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Samsung Gear S Smartwatch im Alltagstest



Zugeordnete Tags Samsung | Smartwatch | Produkttest
Bereiche

Bewertung
Äußerst durchwachsen
3

 Pro

  • Beeindruckendes Display
  • Hochwertiges Design
  • Guter Tragekomfort
  • Gute Individualisierung
  • Telefonie & Musik-Wiedergabe am Handgelenk

 Contra

  • Pairing nur mit Samsung & auch hier nicht mit allen Devices
  • Schwacher Akku
  • Viele Apps kostenpflichtig
  • Schwache Prozessorleistung
  • Durchschnittliche Soundleistung
  • Bewegungskennung unausgereift
  • Uhrzeit lädt nach
  • Sinnhaftigkeit einiger Funktionen fragwürdig

5 Millionen Dollar – das muss der Liebhaber auf den Tisch blättern, wenn er die „Big Bang $5 Million“ von Hublot sein Eigen nennen will. Dabei ist die weltweit teuerste Uhr weniger ein Funktions- oder wenigstens Ästhetik-Wunder. Zeit ablesen geht, mehr aber auch nicht. Außer vielleicht das Bestaunen der 1.282 eingesetzten Diamanten.

Deutlich funktionaler und dabei um Welten günstiger kommt die neue Samsung-Smartwatch Gear S daher, die mit einigen wegweisenden Technologien wie zum Beispiel einer eigenen SIM-Karte und gebogenem Display aufwarten kann. Hinzu kommen Sport-Tracker, Kontakt-Verwaltung, Musicplayer und sogar kleine Games soll die Tizen-Smartwatch beherrschen. Ob sie damit den aktuell recht stattlichen Preis von 345,- Euro rechtfertigen kann oder ob sie vielleicht doch noch das ein oder andere Ass im Ärmel hat, wird unser Praxistest zeigen.

Lieferumfang

Zubehör, das die Fingernägel schont

Beim Unboxing eines Notebooks, Smartphones oder Tablets weiß ich in etwa, was mich erwartet. Was aber hält der Inhalt eines Smartwatch-Kartons bereit? Zunächst: Allzu viel Platz für ausladendes Zubehör gibt es nicht, da die Verpackung der Gear S in etwa der einer klassischen Uhr entspricht, nur eben Samsung-typisch aus recycelter Pappe.

Im Inneren des Päckchens begrüßt mich zuoberst natürlich die Gear S. Im Innenkarton darunter finde ich ein Ladekabel (aus einem Guß und nicht wie bei Smartphones üblich unterteilt in USB-Kabel und Netzteil), ein Garantie- und ein Installations-Faltblatt sowie eine kleines perlmuttfarbenes Plastik-Hebelchen, mit dem ich ohne Angst um meine Fingernägel (sic) die SIM-Karten-Abdeckung öffnen kann.

Darüber hinaus präsentiert sich mir noch eine seltsam designte, gewölbte Ladeschale mit fünf Kontakten passend zur Smartwatch-Rückseite. Da der Akku der Gear S zu diesem Zeitpunkt ohnehin auf Null ist, setze ich die Ladeschale doch gleich einmal an. Dazu raste ich sie an einer kleinen Lasche an der unteren, rückseitigen Kante der Samsung-Uhr ein und klicke sie dann einfach in die obere Lasche.

So weit, so intuitiv. Ladekabel noch anschließen und nun heißt’s erst einmal warten. Nach gut 2 Stunden kann sich die Samsung Gear S dann endlich nicht mehr vor dem Leistungstest drücken.

Kompakter Karton in Samsung-typischem Design
Im Karton prangt zuoberst die Gear S.
Das Zubehör im Überblick
Die Ladestation bietet einen eigenen Zusatzakku ...
... und wartet mit dem USB-Anschluss auf.
Kleines Tool zum Aufhebeln der nanoSIM-Abdeckung
Kompakter Karton in Samsung-typischem Design
Ersteindruck

Optisch ansprechend & mäßig kompakt

Beim Look and Feel kann ich an der Gear S zunächst erstmal wenig bemängeln. Optisch fällt das gebogene Display mit seiner silbernen Umlaufkante und der One-Button-Bedieneinheit auf und schindet Eindruck. Die Display-Obefläche ist angenehm glatt, störende Ecken und Kanten wurden elegant umschifft.

