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Anwärter auf den Premium-Thron? Huawei P9 Smartphone im Test



Zugeordnete Tags Huawei | Smartphone | Test
Bereiche

Bewertung
Huawei goes Wow
4,5

 Pro

  • Tolles Design
  • Hochwertig verarbeitet
  • Sehr gutes Display
  • Leistungsstarke Kamera
  • Überragende Kamera-Software
  • Zuverlässiger Fingerabdruck-Sensor
  • Aktuelles Android

 Contra

  • Nicht das leistungsstärkste Phone
  • Akku nur Durchschnitt

Wer sich als Smartphone-Hersteller im Premium-Segment tummeln möchte, benötigt vor allem Eins: Einen Buchstaben. Sony hat sich das „Z“ geholt, Samsung setzt auf das „S“ und LG versucht sein Glück mit dem „G“. Selbst HTC hatte bis vor Kurzem noch das „M“ an Bord. Klar, dass der aktuell hoch gelobte Premium-Player Huawei da mithalten will. Der passende Buchstabe hierfür? „P“ wie Premium.

Spätestens seit dem P7 hat sich Huawei einen Rang unter den High-End-Anbietern gesichert und mit der neuen Generation, dem P9, legt der chinesische Technik-Riese nach: Octa-Core-Prozessor, Unibody-Gehäuse, 3 Gigabyte Arbeitsspeicher. Das liest sich gar nicht schlecht. Noch besser liest sich allerdings die Doppel-Kamera mit Leica-Optik, die optimale Lichtausbeute und besonders brillante Bilder verspricht. Damit folgt Huawei dem Smartphone-Trend 2016 und macht das P9 für mich zum idealen Test-Objekt.

Lieferumfang

Umfassendes Premium-Paket

Ein edler Karton ...
... hält das Huawei P9 ...
... nebst klassischem Zubehör bereit.
Das SIM-Tool
Farblich nicht ganz passende Ohrhörer
Ein edler Karton ...

„Nobel geht die Welt zugrunde“, sagt der Volksmund. „Schade“, sage ich, denn jetzt, da Smartphones so edel verpackt daherkommen, möchte ich ungern auf den Spaß des Unboxings verzichten. Das Huawei P9 macht hier keine Ausnahme, sondern vielmehr eine hervorragende Figur.

Der hochwertige weiße Karton erinnert ein wenig an Apple und präsentiert per Schriftzug unmissverständlich das Hauptfeature des Huawei P9, nämlich die Leica Dual-Kamera. In der Verpackung finde ich das ebenso hochwertig anmutende P9 sowie das Ladekabel in zwei Teilen, Ohrhörer, ein SIM-Tool und natürlich die üblichen Beileger. Somit überzeugen mich sowohl Ersteindruck als auch Lieferumfang.

Haptik

So sollte sich ein Smartphone anfühlen

Power-Button & Lautstärkewippe rechterhand
Lautsprecher, USB-Typ-C & Kopfhörer-Anschluss
SIM-Slot
Die doppelte Kamera ist bündig im Gehäuse verbaut.
Das P9 ist rundum stimmig verarbeitet.
Power-Button & Lautstärkewippe rechterhand

Was soll ich sagen? Ein derart ausgewogenes und hochwertiges Äußeres habe ich bisher bei keinem Huawei und auch bei kaum einem anderen Smartphone erlebt. Im Vergleich zum Vorgänger legt das P9 noch einmal eine Schippe drauf und setzt auf ein absolut makelloses Unibody-Design. Rückseite und Umlaufkante präsentieren sich mattiert und sehr griffig, die Kanten sind zudem angeschrägt und auf Hochglanz poliert – sehr edel.

In den Unibody fügen sich rechterhand die Lautstärkewippe und der Power-Button ein, linkerhand finde ich den SIM- und microSD-Slot, versenkt im Phone. Unten am P9 hat Huawei den Kopfhörer-Anschluss und den Lautsprecher verbaut, dazwischen reiht sich der USB-Typ-C-Anschluss ein. Rückseitig muss natürlich noch die in Plastik eingefasste, doppelte Kamera nebst LED-Blitz sowie der schick abgesetzte quadratische Fingerabdrucksensor erwähnt werden.

Am gesamten Smartphone kann ich keinerlei Spalten oder Verarbeitungsmängel entdecken. Der Korpus klappert, knarzt und biegt sich an keiner Stelle und sowohl die Farbgebung in Titanium Grey als auch das für einen 5,2-Zöller angenehme Gewicht von 144 Gramm treffen genau meinen Geschmack. Hervorragende Vorstellung, Huawei. Ich bin beeindruckt.

