Tests

Sennheiser F703 Urbanite x Freitag On-Ear-Kopfhörer im Test



Zugeordnete Tags Sennheiser | Kopfhörer | Produkttest
Bereiche

Bewertung
Designer-On-Ears für den Club
4

 Pro

  • Ansprechendes Design
  • Hochwertiges Kabel mit guter Steuereinheit
  • Sehr gute Geräuschisolierung
  • Kaum Außengeräuschübertragung übers Kabel
  • Sehr guter, druckvoller Klang in vielen Genres

 Contra

  • Kratzanfälliges Metall
  • Leichte Verarbeitungsmängel
  • Leichte Sound-Schwächen in manchen Genres & bei einzelnen Frequenzbereichen

Heiß, heißer, Sennheiser. Ja, ich weiß, der war dünn, aber einerseits musste ich das einfach mal loswerden und andererseits finde ich das kleine Wortspiel gar nicht so unpassend, angesichts des neuen Designer-Kopfhörers, den ich unter meine audiophilen Fittiche nehmen durfte. Denn der F703 Urbanite x Freitag ist mehr als nur ein Club-tauglicher Kopfhörer. Er ist vielmehr die nachhaltige Verschmelzung von ungewöhnlichen Materialien mit dem Sennheiser-typischen Anspruch an Klangqualität.

Entstanden ist dabei ein zunächst designtechnisch einzigartiges Stück Technik, an das eigentlich gar nicht so leicht heranzukommen ist. Denn die On-Ear-Kopfhörer sind nur über den Online- oder die Local Stores des namensgebenden Designer-Duos Freitag zu ergattern. Limitiert auf insgesamt 1.500 Stück wird der F703 aktuell mit Straßenpreisen von 250 bis 500 Euro gehandelt. Inwiefern Klang und Technik diese Preise rechtfertigen, muss der Praxis-Test zeigen.

Lieferumfang

Unboxing & Design, oder: Was vom LKW übrig blieb

Die Kopfhörertasche
Alles Nötige platzsparend verpackt
Gefertigt aus LKW-Plane & Sicherheitsgurten
Jede Menge Heftchen
Kopfhörer, Heftchen & Kabel
Die Kopfhörertasche

Beim ersten Blick in den Karton muss ich mir erst einmal in Erinnerung rufen, was ich da genau vor mir habe. Denn die blauweiße Plastiktasche mit Handschlaufe und einigen Gebrauchsspuren wirkt irgendwie tüchtig Neunziger und ein wenig unedel. Bei genauerer Betrachtung macht das Design aber durchaus Sinn, denn bereits hier zeigt sich die Handschrift der Freitag-Designer in der Verwendung von LKW-Plane für die Kopfhörertasche. Dieser Kniff macht jede Tasche einzigartig und so habe ich schon einmal ein absolutes Unikat vor mir liegen.

In der Tasche finde ich die Urbanite-Kopfhörer, die eine gelungene Fusion aus Technik und Stil darstellen. Am Bügel zeigen sich erneut die Farben der Tragetasche, ist er doch in blaue Plastikplane eingefasst und durch einen weißen Kontrastsaum vom Polster abgesetzt. Das wirkt so gar nicht Neunziger sondern äußerst stylisch und urban. Neben den eigentlichen On-Ears präsentiert die Tasche noch das Kopfhörerkabel nebst Smartphone-Steuereinheit sowie die üblichen Beilageheftchen, die unter anderem Aufschluss über die Funktionstasten am Kabel geben.

Hands-on

Ausgepackt und ausprobiert

Urbanite x Freitag in ansprechendem Design
Der Freitag-Schriftzug prangt auch am Kopfhörer.
Die Ohrmuscheln sind einklappbar.
Urbanite x Freitag in ansprechendem Design

Nehmen wir die Kopfhörer also in Augenschein. In der Tasche finden sie nur mit eingeklappten Ohrmuscheln Platz. Beim Auseinanderklappen stelle ich fest, dass die Ohrmuscheln einerseits ein Stück weit höhenverstellbar, andererseits in sehr hochwertigen Metallschienen gelagert sind. Letzteres macht die On-Ears zwar hübsch hochwertig, leider kratzt die Metallführung beim Zusammenklappen aber auch gern mal an der Ohrmuschelaufhängung und hinterlässt auf Dauer unschöne Kratzspuren. Hier müssen die Designer noch einmal ran. Und auch am Übergang zum Bügel tun sich leichte Mängel auf, scheint hier doch die Verleimung nicht absolut zuverlässig.