Mit lediglich kleinem Übergang schließt das schwarze Kunststoff-Armband an, das ausreichend flexibel erscheint. Als Verschluss dient eine uhrentypische Metall-Klapp-Schließe, die etwas gewöhnungsbedürftig daherkommt und mit ausreichend Druck einrasten muss.

Um möglichst vielen Handgelenk-Maßen zu entsprechen, bietet das Armband 10 Löcher für die Schließe, die ich mit wenigen Handgriffen auf das gewünschte Maß bringe. Hierzu muss ich einfach nur die Metallnase ausklinken, die Schließe bis zum gewünschten Loch verschieben und die Nase wieder einklinken. So bekomme ich schnell die gewünschte Passform hin und kann die Uhr fortan tagein tagaus bequem am Handgelenk tragen.

Apropos: 67 Gramm trage ich von nun an am Arm. Das klingt nicht zu viel und ist im Vergleich zu manch klassischer Uhr im Rahmen des Akzeptablen. Allerdings darf der Formfaktor nicht unterschätzt werden, denn mit gut 40 mal 58 mal 12,5 Millimetern ist die Smartwatch nicht unbedingt filigran und dürfte an dem ein oder anderen Handgelenk sicherlich zu klobig und unpraktisch ausfallen.

Das Design ist durchaus ansprechend ...
... dürfte aber nicht zu jedem Handgelenk passen.
Kontakte, Sensoren & nanoSIM-Slot auf der Unterseite
Der Schnappverschluss ist in zehn Stufen einstellbar.
Das Design ist durchaus ansprechend ...
Installation

Ersteinrichtung mit Hürden

Optisch top und haptisch annehmbar muss sich die Gear S jetzt dem Pairing mit meinem Smartphone stellen und wie sich zeigt, ist die Samsung-Smartwatch eine Diva im schlechtesten Sinne des Wortes. Wer, wie ich, blauäugig zu glauben meint, dass jedes Android-Smartphone irgendwie mit der Smartwatch gekoppelt werden kann, sieht sich bald mit einer enttäuschenden Realität konfrontiert: Die Samsung Gear S versteht sich nicht mit meinem Sony Xperia Z1 und auch darüber hinaus nur mit möglichst aktuellen Samsung-Devices.

Ich habe es dennoch versucht und die Gear-Manager-APK aus dem Netz geladen – der Samsung-App-Store steht mir ja auf Sony nicht zur Verfügung und nur dort bekomme ich den zwingend erforderlichen Manager her. Die erste APK verpflanzt bei der Installation noch zirka 12 weitere Dateien auf meinem Smartphone, danach kann ich den Gear Manager starten und finde doch tatsächlich die Gear S als verfügbares Device. Das Koppeln allerdings klappt partout nicht und daran ändern auch die folgenden Stunden mühseligen Tüftelns und Versuchens nichts.

Vermeintlich clever, wie ich mich wähne, versuche ich mein Glück daraufhin mit meinem Galaxy Note 10.1 2014 Edition. Hier lade ich den Gear Manager ruckzuck aus dem Samsung-App-Store und starte die Bluetooth-basierte Suche nach verfügbaren Devices.  Nichts passiert. Mein Samsung-Tablet findet die Smartwatch auch beim zwanzigsten Versuch nicht, die Gear S zickt auch mit hauseigenen Androiden rum.

Versuch 3 besteht darin, die Gear S doch einfach mal mit einer nanoSIM zu bestücken und zu schauen, ob das was ändert. Da mir die nanoSIMs gerade ausgegangen sind, begnüge ich mich mit einer aufs richtige Maß gestutzen microSIM. Immerhin bekomme ich jetzt die Uhr angezeigt. Am Pairing ändert das aber nichts.

Mir bleibt letztlich nichts anderes übrig, als mir ein Samsung Galaxy S5 auszuleihen und es damit erneut zu versuchen. Und siehe da, die Gear S ist so gnädig, ihren unabdingbaren Smartphone-Vorgesetzten anzuerkennen. Ich hingegen habe an der Stelle eigentlich schon keinerlei Lust mehr auf die Samsung-Smwartwatch und ihr Exklusivitäts-Gehabe.

Software

Gear Manager, Individualisierung & eigener App-Store

Ohne Griff zum Gear Manager geht fortan nicht viel. Der jedoch bietet zahlreiche Funktionen, um die Gear S einzurichten und mit Apps zu erweitern. Ein eigener App-Store mit speziell auf die Samsung-Smartwatch zugeschnittenen Anwendungen ist auch an Bord, der mir vom „Die Welt“-Ticker bis zu kleinen Racing-Games eine gute grundlegende Auswahl bietet. Viele der Apps sind allerdings kostenpflichtig.

