise: Die Blende eines Objektivs erkennt ihr an der Angabe f/3.5 – zum Beispiel. Hierbei handelt es sich um die vorrangige Schreibweise, aber auch andere Varianten wie in etwa 1:3,5, 1/3,5 oder f:3,5 sind zu finden.

Die Blende an sich ist ein aus mehreren Lamellen bestehender mechanischer Ring im Objektiv, der bis zu einem bestimmten Punkt geschlossen oder geöffnet werden kann. Wie groß diese Öffnung ist, verrät der Blendenwert. Ohne jetzt große Mathematik aufzumachen: Die Schreibweise der Blende als Bruch zeigt schon einmal, dass sich Blendenwert und Blendenöffnung umgekehrt proportional zueinander verhalten. Je kleiner die Zahl ist, durch die geteilt wird, desto größer ist das Ergebnis.

In der Praxis bedeutet das: Je kleiner der Blendenwert ist, den ein Objektiv schafft, desto größer ist die Öffnung der Blende und desto mehr Licht lässt sie durch das Objektiv. f/1.4 bedeutet also, dass die Blende sehr weit offen ist, während f/22 auf eine weit geschlossene Blende hindeutet.

Die Blende & ihr Einfluss auf die Schärfentiefe

Bei Blende f/1.8 fällt die Schärfentiefe gering aus.
Auch Blende f/2.8 lässt noch viele Details in Unschärfe.
Ab Blende f/4 treten auch die Hintergründe deutlicher hervor.
Das steigert sich mit zunehmender Blende.
Ab Blende f/8 sind Details bereits gut erkennbar.
Eine hohe Schärfentiefe erreicht ihr ...
... eindeutig mit zweistelligen Blenden.
Noch einmal zum Vergleich: Blende f/1.8 vs. Blende f/16.
Hintergrund und Lichtquellen verschwimmen in einem weichen Bokeh.
Bei Blende f/1.8 fällt die Schärfentiefe gering aus.

Eigentlich sollte man denken, dass das beste Objektiv jenes ist, durch das das maximal mögliche Licht fällt. Warum ist also eigentlich überhaupt eine Blende hinter der Linse? Das wird klar, wenn ihr euch die Blende als Gestaltungsmittel für eure Motive anschaut. Denn die Blende hat einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Schärfentiefe: Mit der Blende entscheidet ihr, wie viele Details hinter dem Motiv, auf das ihr fokussiert habt, noch gut erkennbar sind.

Hier gilt, je kleiner der Blendenwert und damit je größer die Blendenöffnung ist, desto geringer fällt die Schärfentiefe aus. Stellt ihr bei eurem Objektiv also eine Blende von f/1.4 ein, kommt äußerst viel Licht durch die Linse, jedoch werden schon die Details kurz hinter dem Fokuspunkt unscharf dargestellt. Bei einer kleinen Blendenöffnung von zum Beispiel f/22 könnt ihr auf ein nahes Objekt scharfstellen und werdet auch die Details im Hintergrund noch ordentlich detailliert auf dem Foto zu sehen bekommen.

Wie immer in der Fotografie ist der Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe natürlich nur die halbe Miete, denn auch die Entfernung von Linse zum Motiv sowie die Brennweite leisten ihren Beitrag zur Tiefe des Detailgrades. Im Gegenzug dazu ist die Blende dafür verantwortlich, dass der unscharfe Bereich des Bildes ein ansprechendes Bokeh erhält. Ach ja, Bokeh. Noch so ein Begriff der Foto-Nerds. Eigentlich bezeichnet er nicht mehr als die Qualität des Unschärfebereiches. Wird der Hintergrund gleichmäßig weichgezeichnet? Sind die Lichter in eine weiche runde Form gegossen? Dann erschafft die Blende ein schönes Bokeh.

Ein Blick auf die Smartphone-Blende lohnt

Huawei druckt die Blende sogar neben den Kameras ab.
Huawei druckt die Blende sogar neben den Kameras ab.

