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#erstmalverstehen: Fast Charging - Segen oder Fluch für den Akku?



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Zugeordnete Tags #erstmalverstehen | Smartphone | Akku

Jedes Mal das Gleiche: In einer halben Stunde muss ich zum Zug und mein Smartphone ist nur noch zu zehn Prozent geladen. Weil das Ticket aber darauf gespeichert ist und es in meiner Regionalbahn keine Steckdose gibt, muss mein kleiner Alltagsbegleiter eben noch kurz zu Hause an den Strom.

Und genau hier wünsche ich mir Fast Charging, also eine Schnellladefunktion für meinen Akku. Wie gut und schnell diese funktioniert und ob sie wirklich so unschädlich ist, wie die Smartphone-Hersteller versprechen, verrate ich euch jetzt.

So funktioniert schnelles Laden

Der Akku eines Smartphones wird ohne Fast Charging über eine gleichbleibende Spannung von 5 Volt und eine gleichbleibender Stromstärke von 2 bis 2,4 Ampere geladen. Die Stromstärke hängt dabei immer von genutzten Ladegerät ab, bleibt aber während des Ladevorgangs konstant. Die maximale Ladeleistung liegt also bei 10,8 Watt, dem Produkt aus Spannung und Stromstärke.

Für schnelleres Laden wird die Spannung auf bis zu 20 Volt oder mehr erhöht und auch die Stromstärke auf bis zu 5 Ampere angehoben. Da durch die höhere Stromzufuhr auch die Wärmeentwicklung im Akku steigt, durch welche dieser überhitzen kann, wird aber nicht ständig mit hoher Leistung geladen.

Im Grunde könnt ihr euch die Funktionsweise dieser Technologie vorstellen wie das Einschenken von Wasser in ein Glas. Am Anfang schüttet man noch langsam, damit das Wasser nicht vom Glasboden spritzt und nichts daneben fließt, dann füllt man das Glas schneller und am Ende ist man wieder vorsichtiger und füllt es mit geringerer Geschwindigkeit, um nicht zu viel einzuschenken. Dieser ganze Vorgang nimmt deutlich weniger Zeit in Anspruch als konstant mit der geringsten Geschwindigkeit einzuschenken.

Bei normalem Aufladen fließen konstant hohe Spannung & Stromstärke.
Bei normalem Aufladen fließen konstant hohe Spannung & Stromstärke.

Quick Charge, Pump Express & SuperCharge

Der Chip-Hersteller Qualcomm entwickelte dazu die sogenannte Quick-Charge-Technologie. Dabei kommunizieren das Netzteil und der Qualcomm-Chip im Smartphone miteinander. Je nach Akkustand wird die Stromstärke sowie die Spannung während des Ladens erhöht oder verringert, um die Zeit optimal zu nutzen. Die Ladetechnologie wurde in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt. Mittlerweile gibt es die Version Quick Charge 4.0, mit welcher dein Smartphone fünf Stunden Betriebszeit durch fünf Minuten Aufladen erreichen soll.

Aber nicht nur Smartphones mit aktuellen Qualcomm-Chips können euren Akku schneller aufladen, auch Modelle mit speziellen Chips von MediaTek haben ein entsprechendes Feature namens Pump Express an Board. 70 Prozent der Akkukapazität sind damit laut Hersteller  binnen 20 Minuten geladen. Eine ähnliche Schnellladetechnologie names SuperCharge hat der chinesische Hersteller Huawei entwickelt. Auch hier interagieren der interne Chip und das Ladegerät miteinander, wodurch es zu einer geringeren Ladezeit kommt.

Auch das Huawei Mate 10 Pro kommt mit SuperCharge.
Auch das Huawei Mate 10 Pro kommt mit SuperCharge.

Ist Fast Charging schädlich für den Akku?

Dass Hitze einem Smartphone-Akku schadet und dessen Lebensdauer verringert, ist kein Geheimnis. Dass eine höhere Stromzufuhr auch mehr Abwärme, also eine höhere Temperatur im Akku bedingt, ist leider auch Fakt. Daher besteht oft die Annahme, dass ein Ladegerät mit Schnellladefunktionen der Gesundheit des Smartphone-Akkus schadet.

Wir schauen uns das einmal genauer an. Rund 15 bis 20 Prozent der Energie wird in Wärme umgewandelt, wodurch sich das Smartphone auf bis zu 40 Grad aufwärmt. Da diese Hitze aber Schaden anrichten kann, messen Sensoren während des Ladevorgangs permanent die Akku-Temperatur und geben die Daten an den Chip weiter. Dieser drosselt dann gegebenenfalls den Stromfluss und die Spannung, um das Smartphone zu schützen.

Durch diese Sensoren und spezielle Algorithmen wird sicher gestellt, dass die Temperatur stets in einem unschädlichen Bereich liegt und der Akku zu jedem Zeitpunkt die für seinen aktuellen Zustand optimale Versorgung erhält. Dies ist auch der Grund, warum die Hersteller versprechen, dass die Lebensdauer des Akkus durch Schnellladung nicht verringert wird.

So nutzt ihr die Schnellladefunktion

Ob ihr die Schnellladefunktion nutzen könnt, hängt von eurem Smartphone beziehungsweise von dessen Chip sowie vom genutzten Ladegerät ab. Letzteres muss in der Lage sein, einen höheren Stromfluss zu erzeugen und das Smartphone in der Lage, die optimale Leistung zu berechnen sowie zu steuern.

Dazu sind mittlerweile relativ viele Smartphones im Stande. Zu nennen sind hier beispielsweise das BlackBerry Motion, das HTC U11 Life, das LG G6 oder das Xiaomi Mi 6. Aber auch die Flaggschiffe von Samsung und Huawei sind dazu fähig. Ebenso hat der Hersteller Apple eine Schnellladefunktion erstmals für das iPhone 8, iPhone 8 Plus und das iPhone X präsentiert.

Schnellladefunktion als Option beim Samsung Galaxy S7 (Quelle: YouTube/SamsungDeutschland)
Schnellladefunktion als Option beim Samsung Galaxy S7 (Quelle: YouTube/SamsungDeutschland)

In Sekunden aufladen?

Viele Hersteller arbeiten immer weiter an neuen Technologien zum Laden unserer Akkus. Samsung will beispielsweise bald so weit sein, den gesamten Akku in 12 Minuten aufzuladen und bei Huawei könnte vielleicht in Zukunft doch wieder auf austauschbare Akkus gesetzt werden, sodass ein voller Akku in Sekunden bereit steht – womit auch mein Stromproblem im Zug gelöst wäre.

Was die Smartphones der Zukunft uns wirklich bieten, werden wir sehen. Ich bin aber auf jeden Fall schon sehr gespannt, was an Akku- und Ladetechnologien auf uns zukommt.

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3 Kommentare

  1. avatar
    Daniel schrieb am
    Bewertung:

    Bringt doch einfach mal reale Werte für die Ladezeiten. Zitieren von Herstellerangaben ist wahrscheinlich genau so sinnvoll wie die Angaben der Hersteller zu Autoverbräuchen. Das wäre mal ein echter Mehrwert.

    • avatar
      Johanna Leierseder schrieb am
      Bewertung:

      Lieber Daniel, vielen Dank für dein Feedback! Wir werden das für die nächsten #erstmalverstehen-Beiträge beachten. Beste Grüße, Johanna

  2. avatar
    Daniel schrieb am
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