Display

"Nur" Full HD, aber das in Bestform

5,2 Zoll, klassisches Format
Eleganz durchweg
5,2 Zoll, klassisches Format

Zugegeben, etwas verwundert war ich schon, dass Huawei beim P9 nicht dem aktuellen QHD-Trend folgt. Stattdessen kommt das Premium-Smartphone „nur“ mit klassischem Full HD und 1.920 mal 1.080 Pixeln daher. Alles in allem ist das aber keine dumme Entscheidung gewesen, denn die gewählte Display-Bauart reicht im Alltag mehr als aus.

Entsprechend muss ich betonen, dass ich bei keiner Anwendung störende Pixel erkennen kann und jederzeit eine knackscharfe Darstellung genieße. Satte Farben gehören ebenso zu den Stärken des 5,2 Zoll großen P9-Displays wie ein weiter Farbraum und beachtliche Kontraste. Auch die Display-Helligkeit überzeugt mit 535 Candela durchaus. Und selbst bei strahlendem Sonnenschein ist der Smartphone-Bildschirm im Outdoor-Einsatz noch gut zu erkennen. Das P9 liefert beim Display also eine beeindruckende Show ab.

Hardware

Das Problem mit der Leistung?

Im AnTuTu-Benchmark ...
... schafft das P9 keine Top-Position.
Im AnTuTu-Benchmark ...

Bei der Hardware folgt das Huawei P9 schon eher dem Premium-Gruppenzwang. Neben 3 Gigabyte Arbeitsspeicher und 32 Gigabyte internem Speicher setzt auch das P9 auf einen Octa-Core-Prozessor, der je zur Hälfte mit bis zu 2,5 und 1,8 Gigahertz taktet. Der Leistung letzter Schluss ist der HiSilicon Kirin 955 jedoch nicht.

Das belegt vor allem AnTuTu: Während das zuvor von mir getestete LG G5 mit seinen vier Kernen gut 125.000 Punkte erreichte, schaffen es die acht Kerne des P9 gerade einmal auf knapp 98.000 Punkte. De Hardware-Kombi aus CPU und GPU kann einfach nicht mit den Verwandten der Exynos- und Snapdragon-Serien mithalten. In der Alltags-Praxis spüre ich davon zum Glück nicht allzu viel, denn die meisten Anwendungen bis hin zu aktuellen Games stemmt das Huawei-Smartphone souverän. Dennoch schleicht sich das Gefühl ein, dass die Konkurrenten flüssiger durch den Tag werkeln.

Software

Aktuelles Android & treffsicherer Fingerabdruck-Sensor

Kamera-Menü für ISO, Verschlusszeit & Abblenden
Kamera-Menü für Weißabgleich, Bildeffekte & allgemeines Interface
Kamera-Menü für ISO, Verschlusszeit & Abblenden

Ohne jegliche Ruckler werkelt das aktuelle Android 6.0 des Huawei P9 mit eigener EMUI-4.1-Oberfläche. Die bietet alles, was das Nutzer-Herz begehrt, wenngleich es nicht jedermanns Geschmack sein dürfte, dass alle Apps auf dem Homescreen und dort gegebenenfalls in entsprechenden Ordnern abliegen. Im Gegenzug dazu bringt das P9 auch die vom Huawei Mate bereits bekannte „Knuckle Sense“-Technologie mit, die mir weitere Software-Features per Knöchel-Geste eröffnet.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch noch den Fingerabdruck-Sensor. Der findet sich wie von Huawei gewohnt bequem in Zeigefingerreichweite auf der Rückseite des Smartphones und reagiert – einmal richtig eingerichtet – absolut konsequent und zuverlässig. Das ist und bleibt ein Top-Feature von Huawei.

Kamera

Brillante Kamera mit überragender Menüführung

Schnappschusstauglich
Aufnahmen punkten mit knackigen Farben ...
... und beeindruckender Detailschärfe.
Die Objektive überzeugen auch bei der Naheinstellgrenze.
Gelegentlich werden Automatik-Aufnahmen etwas zu dunkel.
Manuell lässt sich sehr viel optimieren.
Sehr gute Lichtausbeute
Beeindruckend in den Details
Realitätsnahe Landschaftsaufnahme ...
... zählen zu den Stärken des P9.
Schnappschusstauglich

Was LG kann, kann Huawei schon lange. So scheint es zumindest beim Blick auf die doppelte Hauptkamera. Während LG jedoch in gewisser Weise den Faktor „Zoom“ bedient, versucht Huawei beim P9 ein Optimum an Bildqualität zu gewährleisten, indem ein Objektiv in Schwarz-Weiß und eins in Farbe aufnimmt. Durch die verbauten Leica-Komponenten sollen die Kameras deutlich mehr Licht einfangen und bessere Kontraste erzielen. Die Software setzt die Bilder beider Kameras zusammen.

