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Kaffeekapseln & ihre grünen Alternativen



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Die pure Bohne
Die pure Bohne

Könnt ihr euch noch an eure erste Tasse Kaffee erinnern? Ich schon. Alles begann im Kindergarten. Halb aufgezwungen, gab es jeden Nachmittag eine Tasse Kinderkaffee. Geschmacklich ein Graus, gefühlt wie erwachsen. Später, ich war schon lange in der Schule, ließ ich den Kinderkram schließlich endgültig hinter mir und muss mir seitdem immer häufiger eingestehen: Ich bin ein Kaffeejunky.

Seit den Anfängen meiner Kaffeekarriere hat sich in der Branche von Bohnen und Röstereien viel getan. Der internationale Kaffeemarkt verzeichnet eine nach wie vor wachsende Produktion und auch die Nachfrage nach dem Heißgetränk steigt weltweit. Klar, dass sich die großen Herstellerfirmen stets nach neuen rentablen Innovationen umschauen und mittlerweile unzählige Möglichkeiten zur privaten Zubereitung existieren. Eine spannende Entwicklung finde ich den Markt der als umweltschädlich geltenden Kaffeekapseln. Denn mittlerweile gibt es immer mehr Anbieter, welche den Ruf der Kapsel verbessern wollen. Was steckt dahinter?

Die Kapseln boomen

Die Invasion der Kapsel
Die Invasion der Kapsel

Vor einigen Jahren war es zumindest in Deutschland noch die Regel, dass der Kaffee in großen 500-Gramm-Packungen die Konsumenten erreichte. Mit der Zeit kamen aber recht pfiffige Marketingspezialisten auf die Idee der kleinen Kapseln, großen Automaten und der Knopfdrücken-fertig-Mentalität. In Deutschland schlug diese Idee ein wie eine Bombe und das Geschäft mit den kleinen Portionen brummt nach wie vor. Wurden 2005 insgesamt 7.350 Tonnen Pads und Kapseln verkauft, stieg dieser Absatz bis 2013 auf fast 45.000 Tonnen.

Zugegeben: Es ist schon verdammt lässig, in George-Clooney-Manier und mit nur einem Kapselwechsel einen cremigeren Kaffee zu zaubern, als es noch meine alte Drückkanne schafft. Was aber mit dem Boom der „neuen“ heimischen Kaffeeproduktion folgte, sind zwei interessante Punkte.

Teuer und umweltschädlich

Zum einen ist es ein super Geschäft für die großen Kaffeehersteller. Neulich war ich im Supermarkt, verglich die Produkte und stellte fest, dass 10 Kapseln im Durchschnitt so circa 3 Euro kosten. Nimmt man an, dass in einer Kapsel 6 Gramm Kaffee enthalten ist, bedeutet das einen Kilopreis von 50 Euro. Im Vergleich dazu wirkt der Kilopreis von rund 10 Euro für zwei normale 500-Gramm-Packungen unglaublich günstig.

Zum anderen entsteht mit den Unmengen produzierter Kapseln ein immer weiter an Größe zunehmender Müllberg. Allein in Deutschland werden jährlich rund 4.000 Tonnen Aluminium- und Plastikmüll erzeugt. Wer sich von euch noch an die ungarischen Vorfälle in der Aluminiumproduktion erinnert, weiß, dass die Herstellung von derart riesigen Alu-Mengen irgendwie nicht so toll ist. Übrigens geschieht die Zubereitung selbst in Deutschland unter „extrem umweltschädlichen“ Bedingungen und auch ein Giftschlammsee, welcher jenem Ungarns ähnelt, existiert hierzulande.

Die Konsequenz: Während mittlerweile sogar der Erfinder einer großen Kapselart seine Idee bereut, entstehen immer mehr Unternehmen, welche nachhaltige Kapseln im Angebot haben.

Grüner Kaffee?

Einer dieser Hersteller ist beispielsweise Velibre. Die Firma aus Bremen wirbt damit, dass ihre Kapseln zu 100 Prozent aus biologisch abbaubaren Rohstoffen bestehen. Ob Folie oder Kapsel: Ihr aliphatischer Biokunststoff kann laut eigenen Angaben sogar auf den heimischen Kompost geworfen werden und verrottet, wenn sich dank weiterer Bio-Abfälle genügend Mikroorganismen gebildet haben. Das Unternehmen bietet außerdem ein reichliches Angebot verschiedener Sorten mit unterschiedlicher Röstungsintensität an. Treffen die Kapseln schließlich bei euch zuhause ein, könnt ihr sie aus der mit 100 Prozent recyceltem Papier hergestellten Tüte entnehmen und genießen.

Zwar ist die Innovation ein guter Schritt in eine nachhaltigere Produktion. Allerdings dauert es auch bei diesen Kapseln rund ein Jahr, bis sie sich zersetzt haben und sicher ist auch nicht, inwiefern die städtische Entsorgung diese im Bio-Müll akzeptiert. Was auf dem Land vielleicht eine ganz praktische Erfindung ist, könnte die Probleme im Allgemeinen vielleicht auch nicht wirklich stoppen.

Eine ganz andere und scheinbar umweltfreundlichere Variante für Nespresso-Maschinen bietet mycoffeestar. Das Schweizer Unternehmen entwickelte die erste wiederbefüllbare Kapsel, mit welcher langfristig Geld und Ressourcen gespart werden können. Der Kauf dieser Kapsel ist mit rund 35 Euro natürlich etwas teurer als mehrere Packungen voll Plastikkapseln. Allerdings braucht ihr sie euch nur 1x zu kaufen und habt sie laut Angaben des Herstellers „ein Leben lang“.

Lecker, aber nicht immer sauber

Oft wird man heutzutage mit dem Gefühl konfrontiert, dass es scheinbar immer mehr im alltäglichen Leben und selbst beim Kaffeetrinken zu beachten gilt. Vom ökologischen Fußabdruck, den unser Kaffeegenuss hinterlässt, über die Herstellungsbedingungen der Bohne bis hin zum hier thematisierten Verpackungsmaterial. Man könnte beinahe auf die Idee kommen, man dürfe gar nichts mehr zu sich nehmen.

Ich liebe Kaffee. Und insofern muss ein Verzicht nicht die einzige Lösung sein. Aber ich möchte auch nicht die Müllberge in ihrer Höhe fördern und freue mich immer über neue technische Möglichkeiten zugunsten von Mensch und Umwelt. Aber nur, weil sich eine einzelne Kapsel irgendwann zersetzt, heißt das ja noch nicht, dass die ökologische Herausforderung nachlässt, wenn weiter Milliarden Kapseln hergestellt werden.

Ich finde es toll, dass immer mehr Menschen ein überaus hohes Umweltbewusstsein haben. Und wenn wir bei einem grünen Kaffee sogar noch sparen können, dann haben wir gleich zwei Gründe zum Anstoßen: Auf dass wir weiterhin bewusst schlürfen dürfen ;)

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