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#erstmalverstehen: der ISO-Wert - Spagat zwischen Lichtausbeute & Bildrauschen



Zugeordnete Tags Fotografie | Kamera | #erstmalverstehen

Bereits beim Thema Blende haben wir gesehen, dass bei jeder Kamera der Blick in die manuellen Einstellungen lohnt – vor allem, wenn es darum geht ein Bild bewusst zu gestalten. Von besonderer Bedeutung ist dabei stets der Faktor Licht: Ohne Licht kein Bild.

Klar, jetzt könntet ihr zum internen Kamera-Blitz greifen und das fehlende Licht durch Kunstlicht ersetzen. Dummerweise kommen dabei meist unnatürliche Bilder mit hässlichen Schlagschatten und überbelichteten Bereichen zustande. Eine Alternative dazu kann die ISO sein. Doch was sagt die ISO eigentlich aus? Wie funktioniert sie? Und worauf gilt es zu achten?

ASA, DIN & ISO: Die Lichtempfindlichkeit des Films

Auf klassischen Filmen prangte noch DIN ...
... oder die Angabe der ASA.
Auf klassischen Filmen prangte noch DIN ...

Normen, Normen, Normen – sie sind das Salz in der Lichtempfindlichkeits-Suppe. Denn was ihr heute als ISO (International Standard Organisation) präsentiert bekommt, hatte zu Zeiten des analogen Films noch diverse Bezeichnungen. Manche Filme gaben die Lichtempfindlichkeit in DIN (Deutsches Institut für Normung), manche in ASA (American Standard Association) an. Durchgesetzt hat sich in der digitalen Fotografie jedoch die ISO, die seinerzeit noch beide Werte kombinierte. Ein Film mit 100 ASA hat ebenso 21° DIN und damit 100/21° ISO.

Gemeinsam ist den Werten in der analogen Fotografie eins: Sie beschreiben die Empfindlichkeit des Filmmaterials. Auf jedem Film befindet sich eine Emulsion aus lichtempfindlichen Kristallen. Je empfindlicher nun der Film gegenüber dem Licht sein soll, desto größer müssen die Kristalle in der Emulsion sein. Ab einem bestimmten Punkt sind diese Kristalle deutlich auf dem Bild zu erkennen, ein sogenanntes Bildrauschen entsteht.

Ein Kamera-Sensor ist aber doch kein Film. Also: Wieso ISO?

Nun, da die meisten Kameras digital arbeiten, lässt sich die ISO nicht mehr ganz so leicht erklären. Während analoge Filme als Sensor der Cam dienten, konnte man mit dem Tausch des Filmes die Empfindlichkeit variieren. Die Sensoren von Digitalkameras aber ändern ihre grundlegende technische Beschaffenheit nicht, ganz gleich, ob ihr 100, 800 oder 6.400 ISO einstellt. Hier funktioniert die Lichtempfindlichkeit anders.

Zunächst die schlechten Nachrichten: Ein Bildrauschen gibt es immer, auch wenn ihr mit 100 ISO, also dem oftmals kleinsten ISO-Wert und damit der geringsten Lichtempfindlichkeit, fotografiert. Das liegt einfach daran, dass der Sensor von den zahlreichen elektromagnetischen Einflüssen um sich herum beeinflusst wird und diese Beeinflussungen als Störungen aufnimmt. Doch die guten Nachrichten: Diese Störungen treten anfänglich nicht in Erscheinung.

Fotografiert ihr also mit dem niedrigsten ISO-Wert, erstellt die Kamera-Software das Bild mit der 100-prozentiger Lichtausbeute des Sensors. Erhöht ihr die ISO, sagt ihr der Software, dass die 100 Prozent aber zum Beispiel schon bei 50 Prozent der maximal möglichen Lichtausbeute liegen. Der Sensor nimmt die verfügbaren Farben und Lichter auf, während die Software die Daten danach wieder auf 100 Prozent hoch skaliert. Damit wird aber auch das Grundrauschen verstärkt  und tritt irgendwann über die Wahrnehmungsschwelle. Ab da ist Bild- oder Farbrauschen auf den Aufnahmen zu erkennen, das zunimmt, je höher die ISO ist.

Je kleiner der Sensor, desto höher das Bildrauschen

Über die Nützlichkeit der ISO entscheidet auch die Sensorgröße.
Über die Nützlichkeit der ISO entscheidet auch die Sensorgröße.

Die ISO ist also ein probates Hilfsmittel für Aufnahmen bei ungünstigen Lichtverhältnissen, das Thema Bildrauschen ist allerdings nicht zu vernachlässigen. Natürlich arbeiten die Kamerahersteller an stetigen Verbesserungen der Sensoren, dennoch gilt: Je größer der verbaute Sensor ist, desto besser kommt er mit Rauschen bei höheren ISO-Werten klar.

Verallgemeinert könnte man sagen: Im Consumer-Bereich schneiden Spiegelreflex- und Systemkameras mit einem großen Vollformatsensor am besten ab. Je kompakter die Kamera und damit der Sensor wird, desto höher steigt auch die Rausch-Anfälligkeit bei bereits niedrigeren ISO-Werten. Das Schlusslicht bilden meist die kleinen Smartphone-Sensoren.

Schaut aber dennoch bei eurem Galaxy oder P10 oder Xperia XZ in die Kamera-Software, denn die sehr guten manuellen Modi erlauben heute auch die bequeme Anpassung der ISO und damit die bewusste Einflussnahme auf das Bild- und Rauschergebnis. Schließlich ist gerade bei Smartphone-Kameras die ISO eine der wenigen Optionen zur Beeinflussung der Lichtausbeute.