Ob über den Manager oder direkt an der Gear S: Es stehen jede Menge Optionen zur Individualisierung der Uhr zur Verfügung und einige davon sind dringend nötig, um das etwas grobschlächtige erste Interface-Erscheinungsbild aufzuhübschen. So spendiere ich der Samsung-Smartwatch erst einmal ein hübscheres Ziffernblatt und stelle den Schriftgrad von „mittel“ auf „klein“, was den Comic-Sans-Effekt deutlich mindert und die Tizen-Oberfläche deutlich wertiger erscheinen lässt.

Nach WLAN- und Bluetooth-Einrichtung funktioniert auch die Kommunikation zwischen Uhr und Smartphone flott und reibungslos, wobei aber immer zu beachten bleibt, dass die Uhr nichts kann, was ich ihr vom Smartphone aus nicht vorher beigebracht hätte. Für den Mail-Empfang müssen so die Konten synchronisiert und eine WLAN-Verbindung vorhanden sein, dann kann ich meine Nachrichten zumindest checken, wenngleich auch nicht beantworten. Facebook- und WhatsApp-Kommunikation sind der Uhr fremd.

Die Gear S hat nicht-Samsung-Phones gar nicht gern.
Doch auch auf dem Samsung-Tablet funktioniert nichts.
Galaxy S5 sei dank steht der Gear Manager dann doch noch bereit.
Hier kann ich u.a. das Uhrendesign ändern ...
... und meine Apps verwalten.
Die Gear S hat nicht-Samsung-Phones gar nicht gern.
Hardware

Starkes Display & mittelmäßiger Akku

Das Beste an der Gear S ist zweifellos das Display. Schon allein der gebogenen Form wegen schindet der 2-Zoller ordentlich Eindruck und auch die Touch-Bedienung hat mich durchaus überzeugt. So wische ich gern auch einmal mehr nach links, rechts, oben oder unten zu den News, zum Musicplayer, zum Sport-Tracker oder in meine App-Übersicht. Vor allem der „Die Welt“-Ticker hat es mir angetan, der sowohl in Wort als auch in Bild auf knackscharfen 360 mal 480 Pixeln informiert. Lediglich bei der Ladezeit der Apps könnnte der 1-Gigahertz-Zweikerner noch zulegen, denn 5 bis 10 Sekunden sind für einen Anwendungsstart deutlich zu lang.

Apropos Anwendungsstart: Die Gear S reagiert je nach Einstellung auf Bewegungen, sodass mir das Display auf Wunsch die Uhr anzeigt, wenn ich das Handgelenk entsprechend drehe. Schade ist hierbei nur, dass der Bildschirm auch bei vielen anderen Bewegungen anspringt und die Uhrzeit oftmals nachgeladen wird. Hier vergehen auch gern mal zwei Sekunden, bis die Zeit stimmt.

Das häufige Display-on wirkt sich natürlich auch auf den Akku aus und ich muss ehrlich sagen: Die vom Hersteller angegebenen Laufzeiten von zirka 2 Tagen bei normaler Nutzung liegen ordentlich daneben. Ich habe die Gear über Nacht geladen und zu Beginn des Tages mit 100 Prozent Akkuladestand angelegt. 16 Stunden später habe ich bei normaler Nutzung mit hier-mal-Mails-checken und da-Mal-eine-App-testen bei 80 Prozent Display-Helligkeit noch 10 Prozent Akkuleistung übrig – für diese Art Tool deutlich zu wenig. Da hätte ich wirklich wenig Interesse, der Uhr meine Tagesplanung anzuvertrauen, damit ausgiebig zu telefonieren oder sie auch nur als zuverlässigen Zeitmesser zu nutzen. Glücklicherweise beinhaltet die Ladestation zumindest eine zusätzliche Speichereinheit, mit der ich die Samsung-Smartwatch unterwegs ein stückweit aufladen kann.