Oben hatte ich ja bereits erwähnt, dass jedes Objektiv über eine Blende verfügt. Die Kameras in euren Smartphones machen da keine Ausnahme. Daher lohnt es sich, vor dem Kauf auch einen Blick auf die Offenblende der Hauptlinse zu werfen, denn weder Sensor noch Software-Optionen im Phone können ein lichtschwaches Objektiv kompensieren.

Stellt euch vor, ihr wollt die abendliche Promenade am Strand oder den Höhepunkt eines Konzertes im Bild festhalten. Hier muss eindeutig das Smartphone her, aber wer nicht die Lichtstimmung durch Blitzen verderben oder am Ende ein schlecht belichtetes Bild mit überdeutlicher Pixelbildung mit nach Hause nehmen will, braucht eine möglichst offene Blende.

Da aktuelle Smartphone-Hersteller ihren Fokus deutlich auf die Kamera gelegt haben, ist es oft nicht schwer, die Blende der Linse herauszufinden. Das Huawei P10 zum Beispiel präsentiert neben der Kamera einen Aufdruck mit der Angabe 1:2.2. Das ist gar nicht schlecht und vom Wert her besser als die meisten Mainstream-Spiegelreflex-Objektive. Das ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Zum Beispiel:

"Sonne lacht, Blende 8" - Die wunderbare Welt der Fotografenweisheiten

Mensch und Tier, Blende 4? Da war ich mit f/1.8 doch ein ganzes Stück weg.
Mensch und Tier, Blende 4? Da war ich mit f/1.8 doch ein ganzes Stück weg.

Gerade was die Blende angeht, wimmelt die Fotografenwelt von Weisheiten, die wahrscheinlich der ein oder andere von euch schon einmal gehört hat. Die meisten davon sind nette kleine Reime, die mit den Möglichkeiten der digitalen Fotografie nicht mehr viel zu tun haben.

Ein Beispiel: „Die Sonne lacht, nimm Blende 8.“ Das ist der wohl am häufigsten zitierte Fotografen-Aphorismus, der zur Annahme verleitet, man müsse bei Sonnenschein nur auf Blende 8 stellen und das gelungene Bild ist geritzt. Allerdings stammt der Spruch aus den früheren Tagen der analogen Fotografie, bezog sich auf Filmmaterial mit einer geringen Lichtempfindlichkeit (ISO 100) und auf eine Verschlusszeit von 1/125 Sekunde. Somit deckt er eigentlich nur einen bestimmten Fall ab, mit dem seinerzeit sichergestellt werden konnte, dass auch Einsteiger bei Sonnenschein ein gutes Ergebnis erzielen konnten.

Heute ist Blende 8 bei Sonnenschein zwar sicher auch kein schlechter Ausgangspunkt, jedoch erlaubt die digitale Fotografie das Experimentieren mit Blenden, ISO-Werten, Verschlusszeiten, Brennweiten und Filtern, ohne dass man Angst um die teuren Filme haben muss. Auch die Chance, den wesentlichen Moment zu verpassen ist geringer geworden. Und lässt man dabei einmal den Faktor der höheren Lichtstärke einer offenen Blende außer Acht, ist die Blende zwar ein fotografisches Gestaltungsmittel, allerdings muss es stets ins Verhältnis zu Brennweite und Abstand zum Motiv verstanden werden.

Habe Mut, dich deiner Blende zu bedienen

„Fast schon Nacht? Nimm Blende 2,8.“ „Für Mensch und schnelles Tier nimm Blende 4.“ „Grünes Gewächs mit Blende 5,6.“ Ob ihr diese Weisheiten ernst nehmt oder nicht: Die Blende ist mehr als ein technisches Faktum eines Objektives. Sie ist ein Gestaltungsmittel, das ihr gezielt einsetzen könnt, um die Lichtmenge zu beschränken oder die Schärfentiefe zu beeinflussen.

Schaut einmal in eurer Kamera nach, welche Optionen euch geboten werden. Es lohnt sich in jedem Fall. Sogar in aktuellen Smartphones, die bauweisenbedingt auf die Hardware-Blendensteuerung verzichten müssen, übernimmt hin und wieder eine Software die Simulation von Blendenwerten. Auch das zeigt, wie relevant die Blende für die Fotografie ist.

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