Beim Anschluss des Kopfhörer-Kabels muss ich zunächst ein klein wenig Fingerspitzengefühl aufwenden, denn das Kabel wird nicht einfach nur an der linken Ohrmuschel eingeklinkt. Vielmehr muss ich eine kleine Nase am Stecker in eine Aussparung an der Klinkenbuchse einrasten und das Kabel durch eine Vierteldrehung verankern – clever gemacht. Die Smartphone-Steuereinheit kommt in Plastikaufmachung mit drei Tasten daher und ist durch silberne Metallabschlüsse mit dem Kabel verbunden.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Die Ohrpolster lassen sich natürlich von den Kopfhörern lösen. Sind die angebrachten Polster also einmal durch, heißt es: Einfach abnehmen und wechseln.

Kabeltasten

Angetestet: Die iOS-Bedienung am Android-Smartphone

Der Klinkenstecker lässt sich am Kopfhörer einrasten.
Fernbedienung für iOS, funktioniert auch mit Android ganz gut.
Der Klinkenstecker lässt sich am Kopfhörer einrasten.

Beim Blick in eines der beiliegenden Heftchen stelle ich fest, dass die Wiedergabesteuerung des Sennheiser F703 eigentlich nur auf iPod, iPad und iPhone ausgelegt ist. Grund genug, sie dennoch auf meinen Androiden loszulassen und zu schauen, was hier geht.

Während ich die Lautstärke per Fernsteuerung nicht beeinflussen kann, funktionieren Play und Pause bestens. Auch den raschen Doppeldruck und Dreifachdruckt der Mittetaste zum Skippen vorwärts oder rückwärts versteht mein Sony Xperia auf Anhieb. Mit dem Vor- und Zurückspulen habe ich allerdings meine Probleme. Dagegen läuft die Aktivierung der Sprachsteuerung per gedrückter und gehaltener Playtaste perfekt.

Last but not least die Anruffunktionen: Mit der Play-/Pause-Taste nehme ich auf meinem Android-Smartphone ganz leicht Anrufe an, lehne sie ab oder lege auf. Zudem kann ich einen aktiven Call on Hold legen und einen zweiten annehmen. So gesehen schafft die iOS-optimierte Steuerung erstaunlich viel an meinem Xperia.

Geräuschisolierung

Gute Dämmung & geringe Nebengeräusche

Die On-Ears mit attraktiven Akzenten
Der Klinken-Anschluss
Die On-Ears mit attraktiven Akzenten

Kaum habe ich die Urbanite-Kopfhörer auf den Ohren, wird es still um mich herum: Die Freitag-Edition der Sennheiser-On-Ears schirmt Umgebungsgeräusche so gut ab, dass ich bereits bei ausgeschalteter Musik ein ganzes Stück weniger vom Alltags-Tohuwabohu mitbekomme. Kommt Musik mit mittlerer Lautstärke hinzu, tauche ich komplett und ungestört in meine eigene Sound-Welt ab. Im Gegenzug dazu nimmt meine Umgebung recht wenig von meiner Song-Auswahl wahr, denn auch die Abschirmung nach Außen funktioniert bestens.

Was mir beim Schlendern durch die Stadt außerdem positiv aufgefallen ist: Stoß- und Reibungsgeräusche am Kabel nehme ich – anders als bei manch günstigerem Konkurrenten – kaum in den Kopfhörern wahr. Das sehr gut isolierte Flachkabel überträgt so gut wie keine physisch verursachten Außengeräusche an die On-Ears.