Der Akku überzeugt leider wenig.
Der Akku überzeugt leider wenig.
Audio-Features

Telefonieren & Musik hören mit der Samsung Gear S

Dass die Samsung-Smartwatch eine nanoSIM beherbergen kann, habe ich bereits weiter oben erwähnt. Neben der Möglichkeit, der Gear S so einen eigenen Datentarif zu spendieren (bis 3G), erlaubt mir das Wearable zudem auch Telefonate ohne Smartphone. Hierfür kann ich auf das eingebaute Mikrofon und die integrierten Lautsprecher zurückzugreifen und frei sprechen. Das klappt in ruhigen Umgebungen recht gut und beide Seiten verstehen das Gegenüber ziemlich gut. Allerdings gibt es bei solchen Gesprächen keine Privatsphäre. Alternativ schließe ich via Bluetooth ein Headset an und telefoniere so ganz ungestört. Letztlich bleibt das Feature jedoch nicht mehr als ein nettes Gimmick, denn da ich ja zwingend ein Smartphone benötige, um die Gear S zu nutzen und vor allem auch ihre Kommunikations-Defizite auszubügeln (Facebook, WhatsApp), benötige ich auch die Smartwatch nicht, um zu telefonieren. Mein Telefon ersetzt sie nicht.

Was die Lautsprecher zudem noch können: Sie spielen auch Musik direkt über die Smartwatch ab. So stelle ich direkt auf der Gear S ein, ob meine Songs auf dem Smartphone oder der Gear wiedergegeben werden sollen. Als Speicher kann ich die 4 Gigabyte der Gear nutzen oder die Files einfach vom Samsung-Smartphone streamen. Funktional ist das alles ganz nett und die Widget-Obefläche ist angenehm übersichtlich. Aber vor allem die Wiedergabe über die Gear macht aufgrund der schwachen Speaker-Leistung nicht wirklich Laune.

Alltags-Tools

Software, Tools & Apps im Alltag

Während ich über Stabilität und Leistung der Tizen-Software während des Tests nicht viel zu meckern hatte, ließen so manche vorinstallierten Komponenten Sinn und Funktionalität vermissen. Zum Beispiel präsentiert mir die Gear S bei der Eingabe des WLAN-Passwortes eine derart kleinteilige QWERTZ-Tastatur, die jeden Grobmotoriker zur Weißglut bringen dürfte.

Auch im Health-Bereich überzeugt die Smartwatch nur bedingt. So trifft der Pulsmesser sein Ziel nur mit einigem an Feingefühl und liefert bei den ersten Versuchen gleich mal kein Ergebnis. Auch die tiefere Bedeutung des Schlaf-Trackers erschloss sich mir nicht, denn einmal abgesehen vom Fakt, dass sich der Akku zur Schlafenszeit schon längst selbst im Dornröschen- und Wiederauflade-Schlaf befindet, möchte ich beim besten Willen nicht mit einem so großen und auch irgendwie empfindlichen Accessoire am Handgelenk nächtigen.

Last but not least empfand ich das Gaming am Handgelenk und auf dem kleinen Display als wenig spannend. Die meisten Spiele sind leidlich anspruchsvoll und spannend und die Bedienung krankte am gewölbten Display. Mehr als ein Gimmick ist letztlich auch das nicht, sodass mir abermals nur der tolle „Die Welt“-Ticker als sinnvolle Smartwatch-Anwendung in Erinnerung bleibt.

Gute Auswahl an Ziffernblatt-Designs
Fitness im Überblick
Alle Apps zum Durchscrollen
Kleine Spiele sind auch möglich.
Einmal Puls messen, bitte.
Mein (fast einziges) Highlight: News-Ticker per App
Gute Auswahl an Ziffernblatt-Designs
Fazit

Bis aufs Display wenig überzeugend

Am besten fange ich beim Fazit mit den Positiva an: Die Samsung Gear S überzeugt vor allem beim Design und erweist sich als Maßstab in Sachen Display, Auflösung und Bildqualität. Der Bedienkomfort im Allgemeinen geht in Ordnung und die Funktionsvielfalt der Samsung-Smartwatch müssen die Konkurrenten erst einmal erreichen.

Leider sind viele der Funktionen nicht unbedingt nützlich oder stecken noch zu sehr in den Kinderschuhen. Hier bedarf es sicherlich noch zwei bis drei Generationen der Entwicklung, bevor sich ein stimmiges Konzept ergibt. Bis dahin verärgert die aktuelle Gear S mit Setup-Arroganz, inakzeptabler Kompatibilität, mittelmäßiger App-Funktionalität und schwacher Akkuleistung.

So möchte ich die Samsung-Smartwatch weder als Tracking-Wearable noch als Smartphone-Erweiterung oder eigenständige Uhr dabei haben. Und noch weniger möchte ich die derzeitigen 345,- Euro dafür investieren. Schade drum, denn auf dem Papier las sich alles doch äußerst spektakulär.

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