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Friend #4: LG 360 VR Titan Virtual-Reality-Brille im Test



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Bewertung
Schwaches Bild, kein Komfort
2

 Pro

  • Smartphone liefert Daten via USB-Typ-C & muss nicht als Display herhalten
  • Komfortable Steuerung per Smartphone
  • Kopfhörer-Anschluss an der Brille

 Contra

  • Verarbeitungsschwächen
  • Unbequeme Passform
  • Unzureichende Bildqualität
  • Massiver Lichteinfall von der Seite
  • Kaum lohnenswerte Inhalte
  • Viel zu hoher Preis

Der letzte Friend of LG, den ich unter die Lupe nehmen möchte, ist die Virtual-Reality-Brille 360 VR Titan. Samsung hat es mit der Gear VR vorgemacht, Zeiss hat sein eigenes Pendant, da gehört es für die Südkoreaner zum guten Ton, ebenfalls eine VR-Lösung für ihr aktuelles Smartphone-Flaggschiff zu liefern – gerade wenn Modularität das selbsternannte Gebot der Stunde ist. Leider hört der gute Ton beim Preis auf, denn die Titan ruft das Doppelte bis Dreifache der Konkurrenzpreise auf, Oculus Rift, HTC Vive und Co. einmal ausgenommen. Dahingehend sollte die VR-Brille wirklich einiges leisten. Werfen wir also einen Blick auf die Details.

Lieferumfang

Leichtgewicht ohne großes Zubehör

Der Box-Inhalt der VR Titan präsentiert sich aufs Wesentliche reduziert. So liegen der Brille das üblich umfangreiche Begleitheftchen sowie ein Putztuch bei. Die Brille selbst kommt in einem Etui daher, in dem allerdings nicht viel mehr als die Titan sowie das fest verbaute USB-Kabel Typ-C Platz finden.

Auffällig an der Titan ist ihr geringes Gewicht. Mit zirka 100 Gramm ist sie beachtlich leicht und das bleibt sie auch bei der Nutzung, da sie ihre Daten per USB vom G5 bekommt und nicht wie bei Samsung das Smartphone als Display nutzt. Allerdings liegt die Leichtigkeit leider auch zu einem großen Teil in der Plastik-Bauweise begründet: Die Smartphone-Brille wirkt nicht wirklich hochwertig sondern vielmehr unsauber gemacht und sie knarzt an so mancher Stelle. An Steuerelementen bringt sie zwei Hardware-Buttons und einen Kopfhörer-Anschluss mit.

Der Karton fällt mal etwas ausladender aus.
Brille im Etui, Putztuch, Manual
Ein Blick in das Etui ...
... offenbart die 360 VR Titan.
Okay- & Zurück-Button
Kopfhörer-Anschluss
Gefälliges aber unspektakuläres Design
Der Karton fällt mal etwas ausladender aus.
Komfort

Umständliche Einrichtung & wenig Trag-Komfort

Nach dem Anschluss der 360 VR Titan an das LG G5 macht der Friends-Manager einmal mehr den Anfang. Hier finde ich Info darüber, dass die Brille verbunden ist, und lade die nötigen Anwendungen dazu herunter. Die setzen sich zusammen aus dem 360 VR Manager und dem vrChannel. Erstere bietet einen Short-Cut zum vrChannel, eine Übersicht der installierten Apps und Geräteinfos. Letztere dient als Marktplatz für eine aktuell überschaubare Anzahl an Anwendungen für die Brille. So gesehen machen die Apps nicht viel her, sind aber dennoch eine wesentliche Voraussetzung für den Betrieb der Titan.

Die Einrichtung der 360 VR selbst geht mit der üblichen Kalibrierung einher und dauert nicht länger als 5 bis 6 Minuten. Während dieses Setups weist mich die Brille ebenfalls darauf hin, dass die beiden Linsen auf meine Augen anpassbar sind. Als Brillenträger bin ich zunächst froh, dass ich die Inhalte auch ohne Sehhilfe erkennen und die Linsen entsprechend scharf stellen kann. Für die Einstellung der VR Titan auf meinen Augenabstand habe ich allerdings recht wenig Spielraum.