Ginge es nicht auch ohne ISO?

Bei Low Light braucht's oft ein Stativ oder eine höhere ISO.
Hier hilft kein Stativ, aber die Kombi aus kleinem Blendenwert und hoher ISO.
Bei Low Light braucht's oft ein Stativ oder eine höhere ISO.

Das war jetzt wieder jede Menge Theorie. Wie lässt sich die ISO aber in der Praxis einsetzen? Werfen wir zunächst einen Blick auf das „Warum“, denn an sich scheint es, als wäre die ISO ein nicht zwingend nötiges Hilfskonstrukt. Wollt ihr zum Beispiel bei Dämmerung eine Aufnahme machen, könnt ihr ebenso gut ein Objektiv mit weit offener Blende nutzen oder eine lange Belichtungszeit einstellen, sofern ihr die Kamera auf ein Stativ stellt.

Dennoch lassen sich so einige Szenarien nur schwer abbilden. Wollt ihr zum Beispiel bei Dunkelheit den Mond fotografieren, dürft ihr auf Grund der Erdrotation nicht allzu lange belichten. Hier kann es nötig werden, die ISO deutlich zu erhöhen und gleichzeitig ein Stativ zu benutzen. Wollt ihr bei wenig Licht eine Szene ohne Bewegungsunschärfe einfangen – zum Beispiel Menschen bei Kerzenschein – müsst ihr eine kurze Belichtungszeit wählen. Meist reicht hier aber der kleinste Blendenwert des Objektivs nicht aus und ihr müsst die ISO erhöhen. Ein Stativ hilft hier nicht, dafür zappeln Menschen zu gern.

Auch wenn ihr ohne großes Gepäck reisen wollt, empfiehlt sich die ISO als Heilmittel gegen Lichtmangel, denn oft reicht eine Erhöhung des ISO-Wertes, um ein Stativ ein stückweit zu ersetzen. Last but not least soll nicht unerwähnt bleiben, dass ein von hoher ISO verursachtes Bildrauschen auch durchaus als Gestaltungsmittel dienen kann und eine schöne erdige Körnung in eure Bilder bringt.

Bei Sonnenschein darf’s 100 ISO sein

100 ISO - noch ist kein Rauschen zu erkennen.
200 ISO - wer ganz genau hinschaut, sieht vereinzelte Punkte.
400 ISO - das Rauschen nimmt zu, fällt aber noch nicht ins Gewicht.
800 ISO - noch immer gute Ergebnisse.
1.600 ISO - deutliches Rauschen, im Gesamtbild aber noch gut.
3.200 ISO - im Detail wird's jetzt knifflig.
6.400 ISO - massives Rauschen, aber ein Stativ braucht's nicht mehr.
100 ISO - noch ist kein Rauschen zu erkennen.

Werfen wir nun noch einen Blick darauf, wann welche ISO-Werte Sinn machen und mit welchen Einschränkungen ihr rechnen müsst. 100 ISO ist bei vielen Kameras der Einstiegswert, den ihr für Aufnahmen bei Sonnenschein und auch jenseits davon wann immer möglich nutzen solltet. Bildrauschen ist hier kein Thema. 200 und 400 ISO reichen meist auch für Innenaufnahmen bei Tageslicht oder als Schlechtwetter-Einstellung aus.

Ab 800 ISO dürften schon die ersten Sensorgrößen Probleme mit dem Rauschen bekommen, aber dennoch taugen die Bilder meist für große Bildschirme – alternativ nutzt ihr das Bildrauschen bewusst als Grunge-Effekt. Zwischen 1.600 und 3.200 ISO schafft ihr zwar gute Konzertfotos und Low-Light-Aufnahmen aus dem Handgelenk, allerdings erreichen dann die meisten Smartphone-Sensoren ihr Limit und auch Spiegelreflexkameras ohne Vollformat fördern deutliches Rauschen zu Tage. Vor allem bei Spiegelreflex und Co. solltet ihr solche Werte dann einsetzen, wenn ihr auch die Rohdaten des Bildes aufzeichnet und im Nachgang optimieren könnt.

Ab hier starten die ISO-Bereiche, die meist nur mit größeren Sensoren funktionieren beziehungsweise auch nur existieren, um zu zeigen, wie hoch man eine ISO schrauben kann. So performen zum Beispiel Sony-Alpha-DSLMs auch mit 6.400 und vereinzelt sogar mit 12.800 ISO ganz passabel und schaffen selbst bei kleinem Kerzenschein noch stimmungsvolle Aufnahmen. Bei 25.600 bis 256.000 ISO verabschieden wir uns allerdings in den Bereich “geht, bringt aber kaum etwas”.

Im Übrigen gibt es noch jede Menge ISO-Zwischenschritte, je nach Kamera. So findet sich heute oft auch 50 ISO als Einstiegswert, während sich 125 ISO, 320 ISO, 1.250 ISO etc. zu den klassischeren Werten gesellen.

Mit der richtigen ISO zum gelungenen Bild

Auch wenn die ISO schnell mit Bildrauschen assoziiert wird, ist sie doch ein hilfreiches Feature jeder Kamera, wenn es um Aufnahmen jenseits des optimalen Lichts geht. Dabei könnt ihr Werte bis 800 ISO meist bedenkenlos nutzen, auch im Smartphone.

In vielen Szenarien ist der Einsatz einer höheren ISO oberhalb der klassischen 100 sogar unabdingbar. Im Zusammenspiel mit einem großen lichtempfindlichen Sensor und einem lichtstarken Objektiv, braucht es dadurch oft nicht einmal zwingend ein Stativ.

Hier geht’s zum #erstmalverstehen-Beitrag zum Thema Blende.

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