Wie sehen die Aufnahmen nun im Detail aus? Zunächst fällt auf, dass die Bilder im Automatik-Modus gelegentlich ein wenig dunkler ausfallen als bei der Smartphone-Konkurrenz. Das lässt die Schnappschüsse zwar auch satter und kontrastreicher wirken, erschwert aber in manchen Situationen die realitätsnahe Aufnahme. Schlecht sind die Bilder dadurch aber bei weitem nicht, vor allem, wenn ich einmal einen Blick auf Farben, Bildschärfe und die abgebildeten Details werfe. Ohne Umweg über Software-Features wie HDR liefern mir die beiden Hauptkameras brillante Bilder, die mit denen anderer Premium-Smartphones problemlos mithalten können.

Einige (verschmerzbare) Kompromisse muss ich allerdings bei schlechten Lichtverhältnissen eingehen. Hier schraubt mir die Automatik den ISO-Wert schnell mal auf 3.200, was zu starkem Bildrauschen, Lichthöfen und verwaschenen Aufnahmen führt. Brauchbar sind viele der Bilder dennoch, nur gibt es hier doch Konkurrenten wie das Galaxy S7, die sich bei Low Light besser schlagen.

Aber muss es eigentlich immer die Automatik sein? Keineswegs, denn das Huawei P9 bringt eine absolut beeindruckende Kamera-Software mit, die mir die manuelle Anpassung aller wesentlichen Faktoren ermöglicht. ISO, Verschlusszeit, Autofokus-Art, Weißabgleich – im Pro-Modus passe ich das Bild ziemlich genau meinen Bedürfnissen an – und das so intuitiv wie lange nicht mehr. Der Automatik-Modus hingegen verliert sich angenehmerweise nicht in Bild-Modi sondern fokussiert sich auf ein paar optionale Effekte und den (wenig sinnvollen) Tiefenschärfe-Modus. Mit dem kann ich beim aufgenommenen Foto verschiedene Blenden simulieren. Das Ergebnis sieht – mit Verlaub – zumeist albern aus. Dennoch bin ich insgesamt hellauf begeistert von den Kameras des Huawei P9.

Akku

Genug Energie für einen Smartphone-Tag

Ohne tieferen Zweck: Spielereien mit Blendensimulation
Auch Aufnahmen bei wenig Licht ...
... gehen noch in Ordnung ...
... kranken aber an Bildrauschen & Halos.
Ohne tieferen Zweck: Spielereien mit Blendensimulation

Über den Akku des Huawei P9 liest man momentan viel – leider auch viel Negatives. Fakt ist: 3.000 Milliamperestunden bringt die fest verbaute Stromquelle des Smartphones mit, was das P9 auf dem Papier auf eine Ebene mit der Premium-Konkurrenz hebt. Im Praxiseinsatz geht LG G5, Galaxy S7 und Co. allerdings erst nach dem Huawei die Puste aus. Die Kombi aus Display-Helligkeit und Prozessor-Verbrauch bringen den Akku doch ein wenig schneller ins Schwitzen.

Allerdings empfinde ich diesen Fakt als Kritik auf recht hohem Niveau, denn letzten Endes begleitet mich das P9 den ganzen Tag lang beim Surfen, Videos schauen und Games zocken. Dass ich abends mit dem Smartphone an die Steckdose muss, bin ich gewohnt und kann ich verschmerzen. So gesehen gänge zwar sicherlich mehr, ein richtiges Manko ist’s allerdings nicht.

Fazit

Prädikat: "Traum-Smartphone"

Das Huawei P9 wirft einige Kritikpunkte auf, die doch recht gewichtig erscheinen. Die Leistung des Octa-Core-Prozessors zum Beispiel liegt im Benchmark doch ein gutes Stück hinter den Konkurrenten und auch beim Akku ist sicherlich noch Luft nach oben. Bei einem Preis von aktuell 529 Euro verwundert auch die Entscheidung der Chinesen für ein Display mit lediglich Full HD sicher den ein oder anderen.

All das wiegt allerdings recht wenig, betrachtet man die beeindruckenden Positiva, die das P9 auszeichnen. So liefert das „nur“ Full-HD-Display ein ein absolut klares, kontraststarkes und plastisches Bild, dass die höheren Auflösungen der Konkurrenz nicht vermissen lässt. Die Kamera-Hardware gehört zum Besten, was das Jahr 2016 zu bieten hat, und die dazugehörige Software sucht ihresgleichen. Zu guter Letzt präsentiert das Huawei-Smartphone auch ein absolut beeindruckendes Design: hochwertig, perfekt verarbeitet, leicht, wertig und aus einem Guss – kaum ein zweites Smartphone liegt so gut in der Hand und fühlt sich dabei derart hervorragend an. Alles in allem ist das Huawei P9 mein unangefochtener Favorit unter den aktuellen Phones.

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