Klang

Bass-lastiger Clubsound, der nicht jedes Genre trägt

Ein Blick auf die Treiber
Ein Blick auf die Treiber

Intensiven Clubsound für unterwegs, das verspricht Sennheiser für den Urbanite x Freitag vollmundig. Doch wie ist es nun um die Klangleistung bestellt? In welchen Musik-Genres bewähren sich die On-Ears, für welche sind sie weniger geeignet? Mein Fazit nach ausgiebigem Probehören:

Klassik & Filmmusik: Beginnen wir mit dem wahrscheinlich Club-fremdesten aller Genres und lassen Guiseppe Verdi auf den F703 los. Dabei bin ich ziemlich überrascht, wie wuchtig der Urbanite das „Dies Irae“ aus Verdis „Messa da Requiem“ wiedergibt. Bass und Pauken erhalten dabei gewaltig Druck, Mitten und Höhen kommen noch ordentlich differenziert rüber. Ähnliches gilt für Soundtracks wie zum Beispiel Hans Zimmers viel zitiertem „Time“ aus „Inception„. Die Mischung aus Synthesizern und Percussion bildet den druckvollen Grund, während Streicher und Bläser gut strukturiert darüber liegen. Bei Orchestermusik macht der Sennheiser-Kopfhörer keine schlechte Figur.

Alternative & Metal: Amazon Prime sei Dank kann ich den Urbanite x Freitag mit allerlei neuen Ohrwürmern füttern und stelle so schnell fest, dass im Bereich Rock und Metal noch etwas Klang-Luft nach oben ist. Je nach Produktionsqualität schwankt das Ergebnis in der Ohrmuschel zwischen sehr gut und akzeptabel. Meine Neuentdeckungen Agent Fresco und Leprous klingen dabei ziemlich sauber und über alle Frequenzbereiche druckvoll. Industrial-Schrammeleien von Scar Symmetry und Fear Factory verschwimmen leider gern einmal im Mitten-Brei. Das liegt zum Teil am Mix, zum Teil am auf andere Bereiche fokussierten F703. Für dieses Genre wäre er jedenfalls nicht meine Nummer 1.

Club & Elektro: Kommen wir zur Parade-Disziplin des Sennheiser-Kopfhörers, dem Club-Sound. Zugegeben, meine Musik ist das alles nicht wirklich, aber ein paar übliche Verdächtige (auch aus Jugendzeiten) fallen mir da schon ein. Und wie die Praxis schnell zeigt, lässt der Urbanite auch meinerseits inzwischen ungern gehörte Genres sehr mitreißend klingen. So groove ich mich durch das Oeuvre von Chicane, Schiller, ATB, Paul Kalkbrenner und Co. und stelle erschrocken fest, wie oft Fuß und Kopf im Takt wippen. Außerordentlich druckvolle Bässe, gut differenzierte Mitten und klare Höhen lassen den On-Ear-Kopfhörer durchaus zur guten Wahl für Genre-Liebhaber avancieren. Einziges Manko: In manchen Frequenzbereichen wirkt der Sound leicht beschnitten und damit nicht ganz ausgewogen. Für den Alltag lässt sich das aber gut verschmerzen.

Fazit

Designer-Objekt für satten (Club-)Sound

F703 Urbanite x Freitag. Ein kunstvoller Name für ein Stück Kopfhörer-Kunst. Beim Design kann der Sennheiser ziemlich gut überzeugen und begeistert mit Unikat-Charakter. Die Verarbeitung geht weitestgehend in Ordnung, die Retrotasche bringt zusätzlichen Charme ins Spiel. Bauweise und Funktionsumfang des Kopfhörerkabels haben mir dabei ebenso gut gefallen wie die abnehmbaren Ohrmuscheln.

Beim Klang erweist sich der Sennheiser als Club-Profi. Daher fühlt er sich nicht in jedem Genre zuhause. Bei Dance, Electro und Co. jedoch spielt er seine wahren Stärken aus und wer gut produzierten Indie oder ordentlich abgemischte Orchesterwerke zu seiner Sound-Bibliothek zählt, wird auch hier sicherlich zufrieden mitgrooven. So gesehen ist der Urbanite ein sehr guter Kopfhörer für den Alltag, der lediglich den Audiophilen mit Höchstansprüchen außen vorlassen dürfte. Alle anderen sollten am besten einen Blick, oder vielmehr ein Ohr, riskieren. Am besten vor Ort im nächsten Freitag-Store.

 

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