In der kurzen Zeit, die ich die 360 VR jetzt auf der Nase habe, stelle ich schnell fest: Der Steg ist zu eng, die Brillenbügel kratzen und insgesamt sitzt die Brille nicht einmal ansatzweise passend. Das führt dazu, dass das Tragen der Titan schnell unangenehm wird und dass zudem Licht von nahezu allen Seiten eindringen kann. Eigentlich hat sie hier schon verloren, aber vielleicht kann ja die Bildqualität noch punkten.

Anpassung der Brille an die Kopfform ...
... ist nur in sehr begrenztem Maße mögllich.
Anpassung der Brille an die Kopfform ...
Entertainment-Leistung

Schwache Inhalte & noch schwächere Bildqualität

Doch das kann sie leider nicht. Obwohl das Display der Titan mit 970 mal 720 Pixeln ganz brauchbar auflöst und das angeschlossene G5 als Steuerung mit den bekannten Wischgesten für ordentlichen Bedienkomfort bürgt, hinkt die 360 VR bei den verfügbaren Apps und deren Qualität massiv hinterher. Neben den Bildern und Videos meiner Galerie (inklusive der 360-Grad-Varianten, die ich mit der 360 Cam geschossen habe) bekomme ich auf der Brille nur Zugriff auf fünf Apps, nämlich YouTube, EpiqVR, Jaunt VR, Aquarium VR und VRBowling.

YouTube präsentiert sich als klassische App ohne großen Bedienkomfort, EpiqVR erweist sich als eine Sammlung mäßig ansehnlicher Videos, die zum Teil noch nicht einmal im Fullscreen laufen. Und Jaunt VR2 funktioniert überhaupt nicht und stürzt nach dem Loadscreen ein ums andere Mal ab. Bleibt also ein harmloses 3D-Aquarium und der Versuch eines Bowling-Spiels, das kein VR braucht. Spaß macht das alles nicht, ganz abgesehen davon, dass die Brille schon wieder drückt.

Und dann ist da noch die Bildqualität: Jedes der Videos und Bilder offenbart seine Pixel überdeutlich, die Kanten zeigen massive Treppeneffekte und sogar das hinterliegende VR-Grid ist äußerst deutlich erkennbar. Hinzu kommt der beschränkte Blickwinkel von gerade einmal 80 Grad. Und wenn ich mich doch einmal etwas länger auf eines der Videos einlasse, leuchtet mir vor allem bei dunklen Szenen jedes bisschen Licht von der Seite und von unten ins Bild.

Wenigstens habe ich dabei ganz gute Sound-Möglichkeiten, denn entweder höre ich den Ton zum Film direkt aus dem Smartphone (am besten mit eingeklinktem Hi-Fi Plus) oder ich schließe meine Kopfhörer direkt an die VR-Brille an. Die sollten aber am besten In-Ear sein, sonst wird der ohnehin unangenehme Druck der Bügel durch die Ohr-Polster der Kopfhörer noch verstärkt.

Überschaubare Auswahl an VR-Inhalten
Überschaubare Auswahl an VR-Inhalten
Fazit

Absolut unnötiges Smartphone-Gadget

Zwischen 200 und 270 Euro ruft die LG 360 VR Titan aktuell auf und bei genauerer Betrachtung dessen, was die Brille kann, ist keiner der Preise gerechtfertigt. Auf der Haben-Seite steht der gute Ansatz, die Daten über USB-Typ-C zu ziehen und damit die Möglichkeiten der Technologie sinnvoll zu nutzen. Die Steuerung via Smartphone erweist sich als ebenso angenehmes Feature wie der Kopfhörer-Anschluss an der Brille.

Dem gegenüber steht eine sehr maue Bildqualität, die mangelnde Verfügbarkeit vorzeigbarer Inhalte und der komplett fehlende Trage-Komfort. Die Brille sitzt schlecht und schottet das ohnehin selten vorzeigbare Bild unzureichend vor Umgebungslicht ab. Für unter 100 Euro würde ich über all das wahrscheinlich hinwegsehen und die VR Titan als nettes Gadget verstehen. Beim aktuellen Marktpreis geht das schlichtweg nicht.

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